Karriere: Leidenschaft für Technik. Von Kindesbeinen an war Wolfgang Gruber an allem Technischen interessiert. Heute ist der Mechatroniker und Wissenschaftler assoziierter Universitätsprofessor in Linz.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 18. Januar 2019 (05:34)
privat
Wolfgang Gruber beim Motorprüfstand. Zurzeit forscht er an einem lagerlosen Hochgeschwindigkeitsmotor, der über 150.000 Umdrehungen pro Minute erreichen soll.

„Schon als Bub hatte ich einen Elektrobaukasten und habe mit Leidenschaft Legobausätze zusammengestellt“, erklärt Wolfgang Gruber. „Als Schüler habe ich sogar einen Fernseher zerlegt und auch wieder zusammengebaut. Mir war immer wichtig, zu wissen, was hinter den Dingen steckt.“

Bei einem Eignungstest in der siebten Klasse bescheinigte man dann dem heute 41-Jährigen überdurchschnittliche Fähigkeiten in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Überdurchschnittliche Fähigkeiten festgestellt

1996 maturierte Gruber schließlich am Ostarrichigymnasium im Schulversuch Informatik und schloss 2003 an der Johann Kepler Universität Linz das Diplomstudium Mechatronik sowie 2009 das Doktoratsstudium der technischen Wissenschaften ab. Im heurigen Jahr hat er sich im Fach „Elektrische Antriebstechnik“ habilitiert und so als höchste akademische Prüfung die universitäre Lehrbefugnis erhalten.

Zudem finden sich ein Lehr- und Forschungsaufenthalt vor drei Jahren am elitären Massachusetts Institute of Technology in Amerika, dem Mekka der Techniker, und zahlreiche internationale Auszeichnungen – unter anderem der „Nagamori Award 2015“ in Japan und der „PEDS 2015 Best Session Paper Award“ in Australien – in Grubers Lebenslauf.

Zurzeit forscht Wolfgang Gruber, der bereits mehr als 90 Publikationen verfasst hat, am Institut für Elektrische Antriebe und Leistungselektronik der Johann Kepler Universität Linz im Bereich der magnetisch gelagerten Antriebe. „Bei diesen Elektromotoren wird der Rotor berührungslos allein durch Magnetkräfte in Schwebe gehalten. Die sich dadurch ergebenden Vorteile werden etwa in der Medizintechnik als Herzpumpen und der Textilindustrie für Baumwollspinnmaschinen genutzt“, erklärt Gruber.

Momentan entwickelt die Gruppe um Wolfgang Gruber einen magnetisch gelagerten Hochgeschwindigkeitsmotor mit Magnetgetriebe, der durch seine hohe Leistungsdichte, minimale Größe und sein geringes Gewicht in der Weltraumtechnik in Satelliten zum Einsatz kommen könnte. „Wir sind ein Team von zehn Forschern und haben uns international schon einen Namen gemacht. Wir kooperieren auch mit Kollegen in der Schweiz, Japan, Amerika und Deutschland. “

Neben dem Forschen ist das Unterrichten Wolfgang Grubers große Leidenschaft. „Es macht mir Freude, weil es wirklich viele sehr begabte Studierende gibt. Sie zu motivieren liegt mir sehr am Herzen.“

„Studierende motivieren liegt mir am Herzen“

Seine Ausbildung am Amstettner Gymnasium möchte Gruber nicht missen. „Vor allem meine dort erworbenen Englischkenntnisse kommen mir heute zugute. Die Kommunikation läuft daher international bestens und auch bei Publikationen sind sie hilfreich.“ Doch Wolfgang Gruber verdankt dem Gymnasium nicht nur die Basis seiner beruflichen Ausbildung, sondern auch sein privates Glück. „Ich habe im Gymnasium meine Gattin Beatrix, kennengelernt. Das war in der siebten Klasse.“

Das Ehepaar Gruber hat mittlerweile zwei Söhne – den neunjährigen Michael und Moritz, der im Jänner drei Jahre alt wird. Und sind beide so technikbegeistert wie ihr Vater? „Gewisse Tendenzen sind da“, meint Wolfgang Gruber schmunzelnd.