Wirtesprecherin Ott: „Gastronomie ist Abenteuer“. Amstettens Wirtesprecherin Melitta Ott über Herausforderungen und die Öffnung der Gastronomie ab 19. Mai.

Von Peter Führer. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:37)
Wirtesprecherin Melitta Ott freut sich über die Öffnung der Gastronomie, sieht aber auch Herausforderungen. Foto: Führer
Peter Führer

Mit 19. Mai öffnet auch die Gastronomie im Bezirk Amstetten ihre Pforten und kann sowohl im Außen- als auch im Innenbereich wieder Gäste begrüßen. Die NÖN bat Bezirks-Wirtesprecherin Melitta Ott zum Gespräch über die ersehnte Öffnung.

NÖN: Frau Ott, wie bereiten sich die heimischen Gastronomen auf die Öffnung am 19. Mai vor?

Melitta Ott: Wenn die Häuser so lange zugesperrt sind, dann muss man schauen, dass wieder alles in Schwung kommt. Die Wirte legen ja viel Wert auf Hygiene, daher wird alles durchgeputzt, viele haben renoviert oder etwas neu gestaltet. Außerdem wird jetzt noch einmal das Warensortiment durchgeschaut und der Bestand erneuert. Dadurch, dass sich viele Gastronomen entschleunigt haben, war Zeit, über neue Ideen nachzudenken und Motivation zu sammeln. Alle freuen sich aufs Aufsperren.

Wie sehen Sie die geltenden Bestimmungen.

Die Wirte werden die Regelungen nach bestem Wissen und Gewissen einhalten. Unsere Gäste brauchen ein gültiges Impfzertifikat, ein Testergebnis am Handy oder am Papier oder einen Nachweis über eine überstandene Corona-Infektion. Wenn es kein Testergebnis gibt, dann können in den Lokalen noch Nasenbohrertests unter Aufsicht gemacht werden. Ist dieser negativ, ist es super. Ist er positiv, muss der Gast das Lokal leider verlassen. Gemeldet muss der Gast von uns aber nicht werden. Außerdem gilt FFP2-Maskenpflicht bis zum Konsumationsplatz. Und natürlich die Sitzplatzbeschränkungen. Hier haben die Landgasthöfe aber einen Vorteil, weil mehr Platz vorhanden ist. Die Sperrstunde mit 22 Uhr ist zum Einsteigen okay, wir hoffen aber, dass diese bald ausgedehnt wird, damit dann auch wieder Hochzeiten schön gefeiert werden können.

Gibt es auch schon Reservierungen, etwa fürFamilienfeiern?

Ja, es wird bereits reserviert. Es dürfen im Innenbereich pro Tisch vier Erwachsene plus Kinder sitzen. Im Außenbereich dann zehn Erwachsene.

Mit welcher Hoffnung und welchen Erwartungen blicken Sie auf den 19. Mai?

In der ersten Zeit werden wir froh sein müssen, wenn möglichst viele Gäste kommen. Ein Vorteil ist, dass von den vielen älteren Stammgästen, also von jenen, die schon in gehobenerem Alter sind, viele geimpft sein werden. Bei der Jugend gibt es ohnehin schon weniger Stammgäste, da verlagert sich vieles leider in den Privatbereich. Sie werden auf Dauer weniger und verschwinden. Um dennoch attraktiv zu sein, spezialisieren sich die Gastronomen auf regionale Qualität, gutes Essen, gutes Trinken und vor allem auf ein gutes Service.

Stichwort Service: Viele Gastronomen leiden ja unter Mitarbeitermangel beziehungsweise finden auch kaum neues Personal. Wie sehen Sie die Lage diesbezüglich im Bezirk?

Die größte Herausforderung sind jetzt die Mitarbeiter. Nach so einer langen Schließphase sind viele in andere Branchen gewechselt. Ich glaube und ich hoffe auf Anreize durch die Bundesregierung, dass etwa beim AMS geparkte und nach Arbeit suchende Menschen rasch wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können. Die Gastronomie rationalisiert ihre Mitarbeiter ja nicht weg, sondern im Gegenteil: Wir suchen Mitarbeiter! Bei uns ist der Mensch noch was wert und jeder Mitarbeiter kommt in eine Familie und wird sich wohlfühlen. Es gibt aber viele Betriebe, die Mitarbeiter verloren haben. Vor allem jene, die nicht auf das Kurzarbeit-Modell gesetzt haben.

Wie sieht es bei den Lehrlingen aus?

Hier sind die Anfragen wieder gestiegen, das Interesse ist größer geworden. Wir haben beim Mostviertlerwirt schon zwei fix aufgenommen und noch weitere Anfragen. Im Betrieb haben wir immer zwischen fünf und acht Lehrlinge. Generell ist die Ausbildung wichtig, weil man fertige Persönlichkeiten braucht. Und auch für die Jungen hat eine Lehre viele Vorteile. Die Gastronomie ist ja ein Abenteuer und junge Menschen erleben gerne etwas. Wenn man gut ausgebildet und motiviert ist, dann liegt einem in unserem Beruf die ganze Welt zu Füßen. Die österreichische Gastronomie hat ja weltweit einen ausgezeichneten Ruf.

Der 19. Mai ist ja ein erster Öffnungsschritt. Die Hoffnung besteht, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere ‚Lockerungen‘ folgen und größere Veranstaltungen möglich werden. Wie sehen Sie den Sommer?

Wir hoffen, dass der Juni zeigt, dass das Aufsperren richtig war, und dann im Juli die nächsten Öffnungen kommen. Das wäre ganz wichtig. Dann können wieder Feste in einem Rahmen mit 150 bis 200 Gästen veranstaltet werden. Das wäre schon eine tolle Geschichte.

Ist, denken Sie, das Interesse am Wirtshaus-Besuch durch Corona gesunken? Sehen Sie bei manchen Menschen auch Ängste aufgrund der vergangenen Monate, die zu Zurückhaltung führen werden?

Es wird eine Herausforderung sein, dass wir die Menschen dazu bringen, dass sie sich wieder über die Schwelle ins Gasthaus trauen. Daher werden wir in Seitenstetten zum Beispiel weiterhin das Essen-Liefern und -Abholen anbieten. Durch die Abholung sind ja auch viele Neukunden dazugekommen, die sonst eher nicht in Wirtshäuser gehen. Es ist daher ein großes Ziel, diese Menschen ins Boot zu holen und auch künftig im Lokal begrüßen zu können. Mein Mann hat gesagt, dass wir sehr viel zu tun haben werden, wenn alle kommen, die sagen, dass sie kommen werden. Darauf freuen wir uns. Ich glaube, dass der Österreicher bereit ist, sich seine Heimat anzusehen und sich mit Kurzurlauben die Gegend anschauen möchte. Und das verbindet er mit Wirtshausbesuchen. Darauf bauen wir!