Erstellt am 10. Januar 2018, 05:42

von Thomas Peischl

Auf Wohnungs-Großbrand folgt Unsicherheit. Mieter können vorläufig nicht in Wohnungen zurück. Brandursache unklar, aber Ende der Instandsetzungsarbeiten in Sicht.

Kommandantstellvertreter Manuel Rubitzko und Kommandant René Zimmermann von der FF St. Andrä-Wördern mit Marianne und Michael Schnabl-Stieglechner sowie deren Sohn Paul vor dem betroffenen Wohnbau.  |  NOEN, Peischl

In der Nacht auf den zweiten Weihnachtsfeiertag hatte sich in der Dr.-Bruno-Klein-Straße ein Großbrand ereignet (. Das beherzte und rasche Eingreifen von fünf Freiwilligen Feuerwehren hatte zwar Schlimmeres verhindert, aber auch knapp zwei Wochen nach der Katastrophe erhalten die betroffenen Bewohner von der zuständigen Sozialbau nur sehr spärlich Informationen oder gar Hilfe.

Glühende Fassadenteile versperrten den Weg

Aber kehren wir zunächst noch einmal in die Schreckensnacht zurück. Marianne und Michael Schnabl-Stieglechner erinnern sich genau: „Es war um 2.50 Uhr, als wir durch einen Knall und lautes Knistern aufgeweckt wurden.“ Es folgte ein zweiter Knall, dann entdeckten sie vom Fenster aus den Brand.

„Wir haben unser Kind geschnappt und wollten so schnell wie möglich ins Freie“, berichten die beiden weiter. Aber das Licht im Stiegenaufgang war bereits ausgefallen und glühende Fassadenteile versperrten den Weg hinaus. Also ging es zurück in die Wohnung, wo die Familie gemeinsam mit Nachbarn auf das Eintreffen der Einsatzkräfte wartete. Noch während des Telefonats mit der Rettung wurde die Einsatzstufe erhöht, da nun mehrere Erwachsene und ein Kind eingeschlossen waren.

Wenige Minuten später waren nicht nur die FF St. Andrä-Wördern, sondern auch Altenberg, Hintersdorf, Kirchbach und Zeiselmauer im Einsatz. Sie brachten die sieben Erwachsenen, den kleinen Paul sowie zwei Katzen einen Hund und zwei Hasen in Sicherheit. „Für die nächsten Stunden kamen wir alle samt Tieren bei Familie Herlitschka unter, die waren wahnsinnig nett“, bedankt sich Marianne Schnabl-Stieglechner. Für die helfende Nachbarsfamilie war das „eine Selbstverständlichkeit. Wichtig ist, dass niemandem etwas passiert ist!“

Bestnoten also für Einsatzkräfte und Nachbarn, aber wie sieht es mit der für die Anlage zuständigen Sozialbau aus? Auch zehn Tage nach dem Brand hatten die betroffenen Bewohner keine Ersatzquartiere angeboten bekommen. „Das Einzige, das man uns auf Anfrage mitgeteilt hat ist, dass in Wien eine unmöblierte Wohnung zur Verfügung steht“, sagt Marianne Schnabl-Stieglechner. Die FF St. Andrä-Wördern hingegen stellte ihrer Familie umgehend das eigens für derartige Fälle eingerichtete Katastrophenzimmer zur Verfügung.

Atemschutzträger der FF Kirchbach beim Einsatz in der Nacht auf den 26. Dezember 2017.  |  NOEN, FF St. Andrä-Wördern

Kommandant René Zimmermann: „Eine Selbstverständlichkeit!“ Für das zaghafte Handeln der Sozialbau zeigt er wenig Verständnis: „In Wien gab es mit einem Dachbrand gerade einen ähnlichen Fall. Dort wurden aber innerhalb von zweieinhalb Stunden alle zehn betroffenen Wohnungsparteien in Hotelzimmern untergebracht.“

Zimmermann ärgert sich weiters über die Informationspolitik des Unternehmens: „Wir brauchen eine vernünftige Aussage, bis wann die Mieter wieder in ihre Wohnungen können. Die steht bis heute aus.“ Ein Großbetrieb wie die Sozialbau müsse doch mit Vorfällen wie diesem kalkulieren und danach rascher und professioneller agieren können.

Ganz anders beurteilt Florian Pausch, für die Anlage zuständiger Abteilungsleiter der Hausverwaltung bei der Sozialbau, die Lage: „Wir haben mit allen Bewohnern telefoniert und sind sehr überrascht, wie zufrieden sie mit der Abwicklung sind.“ Familie Schnabl-Stieglechner habe man eine Gästewohnung in Wien (mit Küche, Bad und WC) angeboten, das sei aber abgelehnt worden. Alle anderen Bewohner hätten angegeben, dass sie bei Freunden oder Verwandten versorgt wären.

„Die Schadensinstandsetzungsfirma Team Red ist relativ weit, wir brauchen jetzt nur noch die Rückmeldungen der einzelnen Haushaltsversicherungen aller Bewohner“, erklärt Pausch weiter. Im Idealfall sollten erste Bewohner (die Familie mit Kind werde hier bevorzugt behandelt) bereits Ende nächster Woche wieder einziehen können.

Warten auf Gutachten des Kriminaltechnikers

Was die Brandursache angeht: Das Feuer war in beiden Müllräumen des Wohnbaus, die sich in einigem Abstand zueinander in gegenüberliegenden Enden des Gebäudes befinden, ausgebrochen. Diese Tatsache legt Brandstiftung nahe, die Polizei lässt sich aber zu keinerlei Spekulationen hinreißen: „Das Gutachten des Kriminaltechnikers steht noch aus. Es sollte aber in den nächsten Tagen eintreffen.“