St. Pölten

Erstellt am 06. Dezember 2017, 09:08

von Lisa Röhrer

Chinarestaurant setzt Zeichen gegen Verschwendung. Facebook-Gruppe und Chinarestaurant-Betreiber wollen Zeichen gegen Verschwendung setzen. Essen wird gratis abgegeben.

Aofeng Sun stellt jeden Abend, außer Montag, beim Buffet übrig gebliebenes Essen in einen Kühlschrank zur freien Entnahme. „Wir hoffen, damit ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung und Hungersnot setzen zu können“, heißt es auf dem Schild, das auf der Charity-Box steht.  |  NOEN, Lisa Röhrer

„Auf den Teller statt in die Tonne“ lautet das Motto für einige St. Pöltner. In der Landeshauptstadt sind rund 22 Prozent des jährlich gesammelten Restmülls Speisereste oder Lebensmittel. Um dem entgegenzuwirken, wurde eine Facebook-Gruppe gegründet. Und ein Gastronom macht mit einer neuen Idee auf sich aufmerksam.

Aofeng Sun, Betreiber des Chinarestaurants „Golden Sun“ in der Wiener Straße, hat beim Eingang zu seinem Lokal einen kleinen Kühlschrank aufgestellt. Kurz vor der Sperrstunde räumt der Restaurantbetreiber das Buffet ab und füllt die übrigen Speisen in kleine Plastikgefäße. Diese stellt er in den Kühlschrank. Hungrige können in der Zeit von 22 bis 22.30 Uhr täglich kommen und sich die Speisen – kostenlos – abholen.

„Strafzahlung für Speisereste am Buffet-Teller“ sorgte für Aufsehen

„Das Essen ist noch gut und frisch, wir werfen es weg, andere hungern, das darf einfach nicht sein“, sagt Sun, der bereits mit seiner Idee „Strafzahlung für Speisereste am Buffet-Teller“ für Aufsehen sorgte. Er will damit Bedürftige unterstützen und gleichzeitig der Lebensmittelverschwendung entgegen-steuern. „Ich freue mich, wenn jemand das Essen mitnimmt, bevor ich es wegwerfen muss“, sagt der Restaurant-Betreiber, „ich würde es in den Müll schmeißen und so kann ich vielleicht bei jemandem den Hunger stillen. Man muss nicht extra nach Afrika fliegen, um Menschen zu sehen, die Hunger leiden. Die gibt es auch in St. Pölten“.

Dass auch diejenigen das Essen abholen, die es wirklich brauchen, kann der Gastronom nur hoffen. „Ich gehe einfach davon aus, dass die Leute anständig sind und nicht jemand kommt und alles mitnimmt, obwohl er es gar nicht nötig hat“, appelliert Sun an die Vernunft seiner Gäste.

 „Man muss nicht extra nach Afrika fliegen, um Menschen zu sehen, die Hunger leiden. Die gibt es auch in St. Pölten.“ Aofeng Sun

 Teilen und tauschen statt entsorgen wollen auch die mittlerweile 760 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Essen zu verschenken in St. Pölten.“ Erst vor etwa drei Wochen hat Gernot Wallner diese ins Leben gerufen.

Facebook-Gruppe wurde ins Leben gerufen

„Ich wollte mit der Gruppe dazu beitragen, dass Essen, das übrig bleibt, verteilt und nicht einfach weggeworfen wird“, erklärt Wallner seine Idee. Personen, die Lebensmittel oder fertige Speisen übrig haben und diese selbst nicht mehr verbrauchen können, etwa weil sie auf Urlaub fahren oder einfach zu viel gekauft haben, bieten diese in dem sozialen Netzwerk an. Interessierte können sich melden. „Wie der Austausch der Lebensmittel dann in den einzelnen Fällen konkret abläuft, habe ich erst einmal denjenigen selbst überlassen, die tauschen“, sagt Wallner. Er hofft gleichzeitig, dass sich auch Menschen melden, die wirklich Hunger haben und etwas zu essen brauchen.

Günstige Lebensmittel gibt es in der Landeshauptstadt auch im SOMA in der Linzerstraße. Geliefert werden diese, laut Claudia Zwingel, einerseits von allen großen Handelsketten und andererseits auch von kleinen Erzeugerbetrieben.

Strenge Richtlinien auch bei Verschenktem

Sorgen machen, dass das günstiger oder sogar gratis abgegebene Essen nicht mehr genießbar ist, braucht sich aber niemand. Denn die Weitergabe unterliegt – selbst wenn die Nahrungsmittel verschenkt werden – strengen lebensmittelrechtlichen Richtlinien. Sie müssen also in Ordnung und hygienisch sein und bestimmte Lagerbedingungen müssen eingehalten werden.

„Auch in der Form der unentgeltlichen Weitergabe muss der Letztverbraucher davon ausgehen können, dass er ein sicheres und hygienisch einwandfreies Lebensmittel erhält“, informiert Gabriele Bertl, Leiterin des St. Pöltner Marktamtes. Für die Sicherheit ist immer der verantwortlich, der die Lebensmittel abgibt.