Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 11. Januar 2018, 04:29

von Michael Schwab

Auch Erwachsene als Sternsinger unterwegs. Um „Unterversorgung“ in Waidhofen zu lindern, zogen zwei Erwachsenen-Gruppen durch Nordsiedlung und Alt-Waidhofen. In Groß Siegharts gab es ausreichend Kinder.

Eva Spreitzer, Elisabeth Bogg-Weltzl sowie Martina und Thomas Führer waren am Donnerstag in der Nordsiedlung als Sternsinger unterwegs. Bei jedem Haus wurde gesungen.  |  Michael Schwab

Die Sternsinger zogen in den vergangenen Tagen durch die Pfarren im Bezirk Waidhofen.

Während in den meisten Orten zum größten Teil Kinder und Jugendliche unterwegs sind, gibt es in der Stadt Waidhofen auch zwei reine Erwachsenengruppen.

„Sternsingen zu gehen, das sind ein paar gut investierte Stunden, und es macht auch Spaß.“ Christine Reiterer, Leiterin einer Erwachsenen-Sternsingergruppe

Die Motivation, auch als Erwachsene sternsingen zu gehen, stammt aus der Tatsache, dass sich in der Stadt in den vergangenen Jahren zu wenige Kinder und Jugendliche fanden, um das gesamte Gebiet abdecken zu können, sodass bestimmte Bereiche der Stadt sternsingermäßig „unterversorgt“ waren.

„Vor drei Jahren haben wir gesagt, das kann es nicht geben, dass in Waidhofen manche Regionen nicht von den Sternsingern begangen werden. Es war uns einfach ein Anliegen, die Sternsingeraktion zu unterstützten, und wir hatten Zeit, weshalb wir beschlossen haben, einfach als Erwachsene zu gehen“, erzählt Christine Reiterer, die eine der beiden Gruppen mit Freunden ins Leben gerufen hatte.

Im ersten Jahr zog die Gruppe durch die Nordsiedlung und den Bereich der Ziegengeiststraße in Waidhofen, im Vorjahr stand Alt-Waidhofen am Programm, wo Reiterer mit ihrer Gruppe auch heuer wieder unterwegs war.

Die Dietmanser Sternsingergruppe mit Johannes und Jonas Schelm, Jeanine und Julia Wurth, Ricardo Trojan, Zoey Kugler, Amelie Metz, Laura Scharitzer, Adrian und Diana Lazarus, Alexander Mann, Jasmin und Fabian Hochstöger, Kathrin Krejci, Victoria Albrecht, Stella Bäck, Vanessa Chilar, Selina und Simon Maister, Kim und Jan Bäck, denBegleitpersonen Karin Wais, Eva Swoboda, Agnes und Sonja Hofbauer, Josef und Philipp Hager und Fritz Zotter und den Helferinnen Elfi Arthaber, Monika und Michaela Wais mit Stadtpfarrer Josef Pichler.  |  Michael Schwab

„Die Leute waren wirklich erfreut, dass wir gekommen sind, ganz besonders die älteren, und es ist ihnen wichtig, dass wir das ‚C+M+B‘ (Abkürzung für lateinisch ,Christus mansionem benedicat‘ - ,Christus segne dieses Haus‘, Anm.) auf die Tür schreiben. Diese Tradition hat sich von früher noch immer gut gehalten“, freut sich Reiterer.

Beim Besuch im Gasthaus Stadler wurde sie von Leuten aus Waidhofen angesprochen, die sich beklagten, dass schon seit zwei Jahren keine Sternsinger mehr bei ihnen vorbeigekommen wären. „Um die ganze Stadt abdecken zu können, gibt es einfach zu wenige Kinder, oder zu wenige, die sternsingen wollen.

Darum würden wir uns sehr freuen, wenn es noch ein paar Erwachsenengruppen geben würde, die uns unterstützen, damit wir wieder ganz Waidhofen abdecken können. Außerdem ist der Einsatz für einen guten Zweck, das Geld geht diesmal nach Nicaragua, zu den Leuten, die wirklich die Ärmsten sind. Diesen Menschen zu helfen ist uns ein Anliegen, und deshalb machen wir das. Es sind ein paar gut investierte Stunden, und es macht auch Spaß“, sagt Reiterer.

Renate Eggenhofer, Christine Reiterer, Edeltraud Christ und Ingrid Wandl zogen durch Alt-Waidhofen.  |  privat

Bei jedem Haushalt wird gesungen, das Kürzel auf die Tür geschrieben, und ein Gedicht aufgesagt.

Fleißig gesungen wird auch bei der Gruppe vom Martina Führer, die heuer zum zweiten Mal unterwegs war und durch die Nordsiedlung zog. „Wir waren in unserer Jugend schon sternsingen, und vor zwei Jahren haben wir beschlossen, als Erwachsene wieder zu gehen, weil es in Waidhofen so wenige Gruppen gibt.

Da wir fast alle beim Chor sind, ist es selbstverständlich, dass wir vor jeder Haustür singen. Darüber haben sich einige Leute sehr gefreut“, erzählt Führer. Von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr war die Gruppe am vergangenen Donnerstag unterwegs, die Gruppe von Christine Reiterer zog am Freitag durch Alt-Waidhofen.

„Sternsingen ist gute Erfahrung für Kinder“

Als Beispiel, welchen Aufwand es bedeutet, eine möglichst große Zahl von Haushalten abzudecken, lässt sich die Pfarre Groß Siegharts nennen. Dort waren heuer 106 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren mit ihren Betreuern in Groß Siegharts, Dietmanns und den umliegenden Orten auf dem Weg.

„Es wird schwieriger, ausreichend Kinder zu finden, wobei wir heuer in Groß Siegharts 13 Gruppen zusammenstellen konn ten, was schon ein gutes Ergebnis ist“, stellt Stadtpfarrer Josef Pichler fest. Er sieht in der Sternsingeraktion auch eine wertvolle Lektion für die Heranwachsenden.

„In Zeiten der Handysucht muss man den jungen Leuten sagen, einmal die Augen für etwas anderes als den Bildschirm offenzuhalten. Beim Sternsingen kommen sie mit den verschiedensten Menschen, auch älteren und kranken Leuten, zusammen, und das ist eine gute und wichtige Erfahrung“, betont Pichler.