Frauenanteil in Politik: „Hat sich vieles verändert“. Der Frauenanteil in der Gemeindepolitik ist stetig gestiegen, trotzdem gibt es immer noch Herausforderungen.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 05. März 2019 (05:00)
Archiv
 "Der Frauenanteil und das Geschlecht interessieren mich nicht. Was zählt, sind die Argumente. Die Leute müssen fähig sein, ihre Funktion auszuüben.“, sagt  Amstettens Stadträtin Brigitte Kashofer (FPÖ).

Genau 100 Jahre ist es her, dass Frauen in Österreich zum ersten Mal wählen durften. Anlässlich dieses Jubiläums hat die NÖN Lokalpolitikerinnen aus dem Bezirk zu ihren Erfahrungen befragt. Insgesamt kommen im Bezirk Amstetten auf 34 Gemeinden verteilt acht Bürgermeisterinnen (die Zweitmeisten aller Bezirke in NÖ – siehe Grafik) und sechs Vizebürgermeisterinnen.

„Ich bin in die Politik gegangen, um etwas zu bewegen."SPÖ-Stadträtin Hermine Freitag

Viele weibliche Lokalpolitikerinnen haben diesen Weg gewählt, um sich aktiv im Gemeindegeschehen einzubringen. „Ich bin in die Politik gegangen, um etwas zu bewegen. Vor 14 Jahren war nur eine Frau dabei. Mittlerweile hat sich vieles verändert. Die Zusammenarbeit läuft gut und man wird respektiert“, bestätigt die Haager SPÖ-Stadträtin Hermine Freitag.

Kashofer: "Fähigkeiten zählen"

Was die Gleichberechtigung betrifft, setzt Amstettens Stadträtin Brigitte Kashofer (FPÖ) eher auf Qualität vor Quantität: „Der Frauenanteil und das Geschlecht interessieren mich nicht. Was zählt, sind die Argumente. Die Leute müssen fähig sein, ihre Funktion auszuüben.“ Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Lokalpolitikern gibt es dennoch. So ist Birgit Krifter (SPÖ) seit dem Vorjahr die Bürgermeisterin der einwohnermäßig kleinsten Gemeinde im Bezirk, St. Georgen/Reith.

Sie schätzt Frauen diplomatischer ein als ihre männlichen Kollegen: „Sie suchen eher das Gespräch, um einen Konsens und gemeinsame Lösungen zu finden.“ Wo es Unterschiede gibt, da gibt es allerdings auch Herausforderungen. Laut der geschäftsführenden Gemeinderätin Angela Zemanek-Hackl müsse man sich hin und wieder ganz schön anstrengen, um gehört zu werden. „Manchmal geht man müde nach Hause“, so die Grünen-Politikerin aus Seitenstetten.

Land NÖ, Abteilung Gemeinden; Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Natürlich gibt es auch viele positive Erfahrungen. „Aufgrund von Beruf und Familie ist es oft schwierig, sich politisch zu engagieren. Aber es lohnt sich. Es ist schön, etwas im eigenen Ort zu bewirken, zu gestalten und umzusetzen“, weiß geschäftsführende Gemeinderätin Anneliese Veronika Mayer (ÖVP) aus Wolfsbach. Sie ist die einzige Frau im Gemeinderat, was Wolfsbach zur Kommune mit dem geringsten Frauenanteil macht. Grund für den Mangel an weiblichen Politikern sieht Strengbergs Vizebürgermeisterin Maria Papst (ÖVP) bei den Frauen selbst. Männer wären grundsätzlich offen für mehr Frauen in der Politik, doch viele trauten sich die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu.

Dass mehr Frauen und auch junge Leute in der Politik gebraucht werden, bestätigt man in vielen Gemeinden. „Man ja klein anfangen, mitmachen und hineinschnuppern, anstatt zu sagen ‚Ich kann das nicht‘“, schlägt Winklarns Bürgermeisterin Sabine Dorner (ÖVP) vor.

Umfrage beendet

  • Ist der Frauenanteil in der Kommunalpolitik zu gering?