Amstetten

Erstellt am 19. Juni 2018, 05:55

von Hermann Knapp

Frauenberatung: Bund kürzte Geldmittel. 13 Prozent weniger Budget als in den Vorjahren stellte Familienministerium heuer zur Verfügung. Wo sie sparen sollen, wurde Beraterinnen aber nicht mitgeteilt.

Hilferuf der Frauenberatung in Amstetten. Eine Budgetkürzung durch das Familienministerium bereitet dem Team Sorgen. Im Bild Leiterin Sonja Mille (links) undMonika Wenger.  |  Kovacs

Ein Hilfeschrei kommt von der Frauenberatung Mostviertel. In einem offenen Brief wendet sie sich an die Bundesregierung und auch an die Landespolitik. Der Grund dafür: eine nicht angekündigte Budgetkürzung.

„Wir haben für das erste Halbjahr statt 100.000 Euro vom Familienministerium nur 87.000 Euro überwiesen bekommen, also um 13,3 Prozent weniger. Daraufhin haben wir natürlich angefragt, was da los ist und da wurde uns dann mitgeteilt, dass die Frauenberatungsstellen insgesamt um eine Million Euro weniger bekommen“, berichtet Sonja Mille.

„120 Schicksale von Frauen, Familien und Kindern stehen also auf dem Spiel“Sonja Mille

In welchem Bereich dieses Geld eingespart werden soll – ob bei der Familienberatung vor Gericht oder beim Schwerpunkt Extremismus etc. – darüber gab es vom Ministerium allerdings bislang keine Auskunft.

916 Klientinnen haben die Mitarbeiterinnen der Frauenberatung im Vorjahr in 1.495 Beratungsstunden betreut. „Bislang machen wir unsere Arbeit einfach weiter und tun praktisch so, als gäbe es die Kürzung nicht. Aber es ist Juni, allmählich wird es Zeit, dass das Ministerium sagt, bei welcher Gruppe wir das Geld einsparen sollen“, fordert Mille.

Die Frauenberatung Amstetten ist nicht die Einzige, die einen offenen Brief geschrieben hat. Auch viele andere Frauenberatungsstellen in Österreich machen auf ihre Situation aufmerksam. „13.000 Euro klingt vielleicht nicht viel, aber wir haben seit Jahren keine Erhöhung erhalten und machen sehr viel mit diesem Geld. Die Kürzung bedeutet für uns schlicht und einfach, dass wir 120 Leute jährlich weniger beraten können als bisher. 120 Schicksale von Frauen, Familien und Kindern stehen also auf dem Spiel“, sagt Mille.

Beim Land Niederösterreich verweist man darauf, dass die Frauenberatungsstellen primär in die Kompetenz des Bundes fallen. Sie leisteten aber wertvolle Arbeit und Einsparungen in diesem Bereich würden daher massive Einschnitte für Familien in Krisensituationen bedeuten.

Länder machen Front gegen den Bund

„Deswegen wurde dieses Thema auch bei der diesjährigen Landesfamilienreferenten-Konferenz, die unter dem Vorsitz des Landes Niederösterreich stattgefunden hat, diskutiert und ein einstimmiger Beschluss aller Bundesländer erreicht. In diesem wird der Bund aufgefordert, die entsprechenden Mittel für die Förderungen von Familienberatungsstellen auch in Zukunft bereitzustellen und weiterhin für eine ausgewogene, gerechte und unterstützende Familienpolitik einzutreten“, berichtet Vera Streller vom Referat Generationen am Amt der NÖ Landesregierung.

Auch VP-Nationalrat Andreas Hanger will das Anliegen der Frauenberatung unterstützen, „weil ich sie für eine sehr wichtige Einrichtung in unserer Region halte. Ich werde mich im Rahmen meiner Möglichkeiten für eine notwendige Dotierung einsetzen, damit diese Einrichtung auch in Zukunft ihre Aufgaben wahrnehmen kann“, betont der VP-Politiker. Er habe bereits Kontakt mit dem Familienministerium aufgenommen.

SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig bedauert, „dass die Frauenministerin den Beratungsstellen ohne Gespräche und Vorankündigung einfach Mittel im laufenden Jahr kürzt. Ich hoffe auf ein Einlenken, denn diese Million wird das Bundesbudget nicht in Turbulenzen stürzen, ist aber wichtig für Frauen in schwierigen Lebenslagen.“ Die Beratungsstellen in NÖ seien Teil eines gut funktionierenden Systems. Es könne nicht sein, dass der Bund wieder Verantwortung auf die Länder und Gemeinden abwälze.