Installateur bekam zehn Monate keinen Lohn: AK half. Arbeiterkammer rügt schwarze Schafe unter Unternehmern, lobt aber auch die vielen, die sich an Gesetze halten. 4,65 Millionen Euro wurden 2018 für Arbeitnehmer erstritten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 05. März 2019 (05:00)
Knapp
Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Schuster und Arbeiterkammer-Vizepräsident Michael Fiala hoben die Leistungen hervor, die die Kammer Jahr für Jahr für ihre Mitglieder erbringt. Im Bezirk wurden 2018 rund 4,65 Millionen erstritten.

„Der Großteil der Dienstgeber im Bezirk Amstetten hält sich an die gesetzlichen Vorgaben, aber es gibt eben wie überall sonst auch schwarze Schafe“, sagt der Leiter der Bezirksstelle der Arbeiterkammer, Robert Schuster. Auch heuer berichtete er im Rahmen der Bilanzkonferenz von fast unfassbaren Fällen.

„Einem Dienstnehmer so lange kein Gehalt zu zahlen, das zeugt von einer erschreckenden Verantwortungslosigkeit des Dienstgebers."Leiter der Bezirksstelle der Arbeiterkammer, Robert Schuster

Ein 28-jähriger Installateur, der schon acht Jahre im Unternehmen tätig war, bekam ab März 2018 keinen Lohn mehr ausbezahlt. Zehn Monate sah er, trotz mehrmaliger Geltendmachung, kein Geld und wandte sich in seiner Not schließlich an die Arbeiterkammer. „Einem Dienstnehmer so lange kein Gehalt zu zahlen, das zeugt von einer erschreckenden Verantwortungslosigkeit des Dienstgebers. Der betroffene Mitarbeiter konnte seinen Kindern zu Weihnachten nicht einmal ein Geschenk kaufen“, berichtet Schuster.

Die Arbeiterkammer forderte die offenen Ansprüche inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld ein – insgesamt rund 27.000 Euro. Es wurde eine Ratenzahlung vereinbart. Den ersten Teilbetrag hat der Dienstnehmer inzwischen erhalten.

Kündigungen im Krankenstand

Womit die Arbeiterkammer immer öfter konfrontiert wird, sind Kündigungen im Krankenstand. „Im Jänner und Februar hat es sich bei fast jedem zweiten oder dritten Fall um dieses Thema gedreht. Klar ist: Der Dienstgeber ist auch bei Kündigung im Krankenstand über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus zur Endgeltfortzahlung verpflichtet“, betont Schuster.

Dass die Arbeiterkammer für die Arbeitnehmer im Bezirk eine wichtige Anlaufstelle bei Problemen aller Art ist, zeigt die Statistik. Im Jahr 2018 wurden 10.475 Beratungen (auch telefonisch) durchgeführt. Insgesamt hat die AK für Dienstnehmer in der Region rund 4,65 Millionen Euro erstritten. „Das umfasst auch die Steuerrückholaktion sowie den Konsumentenschutz. Den größten Brocken macht aber natürlich unsere Hilfe bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen aus“, sagt der Bezirksstellenleiter.

Einmal mehr hebt Schuster hervor, dass im Gegensatz zu anderen Teilen Niederösterreichs viel Geld durch Verhandlungen mit den Dienstgebern außergerichtlich hereingebracht werden könne. „Wir haben ja auch ein gutes Verhältnis zur Wirtschaftskammer. Manche Fälle, wo die Juristen unterschiedlicher Meinung sind, müssen dann aber eben auch einfach die Gerichte entscheiden“, sagt Schuster.

Großen Anklang findet Jahr für Jahr die Steuerrückholaktion der Arbeiterkammer. Heuer wird sie im April stattfinden und ist schon fast ausgebucht. „Jedes Jahr kommen da innerhalb von zwei Wochen etwa 1.700 Arbeitnehmer zu uns. Pro Person ergibt sich durchschnittlich eine Rückzahlung von rund 687 Euro. Insgesamt sind das im Bezirk jährlich rund 1,38 Millionen Euro, die die Arbeitnehmer zurückbekommen. “

Ein paar hundert Euro Gutschrift pro Beratung

Arbeiterkammer-Vizepräsident Michael Fiala hebt hervor, wie wichtig gerade diese Aktion ist. „Denn die Leute, die da zu uns kommen, könnten sich keinen Steuerberater leisten. Und man muss sehen, wie groß ihre Freude ist, wenn sich bei der Beratung eine Gutschrift von ein paar hundert Euro ergibt. Das ist Geld, auf das sie Anspruch haben und das sie dem Finanzminister schenken würden.“

Fiala berichtete auch, dass sich jeder vierte Arbeitnehmer in Niederösterreich 2018 von der Arbeiterkammer beraten lassen habe. Er warnt davor, die Pflichtmitgliedschaft und damit die AK-Umlage in Höhe von 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens infrage zu stellen. „Durchschnittlich zahlen Arbeitnehmer pro Monat knapp sieben Euro. Das ist wie eine Versicherung. Viele unserer Mitglieder brauchen den Rechtsschutz der Arbeiterkammer ganz notwendig, weil sie sich den Weg zu Gericht sonst nicht leisten könnten. Durch den AK-Beitrag wird es möglich, dass arbeitende Menschen die Löhne und Gehälter bekommen, die ihnen zustehen.“