Impfzentralen: „Weiterer Dolchstoß für die Hausärzte“. Mit einem offenen Brief kritisiert Ärztevertreter Dr. Franz Gabler aus Euratsfeld (Bezirk Amstetten) die Landespolitik.

Von Peter Führer. Erstellt am 14. April 2021 (05:47)
Ärztevertreter Franz Gabler spricht von einem „Schlag unter die Gürtellinie“. Foto: privat
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Die Entscheidung des Landes Niederösterreich, künftig verstärkt auf zentrale Impfstraßen zu setzen, sorgt bei den Hausärzten für großen Unmut. In der Vorwoche wandte sich Ärztevertreter Dr. Franz Gabler aus Euratsfeld mit einem offenen Brief an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Darin kritisiert er die Entscheidung. Es spreche nichts dagegen, parallel zu den Hausärzten weitere Varianten anzubieten. Doch Impfstraßen als Ersatz für die wohnortnahen und patientenfreundlichen Impfungen durch Hausärzte seien „wie ein Schlag unter die Gürtellinie“ schreibt Gabler.

Gabler: Impfstraßen sind teurere Variante

Die Argumente seien „an den Haaren herbeigezogen“. „Jetzt hat sich die Politik für diese zentralen Möglichkeiten entschieden, nur damit sich die Politiker dann selbst beweihräuchern können. Das ist alles eine Katastrophe. Außerdem sind die Impfstraßen teurer als die Variante durch die Hausärzte, unter anderem auch aufgrund der Mieten, die bis Mai 2022 fällig sind. Überall sonst wird gespart, aber hier schmeißt man das Geld mit beiden Händen hinaus“, so Gabler weiter.

Um Gesundheitsvorsorge gehe es dabei schon länger nicht mehr. Das Ganze wäre eine weitere Geringschätzung für die Hausärzte. Mit hunderten Kollegen sei er im Austausch, viele seien „stinksauer“. „Es ist ein weiterer Dolchstoß in die Herzen der Hausärzte“, unterstreicht Gabler im NÖN-Gespräch. Die „herablassende Art, wie mit Hausärzten herumgesprungen wird, ist sicher nicht die Lösung für den Hausarztmangel“, schreibt er in seinem Brief.

Das Argument, Impfstraßen würden eine einfachere und raschere Logistik ermöglichen, lässt der Mediziner nicht gelten. „Die Ärzte mit Hausapotheke werden sowieso mit Medikamenten beliefert, da kann man auch den Impfstoff anliefern. Und Ärzte ohne Hausapotheke können sich diesen von den Apotheken aus der Umgebung holen“, argumentiert Gabler. Die Durchimpfung scheitere an einem einzigen Punkt: zu wenig Impfstoff.

Als weitere Folge seiner Enttäuschung legte Gabler, wie er in seinem Brief schreibt, die Mitgliedschaft beim ÖAAB zurück. Er überlegt zudem, die freiwilligen Wochenenddienste und die Mitarbeit beim Ärztenotdienst 141 zu beenden. „Diese Dienste für die Bevölkerung und letztendlich am Land NÖ hab ich bisher aus Überzeugung gemacht. Ich werde hinkünftig mehr auf meine Work-Life-Balance achten und mich lediglich in der Gemeinde, wo die ÖVP noch Handschlagqualität hat, engagieren“, formuliert Gabler.

Seitens des Büros von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betont Pressesprecher Günther Haslauer, dass man sich für die Impfzentren entschied, um die Impfungen schneller umsetzen zu können. „Es wurde den Hausärzten nichts weggenommen, sie können ja weiter impfen“, betont Haslauer. Er verweist zudem auf eine Pressekonferenz von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, in der auf die weiteren Pläne für die Impfungen in Niederösterreich eingegangen wurde.

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