Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 20. August 2017, 11:58

von Leo Lugmayr

Premiere: Don Giovanni mit gezückter Pistole. Mit moderner Inszenierung sowie Musik und Gesang auf hohem Niveau bestand das Projekt Oper-rund-um sein Debut im Schlosshof.

Ja, die Damen kriegten ihn, Don Giovanni, wenn auch mit vorgehaltener Pistole und mehrmals bis zu den Knien in Seifenschaum watend. Und ja, das Projekt „Oper-rund-um“ hat bereits sein Stammpublikum, das zur Premiere am Donnerstag auch aus Wien und Linz angereist kam, um die Kapazität des Schlosshofes restlos auszuverkaufen. Kein Wunder, wurde hier doch Oper gesanglich und instrumental auf hohem Niveau geboten und zudem frech in Szene gesetzt.

Die Regie überschlug sich an Originalität und Ideen. Daniel Raschinsky, Ivan Zinoviev, Anne Wieben, Barbara Angermaier waren unter der musikalischen Leitung von Raphael Schluesselberg gut disponiert. Die räumliche Distanz zwischen Orchester und Gesang war die Protagonisten und das Publikum nicht immer leicht zu überbrücken, was wohl der Location geschuldet war. „Mir ist es wichtig, dass das Stück einen mit nimmt, fad werden darf es nie“, sagte Anna Katharina Bernreitner, Regisseurin und künstlerische Leiterin. Die Leute für Oper zu begeistern, sei das Ziel des Opernprojekts.

Lugmayr

Während einige Sängerinnen schon zum wiederholten Male mitwirken, waren heuer Irina Hofer und Dimana Lateva neu als Ausstattungsteam dabei.

15 Personen umfasst das Team für „Don Giovanni“, dazu kommt ein 13-köpfige Orchester, in dem jedes Instrument solistisch besetzt ist und von Dirigent Raphael Schluesselberg, einem Mann erster Stunde, geleitet wird. „Auf Grund unserer beschränkten finanziellen Mittel müssen wir uns immer wieder etwas einfallen lassen und kreativ sein“, sagt Bernreitner.

Das Stück selbst, Mozarts „Don Giovanni“, wurde inhaltlich und gestalterisch in die Moderne katapultiert. Es zeigt starke Frauen, die den Männerrollen - teils recht brachial - das Heft des Handels aus der Hand nehmen, wenn sie ihren eigenen Willen behaupten und ihren eigenen Weg durchsetzen, auch in erotischer Hinsicht.

Die Premiere erntete nach Showdown mit gezückten Pistolen am 17. August reichen Beifall. Es folgen noch Aufführungen in der kommenden Woche.

Ein Erfolg ist ebenfalls schon sicher: Bernreitner wird heuer der Anerkennungspreis des Landes NÖ für Kultur in der Sparte „darstellende Kunst“ verliehen.