Wildtiere: Die Artenvielfalt braucht Schutz. Waschbär und Marderhund können heimische Population aus Ökosystem verdrängen.

Von Peter Führer und Andreas Kössl. Erstellt am 19. Februar 2019 (05:35)
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„Durch laufende Beobachtung kennen Jäger den Wildstand im Revier und bemerken dadurch rechtzeitig invasive Tierarten“, erklärt Bezirksjägermeister Franz Hochholzer.

In unserer Region kommt es immer wieder vor, dass Marderhunde oder Waschbären auftauchen. „Waschbären kommen ursprünglich aus Nordamerika. Entkommene Tiere haben sich dann in der Wildbahn vermehrt und sind heute eine Gefahr für die Artenvielfalt und die heimische Population. Es ist der Auftrag der Jagd, hier rechtzeitig zu regulieren. Daher sind diese Tiere zum Abschuss freigegeben“, betont Bezirksjägermeister Franz Hochholzer.

Er berichtet, dass Bodenbrüter und Niederwild durch diese neuen Fressfeinde in manchen Gebieten Deutschlands extrem zurückgegangen sind. Der Abschuss von Waschbären habe sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. „Unglaubliche 170.000 Stück wurden letztes Jahr in Deutschland entnommen. Eine Situation, die wir uns in NÖ nicht wünschen“, so Hochholzer.

Zum Thema Elch, Wolf und Co betont Hochholzer, dass weite Wanderungen nichts Ungewöhnliches sind. Auch Sichtungen passieren immer wieder. „Die Wanderungen sind notwendig, damit bei den Tierarten ein Blutaustausch erfolgt“. Dadurch, dass mittlerweile weite Teile Niederösterreichs kultiviert, beweidet oder verbaut sind, kommt es dabei eben auch zu Kontakt mit Mensch und Vieh. Vor allem dort, wo das Nahrungsangebot ausreichend vorhanden ist und der Lebensraum für die Wildtiere passt.

Von Schafrissen und entflohenen Tieren

In Konradsheim in Waidhofen kam es im Mai zu zwei Schafrissen. Der DNA-Test wies den Wolf als Täter aus. „Der Test hat zudem gezeigt, dass das Tier aus Italien gestammt haben dürfte“, erklärt Hochholzer. Auch zwei Luchse sorgten im Vorjahr für Schlagzeilen. Sie waren jedoch aus dem Tierpark Buchenberg ausgebüchst. Im oberösterreichischen Nationalpark Kalkalpen an der Grenze zu Niederösterreich sind derzeit sechs Luchse, drei Männchen und drei Weibchen, unterwegs, wobei eines der Weibchen ein Jungtier mit sich führt.

Das Thema Wildtiere könne man, gibt der Bezirksjägermeister zu bedenken, aber auch von einer anderen Warte aus betrachten. Nämlich, dass es sehr oft Menschen sind, die als Störfaktor in den Lebensraum der Tiere eindringen. „Wenn wir die Ruhezonen von Wildtieren respektieren, leistet jeder einen Beitrag zum Tierschutz“, appelliert er.

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