Bezirk Amstetten: Den Rasern wird Kampf angesagt. Schnellfahren wird künftig streng geahndet. Polizei plant auch Schwerpunktaktion gegen „Roadrunner“.

Von Hermann Knapp und Katharina Kreisa. Erstellt am 08. September 2021 (03:09)
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Die B 121 am Haaberg bei Amstetten ist eine beliebte Rennstrecke der Roadrunner-Szene. Schon im Vorjahr hat die Polizei eine Schwerpunktaktion gegen
illegale Straßenrennen durchgeführt und Chefinspektor Oliver Zechmeister plant in Zusammenarbeit mit der Landesverkehrsabteilung auch für heuer eine „Aktion scharf“. 
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„Geschwindigkeit wird als ein entscheidender Faktor für die Anzahl und die Schwere von Verkehrsunfällen gesehen“, sagt Major Andreas Kronsteiner vom Bezirkspolizeikommando in Amstetten.

Eine Analyse der Unfallorte, Unfallzeiten und Unfallursachen ergibt, dass im Bezirk die B 122 (Richtung Steyr) diesbezüglich ein Hotspot ist, aber auch einige Landesstraßen zählen dazu und auch Teile der B 121. Im ersten Halbjahr wurden von der Polizei im Bezirk Amstetten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen 3.106 Organstrafverfügungen erlassen und 1.736 Anzeigen erstattet. Die Bezirkshauptmannschaft hat im Jahr 2019 insgesamt rund 116.000 Strafen verhängt, den Großteil wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Im Jahr 2020 waren es vermutlich aufgrund der Lockdowns „nur“ knapp 98.000.

Die Strafen für Raser werden mit 1. September empfindlich höher. Der Rahmen für die Ahndung von Geschwindigkeitsübertretungen wurde von bisher 2.180 Euro auf bis zu 5.000 Euro angehoben. Damit einhergehend wurden auch die Mindestentzugszeiten für den Führerschein verdoppelt. Im Wiederholungsfall wird sowohl der Strafbetrag höher als auch die Dauer des Führerscheinentzuges länger. Die Polizei im Bezirk führt schon seit 2013 Verkehrsüberwachungsschwerpunkte durch. „Ziel ist es, die Anzahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen auf Freilandstraßen und somit auch die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle und der Unfälle mit Personenschaden zu senken“, sagt Kronsteiner. Das ist auch gelungen. Waren 2012 noch jährlich zehn Tote im Straßenverkehr im Bezirk zu beklagen, so waren es 2019 und 2020 „nur“ noch fünf.

Aus Sicht der Feuerwehr kann die Unfallanzahl über Geschwindigkeitsbeschränkungen geregelt werden. „In Euratsfeld ist in den vergangenen Jahren von der Feldmühle in Richtung B 1 das Limit von 70 auf 50 km/h reduziert worden und seither gibt es keine Probleme mehr“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Rudolf Katzengruber. Er hält am Sprichwort „Alles was nix kostet, ist nichts wert“ fest. „Egal, ob eine fertige Radarbox oder ein Geschwindigkeitslimit, sobald eine Kontrolle vorherrschend ist, gibt es merklich weniger Geschwindigkeitsprobleme“, meint er.

Die Straßenbauabteilung 6 des Landes in Amstetten sieht sich im Spannungsfeld, die Landesstraßen einerseits dem Stand der Technik entsprechend zu bauen, zu sanieren und zu erhalten, „andererseits ist uns bewusst, dass auf sanierten und neuen Straßen oft schneller gefahren wird. Wenn Raser diese Bemühungen um ein gut ausgebautes Straßennetz durch unverantwortliches Verhalten konterkarieren, stehen wir den neu verhängten gesetzlichen Änderungen grundsätzlich positiv gegenüber“, sagt der Leiter-Stellvertreter, Leopold Röcklinger.

Probleme mit der Roadrunner-Szene

Dort, wo es möglich und sinnvoll ist, beispielsweise bei Ortseinfahrten, sei man in Kooperation mit den Gemeinden auch bemüht, durch bauliche Maßnahmen den Verkehrsteilnehmern gut erkennbar zu machen, wo Tempo reduziert werden müsse.

Auch in der Region kommt es immer wieder zu Problemen mit der Roadrunner-Szene. Erst im Juni wurde der Polizei von erbosten Anrainern ein illegales Autorennen in Winklarn gemeldet. Rund 50 Roadrunner hatten sich dort zusammengefunden. „Sie haben eigene Gruppen in den sozialen Medien, über die sie sich rasch zu Treffen verabreden. Das geht meist sehr kurzfristig, darum ist es für uns auch schwierig, immer rechtzeitig zu reagieren“, sagt Amstettens Postenkommandant, Chefinspektor Oliver Zechmeister.

Eine beliebte Rennstrecke der Roadrunner ist der Haaberg. Sie treffen sich am Parkplatz auf der Oiden und brettern dann mit weit überhöhter Geschwindigkeit die B 121 hinunter.

Schon im Vorjahr hat die Amstettner Polizei gemeinsam mit der Landesverkehrsabteilung eine Schwerpunktaktion gegen illegale Straßenrennen durchgeführt und Zechmeister wills so eine „Aktion scharf“ auch heuer starten. Abstimmungsgespräche laufen. Durch den neuen Strafrahmen kann man die Raser jetzt viel empfindlicher treffen.

Nicht selten sind in Amstetten nachts übrigens auch Verkehrsrowdys unterwegs, die durch die Kreisverkehre driften.

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