Amstetten

Erstellt am 10. Juli 2018, 05:03

von Hermann Knapp

Betrug: Bankmitarbeiterin plünderte Sparbücher. Bankmitarbeiterin griff auf Einlagen von Kunden zu, und gab Geld an Freundin weiter, die es offenbar in Online-Casino verzockte. Schaden beläuft sich auf 1,268 Millionen Euro.

APA (Symbolbild/dpa)

Ein in seinen Ausmaßen erstaunlicher Betrugsfall ist in der Vorwoche im Bezirk Amstetten aufgeflogen. In der Nacht von 4. auf 5. Juli klickten für eine Mitarbeiterin eines Geldinstitutes und deren Bekannte die Handschellen.

Begonnen hat laut Auskunft der Staatsanwaltschaft St. Pölten alles schon im Jahr 2013. Die Bankbedienstete schloss damals Freundschaft mit einer langjährigen Kundin. Die Frau erzählte ihr immer wieder von persönlichen finanziellen Notlagen und lockte ihr damit Geld heraus – offensichtlich in betrügerischer Absicht, denn von einer Rückzahlung war nie die Rede. Dennoch wurde die Frau von der Bankbediensteten weiterhin finanziell unterstützt. Sie verwendete für diesen Zweck auch Gelder ihrer Familie.

Im Jahr 2016 war schließlich auch diese Quelle erschöpft. Also begann die Bankangestellte, Geld von Sparbüchern der Kunden zu beheben – von solchen, auf die kaum zugegriffen wurde – und das Risiko ertappt zu werden, gering erschien.

Beschwerden von Kunden häuften sich

Tatsächlich ging das bis Juni 2018 gut. Aufgeflogen ist der Betrug nun aber doch durch Beschwerden von Kunden, die Abhebungen meldeten, die sie selbst nicht getätigt hatten. Hinzu kam, dass die Bankfiliale geschlossen wurde und auch die Innenrevision des Geldinstitutes auf Unregelmäßigkeiten stieß. Insgesamt soll die Mitarbeiterin, laut Staatsanwaltschaft, innerhalb von zwei Jahren Kundengelder in Höhe von 1,286 Millionen Euro veruntreut haben.

Das hat sie im Verhör auch gestanden. Allerdings handelte die Frau dabei ohne eigene Bereicherungsabsicht. Denn sie gab das Geld in voller Höhe an ihre Bekannte weiter, die es offenbar in Online-Spielcasinos verpulverte. Die genauen Motive der beiden Beschuldigten sind noch nicht klar. Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Die beiden Frauen sitzen auf Antrag der Staatsanwaltschaft in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft. Die Kunden sollten den Schaden natürlich vom Bankinstitut ersetzt bekommen.