Umwelt, Lifestyle, Fortschritt sprechen für E-Autos. Auch im Bezirk steht das Elektroauto seit einigen Jahren im Fokus der Mobilitätsdebatte.

Von Gerold Keusch. Erstellt am 16. Juli 2019 (03:10)
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Christian Haberhauer, Geschäftsführer des Tourismusverbands Moststraße, mit seinem E-Auto. Sein Unternehmen möchte mit gutem Beispiel vorangehen und hat deshalb auch eine E-Tankstelle errichtet.

Die Meinungen zur E-Mobilität sind gespalten. Schlagworte wie Umwelt, Lifestyle und Fortschritt, aber auch Reichweite, Kosten und E-Tankstellen begleiten die Diskussion um dieses Antriebssystem.

„Unser Elektroauto hat uns bis Berlin und Paris gebracht. Wir fuhren bisher 100.000 Kilometer, ohne Service“, erklärt Christian Haberhauer, Geschäftsführer der Moststraße. Er fährt ein Firmenauto mit E-Motor und ist – als Vorreiter – von der E-Mobilität überzeugt. Bereits 2014 fuhr er eines der ersten E-Autos in Österreich. „Damals war die Reichweite noch so gering, dass es nur als Zweitauto in Frage kam. Und es gab de facto keine Ladestellen“, erinnert sich Haberhauer zurück.

„Die Reichweite ist eine Herausforderung des Elektroantriebs, aber sie wird laufend besser“, erklärt Christian Leichtfried, „i-Agent“ bei BMW Slawitscheck. Das Unternehmen setzt, so wie die meisten anderen Hersteller, in Zukunft verstärkt auf E-Mobilität.

„Den alternativen Antriebssystemen gehört die Zukunft, da die gesetzlichen Vorgaben mit reinen Verbrennungsmotoren nicht mehr zu erreichen sind“, sagt Leichtfried. Er ist überzeugt, dass die mobile Revolution nicht aufzuhalten ist, da sie von der Politik unterstützt wird. Für Leichtfried ist das Elektroauto ein Teil dieser Revolution, die mit der Digitalisierung von Fahrzeugen einhergeht und beim selbstfahrenden Auto (vorläufig) enden wird.

E-Mobilität ist eine Herausforderung

„Ich glaube nicht, dass das Elektroauto der große Zukunftsmarkt ist.“ Martin Zellhofer sieht die alternative Antriebsform kritischer als sein Kollege. „Die Produktion ist eine Herausforderung, die Lieferzeiten sind lange und E-Autos kosten das Doppelte eines normalen Autos. Diese Mehrkosten können kaum ausgeglichen werden“, argumentiert er.

Für Christian Haberhauer, der sein Firmenauto auch privat nutzt, gilt das nicht: „Für das E-Auto muss das Unternehmen keinen Sachbezug zahlen, was eine Ersparnis von etwa 500 Euro im Monat bedeutet. Ein weiterer Bonus ist die Wertstabilität. Nach drei Jahren und 100.000 Kilometern ist das Fahrzeug nur ein Drittel weniger wert.“

„Für die Werkstätten ist die E-Mobilität eine Herausforderung“, erklärt Zellhofer. „Die Ausbildung und die Geräte sind teuer und aufwendig zu bedienen. Die Einnahmen sind aber gering, da es kaum Reparaturen gibt oder ein Service fällig wird.“ Ein Umstand, der Kunden freut, die Branche aber vor nachvollziehbare Probleme stellt.

"Der E-Auto-Fahrer ist ein Technikfreak"

„Der typische E-Auto-Fahrer ist ein Technikfreak. Er hat eine Photovoltaikanlage am Dach, ein Schnellladesystem in der Garage, bereits viel Geld investiert und er weiß, was er will“, sind sich Zellhofer und Leichtfried einig. Beide sind davon überzeugt, dass das E-Auto für viele ein Lifestyle-Accessoire ist.

Mittlerweile haben auch Firmen ihren Fuhrpark mit Elektroautos erweitert – unter anderem aus Imagegründen. Diese sind auch für Christian Haberhauer ein wichtiger Aspekt. „Der Tourismusverband Moststraße sieht sich als Vorreiter, der das Thema vorantreiben möchte. Da wir nicht von E-Mobilität reden können, ohne es selbst zu tun, haben wir ein E-Auto angeschafft.“

Ähnlich ist die Situation in der Stadtgemeinde Amstetten. Dort besteht die Fahrzeugflotte für Essen auf Rädern aus E-Autos. „Die Anschaffung war eine politische Vorgabe, da wir als Stadtgemeinde mit gutem Vorbild vorangehen wollen. Dafür nahmen wir auch höhere Anschaffungskosten in Kauf“, erklärt Helmut Schuster. Er ist für die Fahrzeugflotte verantwortlich. Er ist mit der Entscheidung zufrieden, da „E-Autos für unseren Zweck optimal sind.“

Die Vor- und Nachteile der Elektroautos sind, seitdem es diese Fahrzeuge gibt, die gleichen geblieben. Beide scheinen jedoch nicht so ausgeprägt zu sein, wie man anfangs annahm. Das hängt zum einen mit dem konstanten Fortschritt zusammen, der die Nachteile schrittweise ausgleicht. Und zum anderen mit den Erfahrungen, die manche Vorteile relativieren. Der Schlüssel zur Zufriedenheit mit dem E-Auto liegt, so wie bei allen anderen Dingen auch, vor allem darin, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und die Kaufentscheidung danach zu treffen.

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