Fasten für Körper und Geist. Auszeit nehmen liegt im Trend. Auch Politiker nützen die Fastenzeit zur körperlichen und seelischen Reinigung.

Von Peter Führer und Leo Lugmayr. Erstellt am 16. April 2019 (04:50)
Peter Führer
Amstettens Vizebürgermeister Dieter Funke (ÖVP) verbrachte eine Woche ohne feste Nahrung und mit einem intensiven Bewegungsprogramm. Dazu gehörte viel Tee trinken und Golf spielen.

Viele Menschen verzichten alle Jahre in der Fastenzeit auf Süßigkeiten, Alkohol oder übermäßige Handynutzung. Zudem wird auch eine sogenannte „Fastenwoche“ immer beliebter. Dabei wird etwa die Nahrungsaufnahme stark reduziert und dafür eigens spezialisierte Unterkünfte aufgesucht. Auch in der Politik gibt es viele, die eine derartige Woche der Reduktion begehen. Etwa SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig oder Amstettens VP-Vizebürgermeister Dieter Funke.

In der Vorwoche verreiste Ulrike Königsberger-Ludwig in das Gesundheitshotel Klosterberg in Langschlag (Waldviertel). „Ich mache das seit zehn Jahren immer in der Karwoche. Dort trinke ich nur Säfte, Wasser und Tee. Angefangen hat es damit, dass ich zu meinem 40. Geburtstag mit dem Rauchen aufgehört habe und verstärkt auf meinen Körper geschaut habe. Ich mache das, weil es mir ganz einfach gut tut“, berichet die Politikerin von ihrem Aufenthalt. Sie freue sich immer auf diese besondere Zeit. Um religiöse Aspekte gehe es ihr dabei weniger.

„Es geht mir darum, das Tempo einmal etwas zurückzuschrauben. Zum Programm gehört übrigens auch viel Sport, wie Wandern, schwimmen oder Wassergymnastik“, führt Königsberger-Ludwig weiter aus. Sie sehe, dass Fastenwochen mittlerweile immer beliebter werden. Vor allem auch bei Männern. „Am Anfang waren im Hotel nur ganz wenige Männer. Das wird jetzt mehr. Auffällig ist auch, dass Menschen quer durch alle beruflichen Schichten mitmachen.“

Fasten und Bewegung mit Golf kombiniert

Dieter Funke, Vizebürgermeister in Amstetten, absolvierte heuer erstmals eine Fastenwoche mit einer Männergruppe. Er verreiste für eine Woche nach Loipersdorf. Dort gab es ebenfalls keine feste Nahrung sondern nur Tee, Wasser und Suppen – ohne Einlage. „Die Idee ist nicht nur, den Körper zu entsäuern, zu reinigen und zu entgiften, sondern auch körperliche Betätigung zu machen. Sonst würde man sehr viel Muskelmasse verlieren. Daher haben wir die Heilfastenwoche mit Golf kombiniert“, erläutert der VP-Politiker. Während des Aufenthaltes erkannte Funke, dass der Körper ruhiger wurde.

„Man bewegt sich langsamer und man ist nicht mehr so ‚spritzig’. Es war eine sehr spannende Erfahrung.“ Dabei war das Hungergefühl weniger problematisch als man vielleicht erwarten würde. Die größere Herausforderung sei gewesen, im Kopf für die Fastenwoche bereit zu sein und zu bleiben. „Man muss das auch wollen. So eine Woche ist nicht nur eine körperliche Reinigung, sondern eine Reinigung für den ganzen Menschen. Ab und zu fängt man da schon zum Zweifeln an. Da hilft es, wenn man in einer Gruppe ist.“

privat
Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) fastet jedes Jahr vor allem in den zehn Tagen vor Ostern.

Auch in der unmittelbaren Umgebung gibt es für Interessierte die Möglichkeit, in einem Pilger- und Fastenhaus eine Heilfastenwoche zu absolvieren. In der Stille der Ybbsitzer Wälder hat Fasten einen Ganzjahresort gefunden. Ulrike Ginzler und Petra Gassner haben im ehemaligen Blindenheim ein Pilger- und Fastenhaus eingerichtet. Sie bestätigen, dass das erste Jahresviertel – Jänner bis Ostern – tatsächlich im Jahresvergleich zur beliebtesten Fastenperiode gehört. Was aber bei vielen Fastengästen nicht unbedingt von religiöser Überzeugung getrieben ist. „In dieser Zeit, die zur Hauptsaison geworden ist, erneuert sich die Natur und dementsprechend sind viele Menschen bereit auch körperlich einen Frühlingsputz durchzuführen“, bestätigt Petra Gassner.

So seien etwa Christa Pühringer, die Frau des ehemaligen Landeshauptmanns von Oberösterreich oder der Ybbsitzer Nationalratsabgeordnete Andreas Hanger in dieser Zeit regelmäßig im Pilger- und Fastenhaus in der Ybbsitzer Schwarzois zu Gast.

Doch auch Prominenz aus Wirtschaft und Sport zieht es regelmäßig in der Fastenzeit in die Ybbsitzer Wälder in die Fastenauszeit. Ein Haupttrainer des Schweizer Damen-Skiteams fastet derzeit in Maria Seesal. Gassner und Ginzler freuen sich zudem besonders über das Interesse aus der Region. „Wir haben immer mehr Gäste aus den umliegenden Gemeinden“, so Gassner. Sie bestätigt aber auch: „Gerade vor Ostern und in der Karwoche kommen Gäste auch mit dem Ziel, die Fastenzeit mental zu begehen.“ Dazu passt gut, dass Maria Seesal als Wallfahrtsort am Oberösterreichischen Mariazellerweg liegt und die Wallfahrtskirche, erbaut 1904 bis 1906, ein beliebter Pilgerort ist. „Der Großteil unserer Gäste verfolgt aber rein gesundheitliche Ziele.“

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