Bezirk Amstetten: Ehrenamtliche halten Vereine am Leben

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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Johann Aigner ist es gewohnt, beim SCU St. Georgen/Ybbsfelde an der Seitenlinie zu stehen. Seit vielen Jahren ist er beim SCU Sektionsleiter.
Foto: Johann Wickenschnabel
Solche zu finden, wird für Vereine immer schwieriger. Einige treten kürzer, andere bleiben dabei. Die NÖN hörte sich um.

In die zweite Reihe zurückgetreten ist Andreas Grafeneder beim FCU Winklarn. Er war bis vor einigen Monaten noch Sektionsleiter, somit zuständig für den Spielbetrieb, allgemeine Organisation, unterm Strich auch so etwas wie „Mädchen für alles“. Jetzt ist er zwar weiterhin im Verein engagiert, als Kassier-Stellvertreter ist der Zeitaufwand allerdings ein verschwindend kleiner.

„Das Problem dabei war, dass der zeitliche Aufwand immer größer wurde. Vor allem an den Meisterschaftswochenenden geht immer ein ganzer Tag drauf, da man als Sektionsleiter vor der Reserve vor Ort sein muss und nach dem Hauptspiel natürlich noch weitere Aufgaben warten. Dazu kommen in der Transferzeit, der Vorbereitung und auch dazwischen immer wieder Dinge, die zeitnah zu erledigen sind. Das Privatleben bleibt zusehends auf der Strecke“, beschreibt Grafeneder seine Motive für den Rückzug. „Irgendwann zieht man dann eben einen Schlussstrich. Dass sich immer weniger Leute für solche Positionen finden, hat sich durch Corona wohl noch verstärkt. Da haben viele gesehen, dass es auch gemütlicher geht, und sich daran gewöhnt. Wenn man aber selbst viel Zeit hat, vielleicht Single ist, oder die Frau ebenfalls im Verein tätig ist, lässt sich das schon vereinbaren.“

Das Vereinsleben soll erhalten bleiben

Mittlerweile seit 2009 engagiert sich Roland Hiessleitner beim USV Ferschnitz, zuerst als Nachwuchstrainer, seit 2014 als Sportlicher Leiter und seit 2018 zusätzlich als Sektionsleiter. Seine Aufgaben im Verein wurden also stetig mehr, was auch mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden ist. „Warum man das macht? Ein bisschen fußballwahnsinnig muss man da schon sein“, gesteht Hiessleitner. Als Vater von drei Kindern sei es ihm aber einfach ein großes Anliegen, dass auch sie in den Genuss eines funktionierenden Vereinslebens kommen können. Besonders wichtig ist ihm daher auch die Arbeit mit dem Nachwuchs. „Ich sehe es auch als unseren Auftrag, dass die Jugend auf den Fußballplatz kommt. Ich engagiere mich, weil ich möchte, dass der Verein weiter besteht und auch die nächsten Generationen Freude daran haben. Unser Ziel muss sein, dass die Zukunft gesichert ist“, erklärt Hiessleitner.

Seit vielen Jahren übt Johann Aigner beim SCU St. Georgen/Ybbsfelde die Tätigkeit des Sektionsleiters aus. Er stellt einen Großteil seiner Freizeit dem Verein zur Verfügung, sieht die Gründe für sein Durchhalten auch in einer guten Organisation innerhalb der Funktionäre, und auch in der Aufgabenverteilung.

„Wichtig ist das Klima und das Zusammenspiel zwischen Obmann, Sektionsleiter und allen anderen Mitgliedern im Vorstand. Die Aufgaben müssen gut aufgeteilt sein, denn einer alleine schafft das heute nicht mehr. Man verbringt viele Stunden im Verein, da es auch immer wieder Feste und Veranstaltungen zu organisieren gibt“, erzählt Aigner. Die Gründe für die Funktionärskrise beschreibt er so: „Keiner will sich mehr verpflichten, viele sind beruflich ausgelastet, durch Corona ist eine gewisse Lethargie entstanden.“

„Keiner will sich mehr Zeit nehmen“

Ebenfalls ein Langzeitfunktionär ist Franz Höllmüller, der sich in Neuhofen um die sportlichen Belange kümmert und diese Aufgabe auch in der neuen Saison gerne annimmt. „Heute will sich keiner mehr die Zeit nehmen, um ehrenamtlich zu arbeiten. Es will fast jeder etwas bezahlt haben, aber das wäre das Aus für die Vereine. Außerdem stellen heute gar nicht wenige Spieler unverschämte Forderungen, mit denen man sich als Funktionär beschäftigen muss. Unterm Strich schreckt das viele ab, die Situation für die Vereine wird immer schwieriger“, betont Höllmüller.

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