SPÖ: „Das Ergebnis ist eine Niederlage“. Sozialdemokraten müssen starke Verluste hinnehmen. Von den FP-Skandalen konnte man nicht profitieren, Türkis-Rot keine Option.

Von Peter Führer. Erstellt am 30. September 2019 (17:00)
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Viel zu analysieren haben SPÖ-Bezirksobfrau Ulrike Königsberger-Ludwig und SPÖ-Bezirksspitzenkandidat Gerhard Riegler. Die Sozialdemokraten mussten in allen Gemeinden Verluste hinnehmen.

„Dieses Ergebnis muss man erst einmal verdauen. Es ist eine Niederlage und für mich eine Überraschung im negativen Sinn“, findet Gerhard Riegler, Bezirksspitzenkandidat der SPÖ klare Worte über das Abschneiden seiner Partei. Bundesweit kam man auf 21 Prozent, im Bezirk und im Wahlkreis Mostviertel auf unter 20 Prozent. Man habe letztlich nicht vom Ibiza-Skandal profitieren können. „Ich habe oft gehört, dass ohnehin alle Politiker so sind, wie es auf dem Video zu sehen ist. Es ist uns nicht gelungen zu zeigen, dass die Sozialdemokratie eben nicht so ist, wie Politiker in anderen Parteien“, führt Riegler weiter aus.

Man habe es weiters nicht geschafft, die inhaltlichen Botschaften rüberzubringen. Obwohl man als eine der wenigen Parteien auch politische Forderungen wie den 1.700-Euro-Mindestlohn vertrat. „Themen waren im Wahlkampf wenig präsent, außer das Umweltthema, und davon haben vor allem die Grünen profitiert“, erklärt Riegler.

„Vertrauen der Wähler zurückgewinnen“

Bezirksobfrau Ulrike Königsberger-Ludwig erklärt, dass sie von den sozialdemokratischen Inhalten zu 100 Prozent überzeugt sei. „Wir müssen uns aber überlegen, wie wir diese glaubhaft vermitteln können. Die Wähler vertrauen uns nicht.“ Dass man von den Skandalen der FPÖ nicht profitieren konnte, liegetaus ihrer Sicht daran, dass Sebastian Kurz „durch seine vermeintliche harte Linie in der Migration ehemalige FPÖ-Wähler ansprechen konnte. Wir schaffen es auf der anderen Seite nicht, VP-nahe Menschen, die mit diesem harten Kurs nicht mitgehen wollen, zu uns zu holen.“ Das gelang weder im Bezirk noch im Wahlkreis, noch bundesweit. „Der einzige Lichtblick ist, dass wir im Bezirk wieder vor der FPÖ sind. Das war es aber schon mit dem Positiven“, sagt Königsberger-Ludwig.

Bitter war das Ergebnis auch in der Stadt Amstetten. Dort holte die Bürgermeisterpartei 25 Prozent, zehn Prozent weniger als die Volkspartei. „Vielleicht liegt es daran, dass wir die Menschen nicht erreicht haben. Ich kann nur den Grünen gratulieren, die es geschafft haben, zurückzukehren. Wahlsieger ist die ÖVP, keine Frage. Auch in der Stadt kann man da nur gratulieren. Was mich persönlich doch ein wenig hoffnungsfroh stimmt, ist, dass die Freiheitlichen an ihre Grenzen gestoßen sind und einen Denkzettel bekommen haben, für alles, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist“, erklärt Bürgermeisterin Ursula Puchebner. Leider habe man davon nicht profitieren können. „Die Stimmen, die wir im Jahr 2017 von den Grünen abgeholt haben, sind wieder zurück gewandert“, analysiert die Stadtchefin weiter.

Nachdem die Wahlen geschlagen sind, wird natürlich bereits über Koalitionen diskutiert. Rechnerisch möglich ist dabei auch eine türkis-rote Zusammenarbeit. Für Bezirksobfrau Königsberger-Ludwig kaum denkbar. „Ich gehe davon aus, dass es Türkis-Grün wird. Ich sehe durch dieses Ergebnis auf den ersten Blick auch keinen Regierungsauftrag an die SPÖ“.