Imker: Fast ein Drittel Verlust. Über den Winter sind heuer dreimal mehr Völker als üblich ausgefallen. Die NÖN fragte nach den Ursachen.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 24. April 2019 (05:00)
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Johannes Pöcksteiner aus St. Georgen/Ybbsfelde ist Bezirksobmann des Imkerverbandes. Er möchte die Aus- und Fortbildung von Jungimkern im Bezirk fördern.

Wenn draußen die Temperaturen steigen und auf den Wiesen und Wäldern alles zu blühen beginnt, freuen sich nicht nur die Menschen. Für Bienen sind diese Blüten ein wichtiger Lieferant an Nährstoffen. Den Frühlingsbeginn haben dieses Jahr allerdings weit weniger Honigbienen erlebt, als sonst üblich. Fast ein Drittel des Bestandes von 4.600 Bienenvölkern im Bezirk – und auch niederösterreichweit ein Drittel – ist über den Winter verendet.

„Für manche Imker gab es sogar Totalausfälle“

Normal wäre als Vergleichswert laut Bezirksobmann des Imkerverbandes, Johannes Pöcksteiner, ein Ausfall von einem Zehntel. „Die Ausfallquote nach der Winterruhe war heuer beträchtlich. Für manche Imker gab es sogar Totalausfälle, da ist das natürlich ein schmerzlicher Verlust. Dazu kommt noch ein neues Schadbild durch den Bienenparalysevirus, der von der Varroamilbe übertragen wird“, erklärt der Imkermeister, der selbst 30 Bienenvölker betreut.

Tatsächlich kommen aber noch einige weitere Faktoren hinzu, die zum Sterben der Insekten führen: Zum einen ist das Immunsystem der Bienen durch Umwelteinflüsse geschwächt. „Sie bräuchten klar abgegrenzte Jahreszeiten, damit die Winterruhe nicht gestört wird. Diese Abgrenzung verschwimmt aber immer häufiger. Die milden Temperaturen der letzten Winter sind ein Beispiel dafür“, erklärt der Bezirksobmann, denn Bienen wachen ab einer Außentemperatur von 10 Grad aus ihrer Winterruhe auf und werden wieder aktiv. Zum anderen werden die Lebensräume durch die Verwendung von chemischen Maßnahmen, intensiver Landwirtschaft und stark gepflegte Gärten immer weiter eingeschränkt.

Und obwohl das Interesse für die Imkerei kontinuierlich steigt, stagniert die Zahl der Bienenvölker seit den letzten drei Jahren. Dabei sei die Honigbiene laut Pöcksteiner, der nebenbei auch eine Landwirtschaft betreibt, ein wichtiges Nutztier. Sie übernimmt neben der Honigproduktion rund 80 Prozent der Bestäubungsleistung, von der vor allem der Obstertrag abhängig ist.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass jeder einen positiven Umweltbeitrag leisten kann: „Durch Nützlingshotels steigt der Bestand an Wildbienen mittlerweile wieder. Es hilft auch, einen Streifen im Garten stehen zu lassen oder Biodiversitätsflächen bzw. Blumenstreifen im Garten anzulegen“, nennt Pöcksteiner ein paar Beispiele.

So viele Imker im Bezirk wie noch nie

Die Mitgliederzahl der Imkervereine im Bezirk hat derzeit einen Rekordwert erreicht, laut dem Bezirksobmann ist Amstetten mit 600 Imkern sogar der mitgliederstärkste Bezirk in ganz Niederösterreich (siehe Infobox). Für Johannes Pöcksteiner natürlich ein Grund zur Freude.

Der 57-Jährige aus St. Georgen am Ybbsfelde ist seit etwas mehr als einem Jahr als Bezirksobmann tätig: „Im Bereich der Imkerei hat sich in letzter Zeit viel getan. Bienen sind zudem Lebewesen, die viel Pflege und Fachwissen benötigen. Deswegen haben wir im Vorjahr und auch nach wie vor den Fokus auf Weiterbildungen gelegt. Besonders am Herzen liegt mir daher die Aus- und Fortbildung von Jungimkern im Bezirk. Im Jahr 2019 wird es zahlreiche Weiterbildungsangebote und Informationsabende geben. Wir Imker wollen möglichst viele Menschen für die Bienen begeistern und pflegen die Imkerei aus Überzeugung und Liebe zur Natur.“

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