Klimawandel: „Exoten“ werden heimisch. Stephansharter Landwirte bauen Wassermelonen an. Ernte heuer bisher regionsweise verschieden.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 22. August 2019 (04:23)
Hudler
Der Klimawandel lässt grüßen: In Stephanshart werden seit drei Jahren Wassermelonen angebaut. Von links: Landwirt Christoph Feigl, Bezirksbauernbundobmann Anton Kasser und Landwirt Matthias Richter.

Der fortschreitende Klimawandel bringt auch Landwirte im Bezirk dazu, sich an Kulturen zu versuchen, die bisher hier nicht gediehen.

Christoph Feigl und Matthias Richter aus Stephanshart bauen schon das dritte Jahr Wassermelonen an. „Wir haben aufgrund der steigenden Hitze ein Nischenprodukt gesucht. Im Vorjahr haben wir sogar schon den Frischgemüsehandel LGV mit rund 25.000 Kilo beliefert, heuer sind wir aber wieder auf den Privatverkauf zurückgegangen“, berichtet Richter.

Wassermelonen sind sehr arbeitsintensiv

Er räumt dem Wassermelonenanbau in der Region durchaus Zukunftschancen ein. Ein Problem dabei sind allerdings die massiven Arbeitsspitzen. „Die Ernte geht nur händisch und da braucht man kurzfristig sehr viele Leute dazu“, sagt Richter. Reif werden die Wassermelonen der Sorte „sugar baby“ von Anfang bis Mitte August. Wenn sie gekühlt liegen, haben sie eine Haltbarkeit von etwa 14 Tagen. Der Verkauf erfolgt derzeit über Stände in Stephanshart.

Nach drei Jahren kennen die beiden Landwirte natürlich auch die Schattenseiten der Wassermelonen-Produktion. „Sie sind kälteempfindlich und das Unkraut ist auch ein Problem. Da braucht man wiederum viele Leute, um dieses im Zaum zu halten“, erklärt Richter. Zudem benötigen die Wassermelonen viel Wasser. Eine Möglichkeit ist da, Mulchfolien zu spannen, denn darunter hält sich die Feuchte besser.

Eine Bewässerung kommt nicht infrage. Da würden den Produzenten zusammen mit der Pacht für die benötigten Felder die Kosten davonlaufen. „Dass wir mit den Wassermelonen nicht reich werden, haben wir in den letzten drei Jahren schon gesehen, dennoch wollen wir das Projekt weiterverfolgen“, sagt Richter.

Bis zu acht Kilo schwer

Wassermelonen können übrigens bis zu acht Kilo schwer werden, der Durchschnitt liegt bei 4,5 Kilo. Für eine Melone mit diesem Gewicht zahlt man etwa vier Euro.

Bezirksbauernbundobmann Anton Kasser, der kürzlich selbst die Wassermelonenfelder in Stephanshart besichtigte, freut sich über die innovativen Landwirte im Bezirk. „Wir dürfen die Augen nicht vor dem Klimawandel verschließen. Sich da anzupassen wird eine große Herausforderung und es wird sicher auch neue Kulturen brauchen.“

In der Diskussion um die Klimakrise fordert der VP-Landtagsabgeordnete mehr Objektivität. „Da werden die Kühe in einem Atemzug mit Kreuzfahrtschiffen und Flugbenzin genannt. Da braucht es mehr Ausgewogenheit. Unseren Bauern ist die Umwelt ein großes Anliegen und es tut ihnen weh, wenn sie immer wieder als Klimasünder hingestellt werden.“

Ernte regional sehr unterschiedlich

Die Ernte ist heuer im Bezirk bisher zufriedenstellend ausgefallen. „Wir merken aber schon, dass das regionsweise sehr unterschiedlich ist. Wir haben Gebiete, wo der Getreideertrag höher war als im Vorjahr und andere, wo die Bauern langsam verzweifeln. Betroffen sind da vor allem jene mit Schotterböden. Dort ist es permanent schlecht, weil sie mehr Niederschlag bräuchten.“

Überhaupt verteile sich der Regen sehr ungleichmäßig, was man auch am Grünfutterertrag erkennen könne. Dieser sei in Waidhofen und Sonntagberg wesentlich schlechter als im Raum um Amstetten. Für den Mais war der Regen in letzter Zeit „Gold wert. Aber auch da ist es über den Bezirk gesehen unterschiedlich. In manchen Regionen ist er schon geschädigt“, sagt Kasser.

Die Weizen- und Gerstenernte sei über den ganzen Bezirk gesehen aber zufriedenstellend gewesen. „Wir hatten keinen Spitzenertrag, aber auch kein Katastrophenjahr“, betont Kasser. Bei der Bezirksbauernkammer teilt man die Einschätzung des
Bezirksbauernbundobmanns. „Beim Grünfutter geht uns auf jeden Fall ein Schnitt ab. Beim Mais kam der Regen vor allem für die Schottergebiete von Strengberg bis hinauf nach St. Valentin zu spät“, sagt Kammerobmann Josef Aigner.