Fels am Wagram

Erstellt am 12. Januar 2018, 05:51

von Claudia Stöcklöcker

Statt großer Liebe folgte Abzocke. Eine Partnerin erhoffte sich ein Landwirt, stattdessen luchste ihm 30-Jährige sein Erspartes ab. Die Frau muss nun sitzen.

Das Urteil war zunächst nicht rechtskräftig  |  APA (Archiv)

„Die Ost-Öffnung hat auch ihre Nachteile“, sagt Richter Slawomir Wiaderek in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten zu einer Tschechin und verhängt über sie wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs 18 Monate teilbedingte Freiheitsstrafe. Sechs Monate davon soll die 30-Jährige hinter Gittern absitzen. Gegen das Urteil legt sie sofort Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ein.

„Die Ost-Öffnung hat auch ihre Nachteile“

Über eine Single-Börse im Internet lernte die Tschechin aus Fels am Wagram einen Landwirten kennen, Liebe soll sie ihm dann vorgegaukelt und ihm, seiner Mutter und seinem Neffen insgesamt 219.000 Euro aus der Tasche gezogen haben. Geständig dazu war die 30-Jährige bereits am ersten Prozesstag im Herbst nicht. Geld auf ihr Konto bekommen zu haben, gab sie zu. „Das habe ich aber sofort abgehoben und zurückgegeben“, erzählte sie. Und ihr Verteidiger erklärte: „Mit diesem Geld wollte man sich Liebe kaufen.“

„Solche Fälle häufen sich in letzter Zeit“

Anderes hingegen berichtete der Opferanwalt: „Sie hat perfide Geschichten erzählt, eine Gehirnoperation der Mutter vorgetäuscht, eine Unterleibsoperation, hat Geld für einen Tierarzt gebraucht, für Autos und Versicherungen, hat erzählt, dass sie ein Haus in Tschechien verkaufen möchte und dann alles zurückzahlen wird.“

Der Richter vertagte den Prozess, um den SMS-Verkehr zwischen Opfern und Angeklagter unter die Lupe zu nehmen, nun steht für ihn fest: „Die Angeklagte wollte immer nur Geld.“

Den Schuldspruch begründet er: „Ich glaube der Angeklagten kein Wort, sie hat Notlagen vorgetäuscht, sie wollte weismachen, dass sie überwiesenes Geld behoben und zurückgegeben hat. Das ist absolut lebensfremd, sie hätte es auch rücküberweisen können.“

Und der Richter weiters im Prozess: „Die Angeklagte hat leichte Opfer gefunden, solche Fälle häufen sich in letzter Zeit.“