SPÖ fordert Öffnung: Debatte um Friedhöfe in Amstetten. In Amstetten sind seit Ausbruch der Corona-Krise auch die Friedhöfe geschlossen - im Gegensatz zu jenen der Umlandgemeinden. Das ruft auch Kritik und Unverständnis der Bürger hervor. Für Stadtchef Christian Haberhauer (ÖVP) ist diese Maßnahme aber unumgänglich. "Denn es geht dabei um den Schutz und die Gesundheit der Menschen", sagt er. Die SPÖ sieht das anders und fordert eine Öffnung der Friedhöfe.

Von Hermann Knapp. Update am 03. April 2020 (19:59)
Die Amstettner Friedhöfe sind aufgrund der Corona-Krise derzeit geschlossen und dürften es auch noch bis nach Ostern bleiben.
Otmar Gartler

Gerade auf den Friedhöfen sind oft ältere Menschen anzutreffen, die aber nun zur Hauptrisiko-Gruppe des Coronavirus zählen. "Bei uns sind da zu normalen Zeiten oft viele Leute unterwegs, das kann man nicht mit den Friedhöfen in anderen Gemeinden vergleichen. Ich habe mit verschiedensten Experten gesprochen  - Ärzten, dem Land NÖ, Gesundheitseinrichtungen und auch mit betroffenen Personen, die das Virus in sich tragen. Alle haben mir dringend empfohlen diese Maßnahmen zu setzen und die Friedhöfe vorübergehend zu schließen", erklärt Haberhauer. Auch mit den Pfarren sei das abgesprochen.

Ihm sei bewusst, so der Stadtchef, dass das eine einschneidende Maßnahme sei, aber es gelte nun vor allem die Ausbreitung des Virus zu verhindern. "Ich hoffe, dass die Menschen in ein paar Wochen wie gewohnt die Gräber ihrer Lieben wieder besuchen können", erklärt Haberhauer.

Vor Ostern komme eine Öffnung aber nicht infrage. In der Zwischenzeit könne man das Andenken der Verstorbenen ehren, indem man zu Hause oder auch in der Kirche eine Kerze für sie entzünde. Der Bürgermeister versichert, dass die Gräber natürlich von der Friedhofsverwaltung gepflegt würden. "Da muss sich niemand Sorgen machen."

Die SPÖ schert in diesem Punkt aus dem Schulterschluss der Amstettner Parteien zur Bekämpfung des Coronavirus aus. Für die zuständige Stadträtin Beate Hochstrasser, "ist die aktuelle Situation rund um die Sperrung der Friedhöfe nicht verständlich. Unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen steht einer Öffnung in den nächsten Tagen nichts im Wege."

Alle größeren Städte in Niederösterreich hielten ihre Friedhöfe ebenfalls geöffnet. Vor allem in Anbetracht der anstehenden Feiertage müsse es den Menschen ermöglicht werden, vor Ort ihrer Angehörigen zu gedenken, das gehöre auch zu den Grundbedürfnissen.

Zu Wort meldet sich in der Causa Friedhöfe nun auch der grüne Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder. „Ich halte die Forderung von SPÖ-Gesundheitsstadträtin Hochstrasser, die Friedhöfe zu öffnen und so gerade die ältere Generation auf Friedhöfen zusammentreffen zu lassen, für absolut unverantwortlich. Das Thema ist in der Bevölkerung ein hochsensibles und wir haben die Friedhöfe nicht aus Jux und Tollerei geschlossen, sondern ganz bewusst, um gerade die älteren Mitmenschen, also die Hochrisikogruppe schlechthin, zu schützen.“

Der schwarzgrünen Stadtregierung sei natürlich bewusst, dass es gerade für die ältere Generation eine besondere Herausforderung darstelle, auf Besuche am Grab der verstorbenen Angehörigen zu verzichten. „Zeiten großer Herausforderungen bedürfen aber manchmal auch unpopulärer Entscheidungen, vor allem wenn sie zum Schutz der Gesellschaft getroffen werden!“, betont Hörlezeder.