SP-Niederlage: „Gute Arbeit zählt nicht“. Amstetten SP war von der Niederlage schockiert. Brandl kündigte Rückzug an.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 28. Januar 2020 (04:34)
Gedrückt war die Stimmung bei der SPÖ im Gasthaus Happy 9 in Allersdorf. Für Mauers Ortsvorsteher Bernhard Wagner (2. von links) ist das Wahlergebnis unverständlich.
Anton Kovacs

Im Happy 9 in Allersdorf war eigentlich alles für eine Wahlparty gerichtet. Doch den Sozialdemokraten, die sich dort eingefunden haben, war so gar nicht danach zumute. Kein Wunder:

Die SPÖ hatte eine historische Wahlschlappe eingefahren und verliert das Bürgermeisteramt, dass sie seit dem Jahr 1965 innehatte. „Als Demokrat muss man dieses Ergebnis akzeptieren, es sei uns aber erlaubt eine Nacht darüber zu schlafen. Wir hatten schon vermutet, dass die ÖVP dazugewinnen wird, aber nicht, dass sie sich fast verdoppelt“, sagt Vizebürgermeister Michael Wiesner.

Das Ergebnis sei sicher auch auf die Unterstützung der Landes-ÖVP zurückzuführen. Es sei zwar bitter, die SPÖ habe aber dennoch 16 Mandate erlangt und damit auch einen Auftrag ihrer Wähler bekommen. Einen Schuldigen für die Niederlage zu benennen, sei nicht möglich. „Wir haben als Team gearbeitet und als Team verloren. Bei 60 Prozent Wahlbeteiligung muss man auch sagen, dass es uns nicht gelingt, die Wähler zu mobiliseren.“

Für SP-Bezirksvorsitzende Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig zeigt das Wahlergebnis, dass es „offenbar ein unbestimmtes Gefühl der Unzufriedenheit in der Stadt gegeben hat. Und der Slogan der ÖVP ,Amstetten wieder besser machen‘ hat genügt, um die Leute anzusprechen. Denn Inhalte hat die ÖVP im Wahlkampf ja kaum gehabt.“

„SPÖ ist natürlich zu Gesprächen bereit“

Die SPÖ, so Königsberger-Ludwig, werde natürlich für Gespräche zur Verfügung stehen. „Denn wir sind immer bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Schwer enttäuscht von der Niederlage war am Wahlabend auch Mauers Ortsvorsteher Bernhard Wagner: „Es stimmt mich traurig, dass gute Arbeit offenbar nichts zählt. Ich stehe für Ehrlichkeit, Handschlagqualität. Aber in der Politik zählen offenbar nun andere Werte, wie die aussehen, weiß ich nicht.“ Er sei traurig, so Wagner, dass er den mit der Dorferneuerung eingeschlagenen Weg für Mauer nun nicht mehr als Ortsvorsteher weiter begleiten könne. „Das Ergebnis ist für die SPÖ desaströs.“

Einen Schlussstrich unter seine politische Karriere zog noch am Wahlabend der Ortsvorsteher von Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth, Egon Brandl: Es ist eine niederschmetternde Niederlage, auch für mich. Ich war 30 Jahre im Gemeinderat und mehr als 20 Jahre Ortsvorsteher. Bis zur konstituierenden Sitzung werde ich meine Funktion noch ausüben, aber dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehören.“ Es tue ihm weh, dass seine politische Karriere auf diese Weise ende und die SPÖ in Amstetten nicht mehr den Bürgermeister stelle.

SPÖ-Bezirksvorsitzende, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig hatte am Sonntagabend nicht nur die Verluste in Amstetten zu verdauen, sondern auch schmerzliche Ergebnisse in anderen Gemeinden des Bezirks.
Anton Kovacs

„Irgendetwas ist schief gelaufen und ich nehme mich da gar nicht aus, weil die Ergebnisse im Ortsteil ja auch nicht gut sind.“ Der ÖVP müsse man zu ihrem gelungenen Schachzug gratulieren und den Tatsachen in die Augen schauen. „Offenbar zählen in der Politik nun andere Werte. Für mich fängt eine ruhigere Zeit an. Ich gehe nächstes Jahr auch beruflich in Pension und werde mich anderen Dingen widmen.

Den Einzug in den Gemeinderat geschafft hat gerade noch Jungpolitiker Andreas Fröhlich. „Mit einem Verlust in dieser Dimension hätte ich nicht gerechnet. Vor allem hätte ich mir nicht gedacht, dass alle Mandate, die die FPÖ verliert, zur ÖVP wandern und die kleinen Listen leer ausgehen. Die Landes-ÖVP hat eben den Wahlkampf Haber hauers mit aller Kraft unterstützt, das hat sich ausgewirkt.“

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