Bürgermeister wünschen sich mehr Datenaustausch. Die Zahl der am Coronavirus-Erkrankten hat sich bis Freitag (Stand 10 Uhr) im Bezirk auf 128 erhöht. In Waidhofen an der Ybbs sind es nach wie vor elf. Genesene und verstorbene Personen sind da mitgerechnet. Die Bürgermeister wünschen sich von den "Oberbehörden" einen besseren Informationsfluss. In der Bevölkerung herrscht indessen Unsicherheit, warum manche Personen getestet werden und andere nicht.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. März 2020 (11:35)
Near D Krasaesom/shutterstock.com

Die Fallzahlen ändern sich derzeit fast stündlich. Wer sich selbst auf dem Laufenden halten will, der kann die Entwicklung auf der Seite des Gesundheitsministeriums verfolgen (https://info.gesundheitsministerium.at/). 

Bürgermeister und designierter Gemeindebundpräsident Hannes Pressl, in dessen Gemeinde Ardagger im Bezirk nach wie vor die meisten Erkrankten zu Hause sind, wünscht sich eine bessere Information der Gemeinden durch die "Oberbehörden". 

Pressl findet dabei deutliche Worte. Anbei der entsprechende Eintrag auf seinem blog: 

"Das Problem ist, dass über die Infizierten – mit Ausnahme der Anzahl – an die Gemeinden  laut Gesetz keine Information weitergegeben werden darf. Ich stehe da in Abstimmung mit anderen Bürgermeistern seit Anbeginn der Krise auf dem Standpunkt, dass dieser Austausch der Daten zum Vorteil der Betroffenen enorm wichtig wäre. Es kann Fälle von Erkrankten geben, wo es an Versorgung mangelt, wo Hilfen zu organisieren sind, wo durch gutes Handeln auch Gefährdungen für andere vermieden werden könnten und wo auch die Oberbehörden durch einen laufenden Kontakt der Gemeinde mit den Erkrankten wichtige Informationen über den Krankheitsverlauf für ihre weiteren Entscheidung bekommen könnten. Bisher haben sich die Betroffenen teilweise direkt beim Bürgermeister gemeldet. Auch über Wege der Nachbarschaft und Bekanntschaft konnten im Bedarfsfall Hilfe und - sofern notwendig - Unterstützung organisiert werden. Aber bei noch größeren Fallzahlen in den nächsten Wochen geht das nicht mehr „informell“, sondern nur mehr bei gezielter Übermittlung der Namen und Adressen der Infizierten unmittelbar von der BH an die Gemeinde. Natürlich wird jeder Name – so wie auch sonst – seitens der Gemeinde dem Datenschutz entsprechend behandelt. Aber wenn man Datenschutz in Zeiten der Coronakrise seitens der "Oberbehörden" weiter so versteht wie bisher, dann ist das zum Schaden für die Betroffenen. Dann wird man irgendwann in diesem Staat zur Erkenntnis kommen, dass man mit einer übertriebenen Auslegung von Datenschutz, Infizierten vor Ort Hilfe durch Personen aus dem Ort verwehrt hat. Ich glaube wir müssen gerade in der Krise auch in diesem Bereich „zusammenhalten“ und mit gegenseitigem „Vertrauen“ zwischen den Behörden alle Kräfte zur Bewältigung nutzen. Vor allem auch die Kräfte der Gemeinden vor Ort! Es soll das alles keine Kritik an Einzelpersonen oder Organisationen sein. Aber wenn wir die Erfahrungen dieser einmaligen Krise ernst nehmen, dann müssen wir Fehlentwicklungen auch aufzeigen und Verbesserungen vorschlagen. Denn bei uns in Ardagger und in den Gemeinden generell muss auch weiter der Mensch Vorrang haben und nicht der selbst auferlegte Amtsschimmel!"

Eine Anfrage erreichte die NÖN von besorgten Bürgern aus Amstetten. Dort wurde ein 77-Jähriger positiv getestet und muss inzwischen im Klinikum Melk behandelt werden. Bekannte der Familie sind sehr verwundert, dass sein Frau noch nicht getestet wurde. "Das wäre doch wohl nahe liegend, zumal sie ja auch zur Risikogruppe zählt", erklärt ein Anrufer.

Bezirkshauptfrau Martina Gerersdorfer betont, dass die Einschätzung, ob ein Test notwendig ist, oder nicht, natürlich in der Kompetenz der Ärzte liege. Wenn sich Leute direkt an die BH wenden, beurteilen das die Amtsärzte, wählt jemand die Nummer 1450, der dort zuständige Arzt.  "Es wird aber in einer Familie, wo eine Person erkrankt, nicht automatisch die ganze Familie durchgetestet. Denn bei Personen, die noch keine Symptome aufweisen, kann dieser negativ ausfallen, weil sie sich noch in der Inkubationszeit befinden", sagt die Behördenleiterin. Gerersdorfer verweist auf die Homepage des Gesundheitsministeriums, wo genau erklärt wird, wer, wann und warum getestet wird. 

Im Bezirk gibt es derzeit nur noch in einer handvoll Kommunen keine Erkrankten. "Ich gehe davon aus, dass aber früher oder später alle Gemeinden zumindest einen Fall haben werden. Das lässt sich wohl nicht verhindern und wir haben ja laut Gesundheitsminister den Höhepunkt der Ausbreitung noch nicht erreicht", sagt Gerersdorfer.

Auch die Gemeinde St. Valentin meldet inzwischen erste Erkrankungsfälle.

Wie viele Erkrankte es in welcher Gemeinde gibt, ist schwer zu erfassen, weil die NÖN auch da, auf Informationen der Bürgermeister an die Bevölkerung angewiesen ist. 

Anbei eine daher nicht ganz aktuelle Aufstellung, die aber laufend aktualisiert wird, sobald von Gemeinden neue Zahlen bekannt werden: