Zwettl

Erstellt am 13. Dezember 2017, 04:00

von Markus Füxl

Thomas Kuziora: „Ich fühle mich wie Bob der Baumeister“. Zwettler Kirchturm muss saniert werden. Teile waren bereits abgebrochen. Sanierung des Pfarrhofes verschiebt sich.

Jetzt heißt es anpacken! Moderator Thomas Kuziora deutet an, dass viel Arbeit auf ihn und seine Pfarre zukommt. Schon im Herbst soll mit den Innenarbeiten im Pfarrhof begonnen werden.  |  Franz Weiss

Die Pfarre Zwettl blickt einem ereignisreichen Jahr 2018 entgegen: Nachdem sich vom Kirchturm lockeres Material gelöst hat, soll dieser im Frühjahr saniert werden. Damit verschiebt sich auch die für heuer geplante Renovierung des Pfarrhofes.

Die Sanierung des Turmes sei längst überfällig, so Pfarrmoderator Thomas Kuziora. Es ist bereits zu gefährlichen Situationen gekommen: „Vom Turm sind schon Teile runtergefallen, die jemanden erschlagen hätten können“, sagt er.

Turm wird neu verziert und gestrichen

Ein Turmkraxler sicherte daraufhin 70 Liter lockeres Material. In der Zwischenzeit stellte man ein Schutzgerüst auf, das bis zum Abschluss der Arbeiten im Frühjahr 2018 stehen bleibt. Vor allem der Zierkranz auf halber Höhe des insgesamt 55 Meter hohen Turmes ist über die Jahre in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier blättert großflächig die Fassade ab.

Generell präsentieren sich am Turm mehrere „bautechnische Problemzonen“, wie es Restaurator Ralf Wittig im Gespräch mit der NÖN bezeichnet: Im Zuge von Restaurierungsarbeiten möchte man die vier Türmchen an den Ecken, die Schalfenster, den Zierkranz sowie Dichtungen und weitere Zierelemente überprüfen und sanieren.

„Zwettl wird nächstes Jahr zur größten Baustelle der Diözese St. Pölten“, sagt Kuziora. Er nimmt das Großprojekt mit Humor: „Ich bin bei den Sicherungsarbeiten auch selbst hinauf gefahren.“ Weil seine Anzugshose vom Turmmaterial nicht schmutzig werden sollte, ging es für ihn aber nach halber Höhe wieder bergab, gesteht er schmunzelnd.

Auch einen neuen Anstrich dürfte der Kirchturm bekommen. Bei der Farbauswahl möchte man sich an der bestehenden Optik orientieren: „Ein knalliges Grün oder Rot wird es sicher nicht, sondern eine Farbe, die einer Kirche würdig ist“, so Kuziora.

Weil die Sanierung des Kirchturms oberste Priorität hat, verschiebt sich die geplante Renovierung des Pfarrhofs. „Wir wollen zur Osterzeit mit dem Umbau beginnen“, so Kuziora. Geplant sind unter anderem ein barrierefreier Eingang sowie drei Wohnungen für Priester.

Restaurator machte verblüffenden Fund

Eine Bauuntersuchung von Restaurator Ralf Wittig förderte jetzt überraschendes Material zutage: „Wir haben mittelalterliches Mauergewölbe gefunden. Außerdem hat sich die Vermutung, dass der Pfarrhof ursprünglich aus zwei separaten Häusern bestand, bestätigt.“

Weiters entdeckte man im Pfarrhof einen komplett neuen Raum sowie eine Fassade aus der Barockzeit und eine Teilung des Kellers, die beim Umbau aufgehoben werden soll. Im hinteren Teil des Pfarrhofes entdeckte Wittig alte Wirtschaftsgebäude aus dem Jahr 1880, die weggerissen werden sollen, um neuen Platz zu schaffen.

Während der Sanierung des Kirchturms möchte Wittig die Zeit nutzen, um die Geschichte des Hauses zu vertiefen. „Ich gehe davon aus, dass im Pfarrhof noch weitere Gewölbe verborgen sind. Wir werden noch einiges finden“, ist sich der Restaurator sicher. Gemeinsam mit dem zuständigen Architekturbüro „ah3“ aus Horn müssen diese bautechnischen Gegebenheiten jetzt in der weiteren Planung berücksichtigt werden.

„Perle der Stadt“ gilt es zu erhalten

In einer zweiten Bauetappe plant die Pfarre, auch das angrenzende „Faltin“-Haus zu renovieren. Das Gebäude war ursprünglich Zwettls erste Schule. „Es ist technisch eine Katastrophe, aber ein markantes Detail im Stadtbild, das es zu erhalten gilt. Wir haben eine Verantwortung gegenüber der Stadt“, meint Wittig. Das Haus besteht aus einem alten Bau – dem „Stüberl“ – sowie einem hakenförmigen Zubau auf der Stadtmauer, dem sogenannten „Knusperhäuschen“, so Wittig.

Eine weitere Baustelle dürfte ein Bunker zwischen der Stadtmauer und den Garagen der Pfarre und der Caritas werden. „Dort ist es feucht und undicht. Wenn es regnet, steht man dort mit Wasser in den Stiefeln“, so Thomas Kuziora.

Auf den Moderator kommt somit ein arbeitsreiches neues Jahr zu. „Mein Neffe schaut sich gerne eine Serie an, die mir in letzter Zeit immer wieder in den Sinn kommt: Ich fühle mich fast schon wie Bob der Baumeister“, sagt er lachend.