Schulschluss: Die Hürden gemeinsam gemeistert. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Peter Führer und Josef Penzendorfer. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:47)
Schulschluss an der NMS St. Peter/Au – verbunden mit einem großen Danke: Die vier Schülerinnen Larissa Mitterhauser, Alma Maurer, Lena Frühwald und Lisa Fehringer aus der 1a-Klasse dürfen sich mit Direktor Oberschulrat Erich Greiner und Klassenvorstand Nicole Eggenberger über einen ausgezeichneten Erfolg freuen (von links).
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Schul-Lockdown und Homeschooling: Die Schulen mussten in der Vergangenheit neue Wege beschreiten. Das sorgte für Herausforderungen, für Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schüler. Galt es doch, den Unterricht teilweise völlig neu zu gestalten. Vermehrt kamen Laptops zum Einsatz, die Schüler mussten in ihrem Zuhause mit Lehrstoff versorgt werden. Oftmals unterstützt von Erziehungsberechtigten.

In der Handelsakademie Amstetten war Lehrer Helmut Wurzer dafür zuständig, dass das Homeschooling glatt über die Bühne geht. „Die Umstellung hat reibungslos funktioniert. Sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern. Das hängt vor allem damit zusammen, dass bei uns alle gewohnt sind, mit dem Laptop zu arbeiten“, bilanziert er. Einzig eine schwächere Internetverbindung habe vereinzelt bei einigen Schülern Probleme bereitet.

Positiv sieht Wurzer die Tatsache, dass die Jugendlichen noch stärker mit Cloud-Technologien in Kontakt kamen. „Wir haben in diesem Bereich laufend Schulungen. Das wird ganz einfach immer wichtiger“, weiß der Lehrer. Als HAK sei es aber auch klar, dass man vom Alter der Schüler profitiere.

„Je älter die Schüler sind, desto besser funktioniert das. Schwieriger ist die Situation sicher bei jüngeren Schülern“, betont Wurzer. Zudem profitiere man an der HAK von einem jungen und engagierten Lehrerteam. „Auch wenn es ein Lernprozess war und am Anfang die Schüler vielleicht überfordert waren, weil jede Stunde vollgefüllt werden wollte. Es hat sehr gut funktioniert, trotzdem geht ohne den persönlichen Kontakt natürlich ein wesentliches Element der Lehrer-Schüler-Beziehung verloren.

Auch bei der Mittelschule St. Peter/Au galt es, die Veränderungen zu meistern. „Homeschooling war sowohl für die Schüler als auch für Lehrer und Eltern herausfordernd, aber es wurde dabei auch viel an Selbstständigkeit und neuen Erfahrungen gewonnen“, zieht Direktor Erich Greiner Bilanz. Die Entscheidung, die einzelnen Gruppen jeden zweiten Tag in die Schule zu holen, sei goldrichtig gewesen. So habe man noch viel erreichen können. Greiner appelliert zugleich an die Eltern der kommenden Erstklassler, sich keine Sorgen zu machen. Alle Kinder werden im Herbst dort abgeholt, wo sie individuell stehen.

Stefan Handl, Schüler aus der 3b-Klasse der Mittelschule St. Peter, meint: „Wir haben in den vergangenen Wochen in kleineren Gruppen sehr intensiv gearbeitet, die Mitarbeit war noch mehr gefragt als sonst. Schön war auch, endlich die Freunde wieder treffen zu können.“

„Schnell auf die neue Situation eingestellt“

Unsere Kinder sind in dieser Zeit unglaublich verantwortungsbewusst und selbstständig geworden“, berichtet Andreas Liedler, Vater dreier Kinder, davon einer Schüler der ersten Klasse der HLW für Kommunikations- und Mediendesign der Franziskanerinnen Amstetten, über die Coronazeit. Der Lockdown habe gezeigt, wie sehr man sich auf die Organisationsfähigkeit der Kinder verlassen könne.

„In den ersten Tagen gab es zwar Anlaufschwierigkeiten, um den Kindern einen strukturierten Tagesablauf vorzugeben, vor allem, wenn beide Eltern weiterhin normal arbeiten mussten. Hier war Motivation, zum Beispiel beim frühen Aufstehen, aber auch Vertrauen in die geleistete Arbeit erforderlich“, erklärt er. Die Umstellung auf Distance Learning sei erstaunlich problemlos verlaufen. „Ich habe bei allen drei Kindern (Volksschule, Oberstufe Gymnasium und HLW) gesehen, wie schnell sich Schüler und Lehrer auf die außergewöhnliche Situation umgestellt haben. Nicht alle Lehrer haben die Möglichkeiten gleich gut genützt, aber im Großen und Ganzen funktionierte es viel effizienter, als die Wochen danach mit alternierend Distance Learning und Anwesenheitsunterricht.“

Sollte es erneut zu Homeschooling kommen, wäre es aus Liedlers Sicht sinnvoll, dem Fernunterricht mehr Struktur zu geben, die Lernpensen der Gegenstände aufeinander abzustimmen, die Kontrolle für schwer erreichbare Schüler zu optimieren und sozial schwache Familien bei der Infrastruktur zu unterstützen. Auch schlägt der Vater Förderangebote für Kinder, die diese benötigen, auch im Fernunterricht vor. „Es gibt unglaubliches Potential bei Lehrern und Schülern, das man nutzen kann. Das digitale Zeitalter ist – wenn man es richtig zu nutzen weiß – eine Chance, die Möglichkeiten der Schule zu erweitern“, ist Liedler sicher.

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