Ärger über neue Fahrpläne in Amstetten. Der Schulbeginn bescherte vielen Kindern in Amstetten eine böse Überraschung. Sie konnten an gewohnten Bushaltestellen nicht aus- oder einsteigen. Die Eltern protestieren beim Verkehrsverbund Ost-Region.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 06. September 2019 (15:06)
Anton Kovacs
Der Bus der Linie 645, der um 13.36 in Mauer abfährt, fährt durch die Fahrplanänderung nicht mehr durch Greinsfurth. Kinder mussten an der B121 in der Höf aussteigen. Provisorisch hält der Bus nach Intervention der Neuen MIttelschule und von Eltern seit Freitag auch in der Leinerstraße am Rande Greinfurths.

Der Verkehrsverbund Ost-Region hat mit 2. September seinen Fahrplan gravierend verändert, was dazu führte, dass Kinder in der Früh an Haltestellen vergeblich auf ihren Bus warteten, weil diese nicht mehr angefahren werden. Andere Schüler mussten wiederum bei der Heimfahrt an ungewohnter Stelle aussteigen.

Ein Beispiel: Die Linie 645 zwischen Waidhofen an der Ybbs und Amstetten führte bisher durch Greinsfurth. Gerade jener Bus, der um 13.36 Uhr in Mauer hält und von Greinsfurther Kindern, die dort die Mittelschule besuchen, zur Heimfahrt genutzt wird, fährt um 14 Uhr aber nicht mehr durch den Ortsteil.

„Unsere Kinder mussten daher in Höf an der B121 aussteigen und dann zu Fuß heimgehen. Das sind rund 1,9 Kilometer, denn den Weg beim Sägewerk können sie nicht nutzen, weil das Betriebsgelände ist. Sie mussten also über den Hundeabrichtungsplatz ausweichen. Die Alternative wäre, entlang der Straße bis zur Einfahrt nach Greinsfurth zu gehen, was wegen der vielen Autos sehr gefährlich wäre und derzeit wegen der Baustelle ohnehin nicht möglich ist“, erklärt die Mutter eines betroffenen Kindes.

Was die Eltern besonders ärgert: Sie wurden über die Fahrplanänderung im Vorhinein nicht informiert.

Direktorin hat interveniert

Die Bürger intervenierten natürlich bei der Stadt und baten auch die Neue Mittelschule in Mauer um Hilfe. Direktorin Elfriede Geirhofer bewies Einsatz und Hartnäckigkeit und erreichte immerhin, dass seit Freitag die Kinder aus Greinsfurth zumindest in der Leinerstraße aussteigen können. „Das ist zwar keine optimale Lösung, aber besser als die Haltestelle in der Höf. Ich habe auch allen Eltern geraten, sich beim Verkehrsverbund zu beschweren. Wir als Schule haben auf die Fahrplangestaltung leider keinen Einfluss.“

Zahlreiche empörte Eltern wandten sich natürlich auch an die Gemeinde. Mauers Ortsvorsteher und SP-Verkehrssprecher Bernhard Wagner berichtet, dass die Probleme das ganze Stadtgebiet betreffen.

„Das geht vom Osten, wo teilweise Haltestellen aufgelassen und Linien neu geführt werden, bis eben hinaus nach Mauer und Hausmening. Teilweise passen die Fahrzeiten auch mit dem Schulbeginn oder dem Unterrichtsende nicht mehr zusammen. Wenn den Kindern vom Läuten der Glocke bis zur Abfahrt des Busses nur sechs Minuten bleiben, dann kann sich das jetzt schon nicht ausgehen und im Winter, wenn sie sich erst anziehen müssen, noch weniger“, sagt der SP-Politiker.

Stadt verlangt Fahrplananpassungen

Was Wagner besonders ärgert: „Eltern, die sich beim VOR beschwert haben, wurde gesagt, sie sollen sich an die Gemeinde wenden. Wir haben aber keinen Einfluss auf die Fahrplangestaltung und wir wurden über diese gravierenden Änderungen auch nicht im Vorfeld informiert. Wir tun aber alles, um Verbesserungen herbeizuführen.“

Bei Hermann Gruber von der Schulverwaltung laufen die Fäden zusammen. Er nimmt die Beschwerden entgegen und listet sie akribisch auf.

Bürgermeisterin Ursula Puchebner forderte schriftlich die Rücknahme der Fahrplanänderungen, damit für die Schüler wieder der pünktliche und sichere Transport zur Schule und wieder nach Hause gewährleistet wird.

Verkehrsverbund Ost will nachjustieren

Beim Verkehrsverbund Ost-Region weist man den Vorwurf, nicht ausreichend auf die anstehenden Fahrplanänderungen hingewiesen zu haben zurück: „Es hat Infomails an die Gemeinden gegeben und wir haben auch noch im Juni Folder an die Schulen geschickt. Es war bekannt, dass mit 2. September neue Fahrpläne kommen und wir haben auch auf die Website hingewiesen, auf der man sich alle Veränderungen im Vorfeld ansehen hätte können. Natürlich ist es ob der Größe des Gebietes, das wir betreuen, nicht möglich, alle Betroffenen auf jede einzelne Änderung gesondert hinzuweisen“, erklärt Pressesprecherin Christina Bachmaier.

Der Verkehrsverbund sei auch immer wieder mit dem Wunsch konfrontiert, die Fahrzeiten der Buslinien zu verkürzen. Gerade deshalb ziehe man Haltestellen aus den Ortskernen heraus – wie etwa im Falle Greinsfurth. Zudem sei es für die Busfahrer sehr schwierig, die sehr niedrige Bahnunterführung zu passieren. Da müssten sie sehr langsam fahren und das bringe ihren Zeitplan durcheinander.

„Wir wissen, dass gerade der Schulanfang eine sehr emotionale Zeit ist und sind auch dankbar, wenn wir Rückmeldungen bekommen. Wir stehen nun auch in Kontakt mit der Stadt und auch mit vielen Eltern und unsere Planer bemühen sich, nötige Feinjustierungen vorzunehmen. Manche Veränderungen werden auch noch diese Woche in Kraft treten“, sagt Bachmaier.