St. Pölten

Erstellt am 13. Februar 2018, 05:18

von Max Steiner

Näher am Heimatort, fern der Hauptstadt. Viele Landesbedienstete sparen sich in Zukunft die Fahrt nach St. Pölten. Im Regierungsviertel könnte es leerer werden.

Weniger Landesbedienstete könnten bald im Regierungsviertel anzutreffen sein. Bürgermeister Stadler befürchtet, dass der Trend zur Tele-Arbeit auch Vorbildwirkung für Unternehmen hat.  |  NOEN, Straubinger

Für knapp 100 Landesbedienstete geht es zum Arbeiten in die Heimat – zumindest für einige Tage pro Woche. Rund 500 sollen sich bis 2022 dank Tele-Arbeit den Weg in die Landeshauptstadt öfter sparen können. Mit der Dezentralisierungsoffensive will Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die ländlichen Regionen stärken und hochwertige Plätze vor Ort schaffen.

Zum Beispiel für ein Ehepaar aus Frankenfels mit zwei kleinen Kindern. Daniel Fuxsteiner von der IT-Benutzerunterstützung sowie Birgit Fuxsteiner, Sachbearbeiterin für öffentliches Wassergut, können jeweils zwei Tage einen Arbeitsplatz in der viel näheren Bezirkshauptmannschaft Scheibbs nutzen und dort ihre Arbeit erledigen.

Auf den Job-Standort soll sich die zeitweise Abwesenheit von fast einem Fünftel der rund 2.700 Beschäftigten im Landhaus aber nicht wesentlich auswirken, betont Martin Brandl vom Büro der Landeshauptfrau. Skeptischer ist Bürgermeister Matthias Stadler, auch wenn eine Abwanderung von öffentlichen Arbeitsplätzen keine direkte Auswirkung hätte, weil diese nicht kommunalsteuerpflichtig sind. Bürgernähe könnte nicht mehr gegeben sein und Verwaltungsabläufe erschwert werden. Es sei zumindest zu hinterfragen, warum das Land die Infrastruktur nicht optimal ausnütze. Für ihn sei es sinnvoller, die Arbeitskraft zu bündeln anstatt sie abzusiedeln, so Stadler.

Tele-Arbeit mit Vorteilen aber auch Nachteilen

Dass Dienstbesprechungen oder Parteienverkehr weiterhin vorrangig in St. Pölten stattfinden, betont Martin Brandl und streicht die Vorteile hervor: Müttern werde ein früherer Einstieg ins Berufsleben ermöglicht, Eltern hätten mehr Zeit für die Familie und der ländliche Raum bleibe als Wohnraum und Erholungsgebiet erhalten. Zudem dürfe man den ökologischen Aspekt durch die Einsparung von gefahrenen Kilometern nicht außer Acht lassen.

Der Trend zur Tele-Arbeit ist für Stadler trotzdem besonders im öffentlichen Sektor problematisch. Synergien könnten nicht so gut genützt werden, wenn jeder isoliert arbeitet, und es sei zu befürchten, dass Verwaltungsgebäude bald leer stehen. Und nicht zuletzt könnte „dies für andere Institutionen und Unternehmen beispielgebend sein, womit unbestritten Nachteile verbunden sind“.