St. Pölten

Erstellt am 06. Januar 2018, 07:29

„Saufen, biaschtln, tachinieren“ als Credo. Mit genderneutralen Bierhymnen machte Turbobier das Warehouse unsicher. Davor stellte sich Frontman Marco Pogo der NÖN.

Turbobier brachte Wiener Punk ins St. Pöltner Warehouse. Zu fetten Gitarrenklängen gab‘s noch einen Jahresrückblick und eine Bierparteitagung.  |  NOEN, Maria Prchal

Mit Konzert und Tagung der bandeigenen Bierpartei (BPÖ) feierte Turbobier im Warehouse Jahresabsch(l)uss. Frontman und
Bundesparteivorsitzender Marco Pogo plauderte noch vor dem Exzess mit der NÖN.

NÖN: Wieso habt ihr euren Jahresabschluss genau in St. Pölten?
Marco Pogo: Kulturell tut sich hier zwar eh einiges, aber es ist immer Luft nach oben. Vor allem wenn St. Pölten sich jetzt als Kulturhauptstadt bewirbt. Wir müssen außerdem als Gründungsväter und Chefideologen der BPÖ unseren ideologischen Samen in die niederösterreichische Landeshauptstadt, quasi die zweite Hauptstadt Österreichs, tragen.

Es sind passend bald Landtagswahlen. Hat die BPÖ schon einen Ableger in Niederösterreich?
Es gibt zwar viele Sympathisanten und zukünftige Leistungsträger, aber wir machen das immer vom Arbeitsaufwand abhängig. Es darf nie in Arbeit ausarten. Wir wollen aber niemanden ausgrenzen und haben zum Beispiel schon dem dahinscheidenden Wiener Bürgermeister Michael Häupl einen Ministerposten für Freizeit und Wochenende besorgt. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir für den Onkel Erwin ein Platzerl im Qualitätsmanagement finden.

Wie schaut die Parteitagung aus?
Ich werde als Bundesparteivorsitzender ein paar Worte an das Volk richten und das Ganze endet mit unserer Interpretation der österreichischen Bundeshymne. Gegenderte Version, was manche Künstler in diesem Land ja nicht zambringen: Tschecheranten und Tschecherantinnen – Alkoholkonsum ist schließlich geschlechterüber greifend.

In euren Parteistatuten ist nachzulesen, man braucht mindestens einen Blutalkoholspiegel von 1,2 Promille, um an einer Tagung teilzunehmen. Wie kontrolliert ihr das?
Streng. Wir machen stichprobenartige Blickproben und wenn uns da einer zu nüchtern vorkommt, werden wir vehement einschreiten. Wir haben ein großes Bierfass mit und werden die Personen hart damit abstrafen. Aber das ist dann auch eine Absolution, die wir erteilen. Sie sind dann wieder vollwertige Mitglieder.

Absolution ist ein gutes Stichwort. Ihr habt ja auch einen Glauben entwickelt. Wie lässt sich das mit einem säkularen Staat verbinden?
Gar nicht. Wir streben ja die Wiedervereinigung von Kirche und Staat an mit dem obersten Leitspruch „Saufen, biaschteln, tachinieren“.

Habt ihr irgendwelche Tipps für die neue Regierung?
Der aktuellen Bundesregierung kann man nur sagen, sie sollten sich mal unsere Statuten durchlesen. Die nächste Nationalratswahl wird sicher mit einer absoluten Mehrheit für uns ausgehen und wir werden versuchen, die Schäden, die Türkis-Blau anrichten wird, wieder auszubügeln.

Wie würdet ihr jemandem, der noch nie von euch gehört hat, erklären, was Turbobier ist?
Das wissen wir manchmal selber nicht. Wir sind offen für Inputs. Wenn’s da draußen jemand weiß: Bei uns melden.