Amstetten: Falscher Polizist betrog Senioren um viel Geld

Telefonisch lockte ein Mann Pensionisten tausende Euros heraus. Haft für Abholer.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 03:55
Justiz Gericht Symbolbild
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Foto: APA/Webpic

Im Juni bekommt eine Pensionistin aus Amstetten einen Anruf. Ihre Tochter hatte einen Autounfall. Die Frau hat aber keine Tochter. Es war ihre Nichte, schwenkt die angenehme Stimme am Telefon schnell um. Die Frau hat eine Nichte und sie ist alarmiert. Totalschaden beider Autos, die Versicherung zahlt nicht. Um die Nichte vor der Festnahme zu bewahren, müsse die Pensionistin eine Kaution von 52.000 Euro zahlen, so der Anrufer, der sich in perfektem Deutsch als Polizist ausgibt. Auflegen darf sie nicht, sonst ist alles vorbei, sagt er ihr, und die Frau sucht sämtliche Bargeldreserven zusammen, die sie und ihr Lebensgefährte zuhause haben: 45.000 Euro und einige Goldmünzen. Mehr hat sie nicht, egal so der Anrufer. Kaum hat sie alles beisammen, steht schon ein Geldkurier vor der Tür. Sie gibt ihm das Geld, erst dann legt der Anrufer auf. Nur zehn Tage später wird auch ein Mann aus dem Bezirk Tulln Opfer desselben Anrufers. Vom Anrufer fehlt jede Spur. Der Geldkurier wird allerdings von der Polizei geschnappt, als er mit den 76.000 Euro des Mannes flüchten will.

Vor dem Richter behauptet der Kurier, er habe nicht gewusst, dass es sich um einen Betrug handle und bestreitet auch, bei der Frau in Amstetten das Geld abgeholt zu haben. Sie erkennt ihn aber zu 90 Prozent wieder. Er habe einfach die Anweisung bekommen, Geld abzuholen, erklärt der Beschuldigte. Seine Frau sei schwer krank und er habe Schulden, die er dadurch begleichen wollte. Den Mann, der dahinter stecken soll, einen gewissen Adriano, kenne er nicht persönlich. Der Richter glaubt ihm kein Wort, denn wieso sollte der Anrufer einem ihm völlig Unbekannten so viel Geld anvertrauen.

Der Staatsanwalt hält den Angeklagten für komplett unglaubwürdig: „Er lügt uns an. Der Angeklagte war nicht Kopf der Sache, aber er war dafür verantwortlich, dass der Betrug gelang. Wir haben tagtäglich mit Kautionsbetrug zu tun, die meisten Fälle können wir nicht aufklären.“ Opfer von Kautionsbetrug sind meist ältere Menschen, so der Staatsanwalt.

Das Urteil: Schuldig in allen Punkten wegen schweren Betrugs. 21 Monate Haft, davon werden 14 Monate bedingt nachgesehen. Mildernd: Er hat keine Vorstrafen. Es blieb teilweise beim Versuch und ein Teil des Geldes konnte sichergestellt werden. Das Urteil ist rechtskräftig.