Verschuldung ist vererbbar. Schuldnerberatung betreute im Vorjahr 419 Personen mit durchschnittlich 68.313 Euro Schulden.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 06. Februar 2019 (05:12)
Schleifer-Höderl
Ute Pölzgutter rät dazu, sich rechtzeitig an die Schuldnerberatung zu wenden. „Zurzeit haben wir bis zu zwei Monate Wartezeit. Doch wir helfen so rasch wie möglich sowie kostenlos und anonym!“

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Schuldnerberatung-Geschäftsstelle Amstetten 668 Beratungsgespräche. Das waren um immerhin 86 mehr als noch 2017. Die Klienten kommen nicht nur aus der Stadt und den umliegenden Gemeinden, sondern auch aus dem Raum St. Valentin, Ennsdorf und dem Ybbstal.

„Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 419 Personen – 243 Männer und 176 Frauen – betreut“, sagt Regionalstellenleiterin Ute Pölzgutter. „Die meisten von ihnen waren im Alter von 26 bis 50 Jahren und wiesen eine Durchschnittsverschuldung von 68.313 Euro auf. Dabei waren Männer im Schnitt mit 71.903 Euro etwa höher verschuldet als Frauen mit 63.293 Euro.“

Die Schuldenregulierungsverfahren sind durch die Novelle der Insolvenzordnung im November 2017 gestiegen – von 46 auf 96. Diese brachte nämlich Erleichterungen für jene Menschen, die sich bisher aufgrund ihres geringen Einkommens keinen Privatkonkurs leisten konnten.

Nach wie vor zählen der Verlust des Arbeitsplatzes, Ex-Selbständigkeit, Trennung, Scheidung sowie unkontrolliertes Konsumverhalten zu den häufigsten Gründen, warum Menschen mit dem zur Verfügung stehenden Geld nicht mehr zurande kommen. „Vor allem Ratenzahlungen nach dem Motto ,Jetzt kaufen, später zahlen‘, der Kauf bei Versandhäusern und im Internet sind gefährliche Schuldenfallen. Da merken wir, dass viele unserer Klienten nicht einmal wissen, wie hoch ihre monatlichen Fixkosten sind und was sie nach Abzug dieser frei zur Verfügung haben.“

Fakt ist auch, dass Verschuldung vererbbar ist. „Wenn sich die Eltern bereits schwergetan haben, mit Geld umzugehen, dann ist es für die Kinder noch einmal so schwer. Es kommt immer wieder vor, dass wir die Söhne oder Töchter einstiger Klienten betreuen“, berichtet Pölzgutter.

Die Schuldnerberaterin rät, wenn es finanziell eng wird, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern so rasch wie möglich die kostenlose und unverbindliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Nach wie vor kommen die meisten Leute erst zu uns, wenn wirklich schon der Hut brennt. Das heißt, wenn sie mit der Wohnungsmiete oder den Kreditraten im Verzug sind und oft auch kaum mehr Geld für Lebensmittel vorhanden ist. Soweit sollte man es nicht kommen lassen.“

Per Telefon kann man problemlos einen Termin bei der Schuldnerberatung vereinbaren, wobei die Wartezeit momentan etwa zwei Monate beträgt. Damit das Beratungsgespräch auch Sinn macht, müssen Klienten die entsprechenden Unterlagen mitbringen.

„Wir brauchen den Lohnzettel, eine Einnahmen-Ausgabenrechnung sowie eine vollständige Gläubigerliste mit allen Salden. Denn dann können wir umgehend die Entschuldung einleiten!“, sagt Pölzgutter.