Polizist Johann Hellinger legt die Uniform ab. Nach 42 Jahren als Polizist – 33 Jahren bei der Stadtpolizei – geht Johann Hellinger in den Ruhestand.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 22. Mai 2019 (04:59)
Doris Schleifer-Höderl
Kommandant nimmt den Hut: Johann Hellinger war vier Jahre lang Kommandant der Stadtpolizei Amstetten, nun tritt er bald seinen Ruhestand an, der mit Sicherheit eher ein Unruhestand werden wird.

„Ich kann es selbst noch nicht ganz glauben, aber es ist Fakt“, meint Johann Hellinger. Der Kommandant der Stadtpolizei Amstetten wird demnächst seine Uniform ablegen und sich in den Ruhestand begeben. „Obwohl ich bis 31. Juli noch offiziell im Dienst bin, werde ich ab Ende Mai meinen noch ausständigen Urlaub antreten. Mein Stellvertreter Manfred Raab übernimmt die interimistische Leitung der Stadtpolizei. Am 1. August tritt dann Bezirksinspektor Felix Promber meine Nachfolge an.“

Schwellt da ein wenig Wehmut mit? „Ich war gerne Exekutivbeamter, aber irgendwann muss auch Schluss sein“, so der 59-jährige Hausmeninger, der im Juni seinen 60er begeht. Ursprünglich gelernter Dreher bei der ehemaligen buntmetall, heute Wieland Austria Ges.m.b.H., hat ihn ein Freund, der sich bei der Polizei bewarb, dazu animiert, auch eine Bewerbung abzugeben. „Wir fuhren also zur Aufnahmeprüfung und nur wenige Tage später erhielt ich ein Schreiben, dass ich diese bestanden habe. Das war 1979, da habe ich dann am 1. Dezember meinen Dienst bei der Bundespolizeidirektion Wien angetreten.“

„Überwiegend positive Erfahrungen gemacht“

Nur sieben Jahre später kam Johann Hellinger zur Stadtpolizei Amstetten und war 28 Jahre Stellvertreter von Kommandant Josef König, dessen Nachfolge er schließlich 2015 antrat. Hat es Johann Hellinger je bereut, Exekutivbeamter geworden zu sein? „Absolut nicht! Ich bin sehr kommunikativ und habe gerne mit Menschen zu tun. Natürlich hat man es in meinem Beruf nicht nur mit schönen Dingen zu tun, aber ich kann sagen, dass ich in all den Jahrzehnten überwiegend positive Erfahrungen gemacht habe.“ Hellinger war fünf Jahre lang Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindesicherheitswache, 20 Jahre deren stellvertretender Bundesvorsitzender sowie 20 Jahre Landesvorsitzender. 1997 gründete er den Polizeisportverein Amstetten, dessen Obmannschaft er nun zurücklegen wird.

Dass Johann Hellinger ein Polizist mit Leib und Seele war, ist bekannt. „Wenn ich vom Rathaushof etwa auf die Höhe Bezirkshauptmannschaft gegangen bin, musste ich immer viel Zeit einrechnen, weil ich auf dieser kurzen Strecke mindestens fünf Mal angeredet wurde“, berichtet der scheidende Kommandant schmunzelnd. Begegnung auf gleicher Augenhöhe, Respekt und Wertschätzung waren es, die Hellinger seinem Gegenüber entgegenbrachte, aber auch für sich einforderte.

Vom Veranstaltungswesen über das Hundehaltergesetz bis hin zu strafrechtlichen Handlungen – der Tätigkeitsbereich der Stadtpolizei ist groß. „Da kann es auch schon mal vorkommen, dass man als Nazi beschimpft wird. Da muss man dann drüberstehen“, meint Johann Hellinger. „Wenn man aber so lange an einer Dienststelle tätig ist, kennt man die Bevölkerung. Es sind im Grunde immer nur einige wenige, die mühsam sind. Im Großen und Ganzen habe ich mich immer als Freund und Helfer gesehen und habe unzählige positive Beispiele, wo ich wirklich helfen konnte. Wenn ich gehört habe, dass in einem Straßenabschnitt viele Raser unterwegs waren, habe ich eine Standkontrolle hingeschickt. Wenn jemand immer laut Musik gespielt hat, habe ich das Gespräch gesucht. Und in 90 Prozent der Vorkommnisse ist alles gut ausgegangen.“

Reisen, Fotografie und Malerei im Ruhestand

Wird Johann Hellinger das alles nicht vermissen? „Meine Gattin und ich freuen uns schon darauf, unser Hobby, das Reisen, nun endlich noch mehr ausleben zu können. Darüber hinaus werde ich mein Hobby, die Malerei, intensivieren. Auch das Lesen werde ich weiter forcieren, hier mag ich am liebsten nordische Krimis. Ich freue mich auch, in Zukunft mehr Zeit für weitere Leidenschaften zu haben. Ich liebe das Fotografieren und habe ein Faible für Historisches. Also ich denke, fad wird mir nicht werden!“