Erstellt am 11. August 2017, 05:11

von Beate Steiner

Probleme mit Praktikanten. Berufsbildende Schulen schreiben Pflichtpraktika vor. Nicht immer verläuft die Beschäftigung in den Sommermonaten für Schüler und Arbeitgeber ohne Schwierigkeiten.

Symbolbild  |  Phovoir/Shutterstock.com

200 Euro hatte ein Gastronomiebetrieb der Praktikantin für vier Monate Arbeit gezahlt – knapp 3.400 standen ihr zu. Das Geld hat die Arbeiterkammer für die Schülerin einer Berufsbildenden Schule jetzt erstritten. „98 Prozent laufen gerecht ab – in wenigen Fällen gibt es Schwierigkeiten“, reagiert Sigrid Zöchling, Direktorin des Schulzentrums Eybnerstraße, auf diese Meldung.

Ihre Kollegin Sissy Nitsche-Altendorfer, Direktorin der Tourismusschulen im Wifi, pflichtet bei: „Probleme gibt es nur in Einzelfällen. Vor allem dann, wenn die Erwartungen von Arbeitgeber und Praktikant zu sehr differieren.“

„Probleme gibt es dann, wenn die Erwartungen von Arbeitgeber und Praktikant differieren. Sissy Nitsche-Altendorfer

Ulrike Mesner, Eigentümerin der Gaststätte Figl, bestätigt das aus Erfahrung: „Heuer habe ich Glück mit meiner Praktikantin. Sie ist echt gut und sehr engagiert.“ Mesner hat allerdings schon einige Male erlebt, dass Praktikanten erheblich mehr Arbeitsaufwand als Arbeitsleistung für den Betrieb bedeuten. Sie findet die derzeitige Regelung, dass Praktikanten nach dem Kollektiv-Vertrag für Lehrlinge inklusive Urlaubsanspruch bezahlt werden, unbefriedigend: „200 Euro sind allerdings wirklich ein Witz.“

„Investition in die Jugend“

Wirte-3100-Obmann Leo Graf sieht die Beschäftigung seiner Praktikanten als „Investition in die Jugend“. Und genau das ist es auch, was Sissy Nitsche-Altendorfer als Vorteil der Berufsbildenden Schulen Österreichs sieht, nämlich „die Verbindung von schulischer Ausbildung und Ausübung der erlernten Kompetenzen in der betrieblichen Realsituation“. Mit einer Veränderung würde man das berufsbildende Schulwesen, „um das uns viele in Europa beneiden“, infrage stellen, so die Direktorin. Schüler sollten auch weiterhin das Arbeitsumfeld mit geregeltem Arbeitsablauf, mit Chef oder Chefin, kennenlernen.

Darum bemühen sich die gastronomisch bildenden Schulen sehr. In der HLW gibt es im Vorfeld des Praktikums Elternabende, bei denen auch Arbeitgeber anwesend sind. In den Tourismusschulen hilft ein Lehrer bei der Suche nach Stellen. Außerdem besuchen Lehrer die Schüler bei ihren Praxisstellen. „Grundsätzlich werden unsere Schüler gern genommen“, betonen beide Schuldirektorinnen.