St. Pölten

Erstellt am 17. April 2018, 05:00

von Lisa Röhrer

Selbsteinschätzung statt Tests. Führerschein-Verbot nach Todes-Crash gefordert. St. Pöltner setzen auf Eigenverantwortung.

Fahrkönnen liegt nicht nur am Alter, betonen sowohl Senioren- und Pensionistenvertreter als auch die Polizei.  |  NOEN, shutterstock.com/Photoback

„Führerschein weg ab 75 Jahren und dafür ein kostenloses Senioren-Öffiticket!“, heizte ein NÖN-Leser nach dem Geisterfahrer-Unfall in der Steiermark die Diskussion über ältere Autofahrer als potenzielle Gefahr im Straßenverkehr wieder an. Eine 83-Jährige hatte wie berichtet einen Frontalzusammenstoß verursacht, bei dem eine
St. Pöltnerin ums Leben kam. Viele Leser forderten in Kommentaren ein Fahrverbot für ältere Menschen oder regelmäßige Verkehrstüchtigkeitskontrollen für ältere Semester.

Die Vertreter der St. Pöltner Senioren und Pensionisten, aber auch Fahrschul-Besitzer und die Polizei sind skeptisch. „Manche fahren mit 70 besser Auto als andere mit 30“, bemerkte Walter Schwarzenecker von der Landespolizeidirektion. 57 Lenker über 60 Jahre waren 2016 an Unfällen mit Personenschaden in St. Pölten beteiligt. Das ist rund jeder Siebente der 427 von der Statistik Austria erfassten Unfalllenker. Diese Zahl sagt jedoch nichts darüber aus, ob sie den Unfall auch verursacht haben.

„Man sollte nicht von Einzelfällen auf ein allgemeines Verbot schließen. Für Senioren ist es wichtig, mobil zu bleiben.“ Christine Grilz , Seniorenbund-Obfrau

Sollte jemand als nicht verkehrstüchtig eingestuft werden – weil er etwa häufiger durch Parkschäden, andere Unfälle oder bei Verkehrskontrollen auffällt – könne die Polizei derzeit nur eine Meldung bei der Bezirksbehörde machen, erklärt Schwarzenecker. Der Lenker kann dann vom Amtsarzt zu einer Feststellung seiner Verkehrstauglichkeit vorgeladen werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine eingeschränkte Fahrerlaubnis zu erteilen. Ein Lenker darf dann zum Beispiel nur mehr in einem bestimmten Bereich, etwa seinem Heimatbezirk, mit dem Auto fahren. „Das Alter alleine ist dafür aber keine ausreichende Begründung“, stellt Schwarzenecker klar.

Eine weitere Forderung auf der NÖN-Facebookseite war eine Führerschein-Nachschulung alle zehn Jahre. Das sieht Fahrschul-Fachvertreter Richard Mader aber kritisch: „Das oberste Ziel ist es, die Mobilität der Älteren zu erhalten. Schritte, um die Mobilität zu verbieten, sind völlig fehl am Platz.“ Sinnvoller wäre es, die Kenntnisse der Menschen aufzufrischen, deren Führerscheinprüfung schon länger zurückliegt. „Die Fahrschulen bieten Kurse auf freiwilliger Basis an, in denen Senioren ohne Druck lernen, technische Assistenzsysteme zu verwenden. Die werden aber selten genutzt“, so Mader.

Senioren setzen auf Selbstverantwortung

Die St. Pöltner Seniorenbund-Obfrau spricht sich klar gegen verpflichtende Überprüfungen und ein Fahrverbot für ältere Menschen aus: „Man sollte nicht von Einzelfällen auf ein allgemeines Verbot schließen. Für Senioren ist es wichtig, mobil zu bleiben“, betont Grilz. Das sei vor allem in abgelegeneren Gebieten nur mit einem Auto möglich. „Jeder sollte so viel Selbstverantwortung haben, dass er erkennt, wenn er nicht mehr in der Lage ist, ein Auto zu lenken. Dann sollte man den Führerschein abgeben oder einfach von selbst nicht mehr fahren“, meint Grilz. „Unfälle älterer Personen lassen sich nicht verhindern, aber jugendlichen Leichtsinn kann man auch nicht ausschalten.“

Dem kann auch die Vorsitzende des NÖ Pensionistenverbandes Heidemaria Onodi zustimmen: „Fahr-Können kann man nicht am Alter festmachen. Nachschulungen auf freiwilliger Basis fände sie okay, wenn sie zur Pflicht werden, dann aber nicht nur für ältere, sondern für alle Führerschein-Besitzer.

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