549 Frauen suchten Hilfe bei Frauenberatung Mostviertel. Im Vorjahr hat die Frauenberatung Mostviertel 549 Klientinnen betreut. Vor allem Themen rund um Gewalt und Armutsgefährdung beschäftigen viele Frauen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 10. März 2019 (04:00)
Schleifer-Höderl
Christa Ressl, Nicole Zainzinger-Jandl und Sonja Mille wollen Frauen Mut machen, sich an die Beratungsstelle zu wenden. „Wir helfen gerne und das niederschwellig und kostenlos!“

Ein hoher Anteil der Frauen, die sich 2018 an die Frauenberatung Mostviertel wandten, war von Gewalt betroffen. „Jede Dritte, die sich an uns wandte, tat dies, weil sie mit Gewalt konfrontiert wurde“, berichten Sonja Mille und Nicole Zainzinger-Jandl.

„Es zeigt, dass Gewalt in all seinen Formen, jede Frau – unabhängig von Alter und gesellschaftlicher Stellung – betreffen kann. Gut ist, dass sich die Frauen an uns wandten.“ Erst eine unverbindliche, kostenlose und vertrauensvolle Beratungssituation – vor allem im nicht urbanen Bereich – ermöglicht diesen Frauen, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. „Wir wissen, wie viel Kraft es Frauen kostet, Hilfe anzunehmen. Sehr oft glauben sie nämlich, durch ihre eigene Schuld und ,falsches Verhalten‘ die Misshandlungen zu provozieren und brauchen Zeit und Sicherheit, sich zu öffnen und die Gewaltspirale zu unterbrechen.“

„Vorrangig ist, den betroffenen Frauen die Sicherheit zu vermitteln, dass – was auch immer von den Tätern als Gründe angeben werden – Gewalt niemals in Ordnung ist.“Sonja Mille und Nicole Zainzinger-Jandl.

Vor allem die Anonymität und die Möglichkeit, sich nicht gleich als Gewaltopfer deklarieren zu müssen bzw. ohne Druck, den vielleicht trotz allem noch immer geliebten Partner anzuzeigen, machen die Bedeutung des Angebots der Frauenberatung aus. „Vorrangig ist, den betroffenen Frauen die Sicherheit zu vermitteln, dass – was auch immer von den Tätern als Gründe angeben werden – Gewalt niemals in Ordnung ist.“

Weiters haben sich überdurchschnittlich viele Frauen an die Frauenberatung gewandt, die von Armut betroffen oder gefährdet waren. Ob Trennung, Scheidung oder Tod des Partners sowie der Pensionsantritt sind oft Gründe, die Frauen in finanzielle Schwierigkeiten bringen. „Auch dieses Thema beschäftigt immer mehr Frauen“, so die Expertinnen.

In der täglichen Arbeit sind die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Mostviertel auch mit Frauen konfrontiert, die sich wegen Überforderung, Müdigkeit, Depressionen, Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten im Beruf oder mit den Kindern an sie wenden. Weiteres begleitete das vierköpfige Frauenberatungsteam 17 Frauen in Straf- und Zivilprozessen, betreute 244 Klientinnen in Gruppenberatungen und führte acht Workshops zu Gewaltprävention mit 123 Schülerinnen durch.

42,5 Prozent der Frauen kommen aus Amstetten

Die Frauen, die die Frauenberatung aufsuchten, kamen zu 42,5 Prozent aus der Stadt Amstetten, der Rest aus dem Bezirk sowie aus den Bezirken Scheibbs, Melk und Perg. 12,75 Prozent waren Migrantinnen. „Hierbei wurden unsere Angebote des Interkulturellen Frauencafés und der Interkulturellen Gesundheitsgruppe gut angenommen. In 94 Gruppentreffen konnten wir insgesamt 244 Klientinnen betreuen.“ Alles in allem ein Jahr mit vielen Herausforderungen, wie Sonja Mille betont. „Uns war und ist es wichtig, dass Frauen und Mädchen bei uns Unterstützung finden.“