Amstetten , Haag

Erstellt am 19. Juni 2018, 06:04

von Hermann Knapp

Borkenkäfer: „Vorzeichen stehen auf Sturm“. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass Fichtenbestände heuer enorm unter Schädlingsbefall leiden.

Bezirksförster Fritz Hinterleitner bei einem vom Borkenkäfer befallenen Fichtenwaldstück in der Nähe von Seitenstetten.  |  Hermann Knapp

Wahrlich paradiesische Zustände herrschten in den letzten Wochen im Bezirk für den Borkenkäfer. Die Hitze begünstigt seine rasche Vermehrung. Statt acht Wochen braucht es bei solch hohen Temperaturen nur fünf Wochen, bis sich eine neue Generation der Schädlinge entwickelt.

Warme Temperaturen begünstigen das Wachstum des Borkenkäfers.
 
 |  Shutterstock.com/Cosmin Manci

Noch ist das volle Ausmaß des Befalls an den Fichten nicht zu erkennen. Aber deutliche Anzeichen dafür, dass es heuer ziemlich übel wird, gibt es schon. „Wir haben ja in Haag eine sogenannte Schlitzfalle stehen. Da werden die Borkenkäfer mittels Pheromonen angelockt und fallen dann nach unten in einen Behälter, den wir regelmäßig leeren. Da zeigt sich deutlich, dass das Aufkommen heuer sehr hoch ist. Die Vorzeichen stehen auf Sturm“, sagt Bezirksförster Fritz Hinterleitner.

Das wirkliche Ausmaß der Borkenkäferplage wird sich im Bezirk erfahrungsgemäß Ende Juli, Anfang August zeigen. In manchen Bereichen sind aber auch jetzt schon befallene Fichten deutlich zu erkennen.

Hitze schwächt die Fichten zusätzlich

Die Hitze begünstigt aber nicht nur die Entwicklung der Käfer, sie schwächt zudem die Bäume und macht sie dadurch noch anfälliger für den Schädling. Hinzu kommt, dass die Fichten heuer besonders stark geblüht haben, was sie natürlich zusätzlich Widerstandskraft kostet. „Auch da lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels erkennen. Früher lautete die Faustregel, dass Fichten alle fünf bis sieben Jahre blühen. Jetzt sind wir schon bei etwa drei Jahren“, sagt Hinterleitner.

Das vierköpfige Team der Amstettner Forstbehörde zieht derzeit regelmäßig seine Runden in den Wäldern des Bezirks und sucht nach Anzeichen von Borkenkäferbefall. „Wir wissen genau, wo und wann wir schauen müssen. Da spielt auch der Lichteinfall eine große Rolle. Denn es ist wichtig zu wissen, wo wir den besten Überblick haben und worauf wir achten müssen“, erklärt der Behördenleiter. Rötliche Verfärbung von Bäumen sei ein deutliches Warnzeichen.

Heilmittel gegen den Borkenkäfer gibt es nach wie vor keines. In kleinräumigen Zonen hilft es manchmal, Fallen aufzustellen – eine Art Netz mit einem Lockstoff. Für Liegendholz gibt es auch mit Insektiziden präparierte Vliese, die man darüber legen kann. Die Käfer sterben, wenn sie es berühren.

„Das Land hat vorige Woche auch ein Waldschutzprogramm vorgestellt, das mit einer Million Euro dotiert ist. Unter anderem soll es Unterstützung beim Ankauf von Schutznetzen geben und für Behandlungstechniken“, berichtet Hinterleitner.

Fällen der Bäume ist sicherste Methode

Die einzig wirklich sichere Methode, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern, ist aber nach wie vor, befallene Bäume so rasch wie möglich zu fällen und das Holz aus dem Wald zu schaffen.

„Das könnte heuer aber auch insofern zum Problem werden, weil die Sägewerke über den Winter viel Holz importiert haben und ihre Lagerplätze daher voll sind“, sagt der Leiter der Forstbehörde.

Bäume, die befallen sind, werden von den Förstern mit einem Kreuz markiert. Die Waldbesitzer bekommen dann einen Bescheid zugestellt, in dem sie aufgefordert werden, die Fichten innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu schlägern. Das wird natürlich auch kontrolliert.

Gerade die Eigentümer größerer Waldgebiete sind aber ohnehin schon sehr auf das Thema Borkenkäfer sensibilisiert und überwachen ihre Bestände selbst. „Schwieriger ist das für Landwirte, die nur über wenig Wald verfügen und im Sommer natürlich nicht die Zeit für regelmäßige Kontrollgänge haben“, sagt Hinterleitner. Da ist es dann eben gut, dass die Bezirksförster die Bestände im Blick haben.

Kupferstecher und Buchdrucker

Zwei Arten von Borkenkäfern sind es übrigens, die den Fichten im Bezirk zusetzen. Der Kupferstecher und der Buchdrucker (siehe Infobox). Gefährdet sind vor allem die Fichten in den Tieflagen – von Raum Wolfsbach, Weistrach und Haag bis nach Euratsfeld und Ferschnitz.

Sie stehen oft auch auf Böden, für die sie eigentlich nicht wirklich geeignet sind. Fichten wurden in früheren Jahren aber deshalb gerne gepflanzt, weil sie wenig Pflege brauchen und in relativ kurzer Zeit Ertrag bringen.

„Jetzt empfehlen wir den Waldbesitzern natürlich, auf andere Bäume auszuweichen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass Fichten ohne Probleme zu großen Bäumen heranwachsen, eben sehr gering ist. Wir können natürlich aber niemandem verbieten, sie zu pflanzen“, sagt Hinterleitner.

Eine Zeit lang galten Eschen als gute Alternative. Doch diesen macht nun der Eschen-Stängelbecherchen-Pilz im Bezirk systematisch den Garaus. Viele Waldbesitzer setzten ohnehin immer eher auf Laubmischbestände. Statt Fichten werden vermehrt auch wieder Tannen gesetzt, die zwar gerade in den ersten Jahren mehr Pflege brauchen, dann aber resistenter sind als die Fichten.

Natürlich dauert es, bis die Maßnahmen tatsächlich wirken. „Denn jährlich verändert sich nur etwa ein Prozent der Waldfläche in Niederösterreich“, sagt Hinterleitner.