Personal-Bedarf im Pflege-Bereich steigt drastisch. Bis 2050, sagen die Experten, wird es eineinhalb mal so viele Bedienstete in der Hauskrankenpflege brauchen, wie jetzt.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 20. August 2019 (03:45)
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Übergabe beim Hilfswerk: Betriebsleiterin Renate Eglseer (links) wechselt zur Personal-Rekrutierung nach St. Pölten. In Amstetten wird Richard Sonnleitner neuer Pflegemanager.Hilfswerkpräsidentin Michaela Hinterholzer wünschte beiden viel Erfolg.

Die Pflege wird in den kommenden Jahrzehnten eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. „Im Jahr 2020 werden 5,99 Prozent der Amstettner und Amstettnerinnen über 80 Jahre alt sein, im Jahr 2037 schon 7,76 Prozent.

Das heißt, dass der Bedarf an Pflegepersonal stark steigen wird und wir haben jetzt schon Probleme, genug Leute zu finden“, sagt NÖ-Hilfswerkpräsidentin Michaela Hinterholzer. In Amstetten könnten sofort zwei diplomierte Pflegekräfte, ein Pflegeassistent und zwei Heimhelfer anfangen. Niederösterreichweit hat das Hilfswerk 200 offene Stellen. „Die Lage ist also nach wie vor angespannt.“

Weitere Aussbildungsschienen

Für Hinterholzer ist es daher notwendig, über weitere Aussbildungsschienen nachzudenken, auch eine Pflegelehre steht zur Debatte. „Wir haben ja viele mittlere und höhere berufsbildende Schulen. Da könnte man auch einen sozialen Schwerpunkt setzen und zum Beispiel in der HLW eine Pflegeausbildung anbieten“, sie die Hilfswerkschefin. Zudem werde es nötig sein, mehr Leute über den zweiten Bildungsweg für die Pflege zu qualifizieren. Es gebe ja immer wieder Menschen, die sich in der Mitte ihres Erwerbslebens beruflich neu orientieren wollten.

Experten sagen voraus, dass 2050 eineinhalb Mal mehr Pflegepersonal benötigt werden wird, als derzeit. „Wir haben also Handlungsbedarf“, betont Hinterholzer. Gedanken macht sie sich natürlich auch über die Finanzierung der Pflege.

„Bisher wurde der Pflegefonds ja immer provisorisch weitergeschrieben, doch für die neue Regierung wird es gelten, da endlich Nägel einzuschlagen“, erklärt die VP-Politikerin. Sie steht dem Konzept einer Pflegepflichtversicherung durchaus positiv gegenüber. „Denn wir werden immer älter und somit steigt auch das Risiko, Pflege zu brauchen.“ Aber auch mit einer Versicherung werde, so Hinterholzer, das Finanzierungsproblem nicht sofort gelöst. „Denn gerade in der Anfangsphase wird man die anfallenden Kosten damit sicher nicht decken können. Da wird es weiterhin Zuschüsse aus dem Budget brauchen.“

Die Abschaffung des Pflege regresses, der die Familienmitglieder von der Finanzierung der Pflege ihrer Angehörigen ausnimmt, sieht Hinterholzer im Nachhinein als Fehler an.

Pflegegeld-Valorisierung war ein richtiger Schritt

„Da wurde ein Wahlzuckerl verteilt, das sich jetzt rächt. Der Ansturm auf die Pflegeheime ist ungebrochen. Es hätte sicher auch genügt, beim Pflegeregress die Härtefälle abzufedern, statt ihn gleich ganz zu kippen.“

Ein richtiger Schritt ist für die Hilfswerkpräsidentin hingegen, die regelmäßige Valorisierung des Pflegegeldes. Das sei nicht nur im Sinne der Klienten, sondern auch der Pflegekräfte, weil diese auch einen Anspruch auf ordentliche Bezahlung hätten.

Das Hilfswerk ist im Bezirk Amstetten mit einem Marktanteil von 47 Prozent in der Hauskrankenpflege führend. Es gibt vier Stationen. Allein jene in Amstetten beschäftigt 53 Mitarbeiter (im Bezirk gesamt 125) und betreut 230 Kunden.

In der Führung der Amstettner Hilfswerkeinrichtung gibt es übrigens einen Wechsel. Betriebsleiterin Renate Eglseer geht nach St. Pölten zur Personal-Rekrutierung. „Sie hat die Amstettner Dienstleistungseinrichtung groß und zum Vorbild für andere in NÖ gemacht. Nun übernimmt sie eine andere wichtige Aufgabe“, lobt Hinterholzer.

Ihr Nachfolger im Bezirk wird Richard Sonnleitner, der künftig die Funktion des Pflegemanagers bekleidet, also für den wirtschaftlichen Aspekt zuständig und zugleich leitende Pflegefachkraft sein wird. Sonnleitner ist seit 2017 in der Einrichtung in Amstetten. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und werde mein Bestes geben“, verspricht er.

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