Erstellt am 06. September 2017, 05:11

von Daniel Lohninger

In 100 Tagen ist Güterzugumfahrung in Betrieb. Ab 10. Dezember umfahren Güterzüge das Stadtzentrum. Derzeit sind noch die Messwagen unterwegs.

Beim Pummersdorfer Tunnel starteten Franz Schnabl, Franz Bauer, Jörg Leichtfried, Matthias Stadler und Anton Heinzl die Besichtigung der Güterzugumfahrung – 100 Tage vor der Inbetriebnahme.  |  NOEN, privat

Mehr als 250 Güterzüge donnern pro Tag mitten durch die Stadt. Ab 10. Dezember ist das Vergangenheit: Die Güterzüge werden dann auf der 24,7 Kilometer langen Neubaustrecke entlang der A 1 und S 33 das dicht besiedelte Stadtzentrum umfahren.

100 Tage vor der Inbetriebnahme befuhren Infrastrukturminister Jörg Leichtfried, ÖBB-Infrastruktur-Vorstandsdirektor Franz Bauer, Bürgermeister Matthias Stadler und der Vorsitzende des parlamentarischen Verkehrsausschusses Anton Heinzl die Güterzugumfahrung mit einem Messwagen.

Die sind seit April permanent auf der Strecke unterwegs, um die Gleise, Leitungen und Weichen zu testen sowie die Anlagen „abzunehmen“. Auch Schulungsfahrten finden statt. „Das ist notwendig, um die hohen Standards zu erfüllen und einen sicheren Betrieb zu garantieren“, erklärt Bauer. Mit der Inbetriebnahme der GZU nach 17-jähriger Bauzeit erwarten Verkehrsministerium, ÖBB und Stadt zumindest drei Verbesserungen:

Mehr Kapazität für Güterverkehr

Der Hauptbahnhof St. Pölten ist das letzte Nadelöhr auf der viergleisig ausgebauten Strecke zwischen Wien und Linz, die Teil des Transeuropäischen Netzes ist. 732 Millionen Euro lassen sich Bund und EU die Beseitigung dieses Nadelöhrs kosten – das sind 70 Millionen Euro weniger als ursprünglich budgetiert. Ab Dezember können pro Tag statt 250 bis zu 800 Güterzüge fahren, Verspätungen aus Kapazitätsgründen wird es keine mehr geben. „Dieses Mehr an Verbindungen sowie verlässliche Just-in-time-Lieferungen sorgen dafür, dass der Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird“, ist Leichtfried sicher.

Mehr Spielraum für zusätzliche Personenzüge

Jeder Pendler kennt es – die Züge auf der neuen Westbahnstrecke zwischen St. Pölten und Wien sind sehr oft überfüllt. Das Problem bisher: Es gibt kaum mehr Spielraum für zusätzliche Züge, weil die Gleise im St. Pöltner Stadtgebiet völlig ausgelastet sind. Durch die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Umfahrungsstrecke wird Platz frei für zusätzliche Personen-Züge auf der Westachse, aber auch im Nahverkehr. „Diesen Spielraum sollten wir nutzen. Die Fahrgastzahlen steigen rasant, also muss auch der Takt verdichtet werden“, fordert Heinzl. Spätestens mit Fahrplanwechsel 2018/19 wird sich der GZU-Effekt in einem deutlichen Plus an Zügen niederschlagen.

Mehr Lebensqualität im Stadtzentrum

Rund um die Uhr sind die Güterzüge derzeit auf der Stadtstrecke unterwegs – viele von ihnen aufgrund der Dichte des Personenverkehrs in der Nacht. Künftig werden Güterzüge nur mehr als Ziel- oder Quellverkehr durch die Stadt rollen. „Die GZU bringt damit eine deutliche Entlastung der Anrainer im Stadtzentrum mit sich“, streicht Stadler hervor. Dass gleichzeitig die Lebensqualität entlang der nicht untertunnelten Neubaustrecke in Spratzern, Stattersdorf und Wagram sinken könnte, glauben Stadler und Heinzl nicht: „Hier wurde höchster Wert auf Lärmschutz gelegt und viel investiert, um die Anrainer nicht zusätzlich zu belasten.“

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