Erstellt am 10. Oktober 2017, 05:50

Aufschrei nach Rodungsarbeiten. St. Pöltner kritisieren das Fällen „gesunder Bäume“. Sparkasse begründet Mehr-Schnitt mit Befall durch Borkenkäfer.

Waldbenutzer erschraken angesichts der gefällten Bäume. Sie orteten auch großen Kollateralschaden durch den Harvester-Holzernter.  |  NOEN, privat

Einen Schock brachten die schönen Herbsttage der Vorwoche für viele St. Pöltner: Hunderte Bäume waren im Stadtwald dem Harvester zum Opfer gefallen, ein breiter Streifen im Anschluss an die Kleingartensiedlung wurde überhaupt komplett kahlgeschlagen.

Wurden gesunde Bäume gefällt?

Kein Wunder, dass die Telefone in der NÖN-Redaktion heiß liefen – auch, wenn die Sparkasse als Grundeigentümer die Baumfäll-Arbeiten bereits im Vorfeld angekündigt hatte.

Das durch einen eingeschleppten Pilz ausgelöste Eschen-Sterben machte leider auch vor dem Stadtwald nicht halt, die Eschen mussten gefällt werden. Im Zuge der Rodung bemerkten die Forstarbeiter dann auch, dass in Fichten, aber auch in Akazien der Borkenkäfer sein Unwesen trieb.

Eschen-Sterben am Titelblatt: Bereits im August hatte die NÖN exklusiv die Rodungsarbeiten im Stadtwald angekündigt.  |  NOEN, Grafik: NÖN

Das war auch der Grund dafür, dass nicht markierte Bäume gefällt werden mussten. „Diese Bäume waren tot. Sie hätten jederzeit umfallen können“, begründet Walter Wögerer von der Sparkasse.

Deshalb sei der Kahlschlag rund um die Kleingartensiedlung größer ausgefallen, weil hier die Fallweite der stattlichen Baumriesen berücksichtigt werden hätte müssen.

Im Zuge der Rodungsarbeiten wurde in Fichten und Akazien massiver Befall durch den schädlichen Borkenkäfer festgestellt.  |  NOEN

Passanten kritisierten aber nicht nur die Fällarbeiten, sondern auch den enormen Kollateralschaden, den der Harvester auf den Wegen und im Unterholz anrichtete.

Die Sparkasse versichert, dass die Wege wieder hergerichtet und die aus dem Unterholz wachsenden Bäume die Grundlage für einen verjüngten Wald sein werden.

Bäume konnten nicht händisch gefällt werden

Die Alternative, die Bäume händisch zu fällen, wäre nicht nur kostenintensiv, sondern auch zeitintensiv gewesen.

„Wir hätten den Stadtwald bis Juni sperren müssen, die Anrainer hätten die ganze Zeit den Lärm der Motorsägen gehört“, erklärt Sparkassen-Prokurist Günther Denk. Für den Abtransport des Holzes hätte es aber selbst in diesem Fall schwerer Fahrzeuge bedurft.

Gerodeter Streifen soll wieder aufgeforstet werden 

Die Sparkasse verspricht jedenfalls, dass der gerodete Streifen als Mischwald wieder aufgeforstet wird und im Wald selbst die heute jungen Bäume aus dem Unterholz hochgezogen werden.

Zugleich betonen Wögerer und Denk, dass die Stiftung der Sparkasse Jahr für Jahr zehntausende Euro in die Erhaltung von Stadtwald und Sparkassenpark investiere: „Wir wollen, dass dieses Erholungsgebiet auch nachfolgenden Generationen in der gewohnten hohen Qualität zur Verfügung steht.“

„Sicherheit hat oberste Priorität“

Dass etwas für die Sicherheit der Waldbenutzer getan werde, begrüßt Markus Hippmann von den Grünen grundsätzlich. „Es ist schon logisch, dass immer wieder etwas abgeholzt werden muss, aber wie immer werden weit mehr Bäume geschlägert als vorgesehen.“ Und, dass die Sicherheit in den letzten Jahren „offensichtlich nicht so wichtig war“, wenn jetzt so viel gerodet werden müsse.

Baumbestand wird regelmäßig kontrolliert

Stadtgärtner Robert Wotapek versichert, dass Stadtgärtnerei, Sparkasse und die Firma Arbeitsgruppe Baum regelmäßig den Baumbestand kontrollieren und dabei immer wieder befallene Eschen feststellen.

Die Sparkasse könne gar nicht umhin, die aktuellen Schlägerungen aus Sicherheitsgründen durchzuführen: „Die Sicherheit hat oberste Priorität, darum müssen wir die Entfernung aller befallenen und umsturzgefährdeten Eschen anordnen“, erläutert Wotapek. Die Arbeiten würden zudem vom Förster überwacht.

Bitte um Einhaltung der Sperre

Wotapek appelliert auch an die Bevölkerung, an die eigene Sicherheit zu denken: „Trotz einer Sperre bewegen sich hier immer wieder Personen, die laufen, joggen und spazieren gehen – sogar mit Kinderwagen.“ Indem diese St. Pöltner das Verbot ignorieren, erschweren sie die Arbeiten und missachten die Gefahr, die im Zuge der Schlägerungs- und Transportarbeiten droht, so Wotapek.