Amstetten

Erstellt am 16. Juli 2018, 08:16

von Hermann Knapp

Amstetten: 13-Jähriger als Bandenchef. Eine Gruppe krimineller Jugendlicher wurde von der Polizei ausgeforscht. Haupttäter ist ihr junger Rädelsführer. Beim Verhör durch die Polizei zeigte er keinerlei Reue.

Symbolbild  |  Alexander Raths/Shutterstock.com

Eine Gruppe von Jugendlichen, die Diebstähle, schwere Sachbeschädigungen, Körperverletzung und gefährliche Drohung auf dem Kerbholz hat, haben die Amstettner Kriminalisten ausgeforscht. Rädelsführer der Bande und Haupttäter ist ein 13-Jähriger Amstettner.

Der Bursche ist seit Juli 2017 in einer Sozialeinrichtung für Minderjährige in Oberösterreich untergebracht, dort aber schon mindestens 35 Mal ausgebüxt. Er trieb sich dann vorwiegend in Amstetten herum, zusammen mit mehreren älteren Burschen und einem Mädchen.

Böller in Lift geworfen: Frau und Kinder mussten in Behandlung

Seit Jahresbeginn hat der 13-Jährige in der Stadt mindestens 60 Mal Zeitungskassen zertrümmert, um an das Bargeld zu kommen und erbeutete rund 800 bis 1.000 Euro. Das Geld hat er mit seinen Freunden vorwiegend in einem Fastfoodrestaurant ausgegeben.

Einmal warf der Bursche im CCA einen Böller, im 4. Stock, in die Liftkabine. Dieser detonierte, als sich die Aufzugstür im dritten Stock öffnete. Eine Frau und ihre zwei kleinen Kinder mussten aufgrund des lauten Knalls in ärztliche Behandlung. In verschiedenen Kleidungs- und Sportartikelgeschäften stahl der 13-Jährige Gewand für sich selbst. Er verübte aber auch Ladendiebstähle auf Bestellung.

Mit einem seiner Freunde suchte er aus Langeweile das Parkhaus in der Eggersdorfer Straße heim. Sie rissen Feuerlöscher aus der Verankerung und warfen sie in den Mühlbach. In der Aufbahrungshalle und bei der Friedhofsverwaltung schlugen sie Fensterscheiben ein, außerdem noch eine Auslagenscheibe in der Unterführung am Bahnhof. Viel Zeit verbrachten der 13-Jährige und seine Clique im CCA – außerhalb der Öffnungszeiten. Sie gelangten hinein, indem sie Schiebetüren aufzwängten.

Laut Polizei große kriminelle Energie und keine Emotionen

Auch am 8. Juni streifte der junge Amstettner mit einem seiner Freunde gegen 1.50 Uhr durch das Einkaufszentrum. Sie kamen dabei an den freistehenden Vitrinen eines Juweliergeschäftes vorbei und rissen 60 Ringe heraus, die mit dünnen Seilen gesicherte waren.

„Eine Vitrine in der sich verschiedene Armbanduhren befanden, warf der 13-Jährige einfach um. Das Glas zerbrach dabei und die Burschen schnappten sich je drei Uhren“, berichten die Ermittler der Polizei. Durch die Erschütterung ging bei einem nahen Geschäft ein akustischer Alarm los. Daraufhin türmten die beiden Jugendlichen.

Am nächsten Morgen fuhr der 13-Jährige mit dem Schmuck nach Wien und verkaufte ihn um einige tausend Euro. „Weil er das Geld aber nicht teilen wollte, flunkerte er seinem Komplizen am Abend vor, zwei Schwarze hätten ihn überfallen und den Schmuck gestohlen“, erzählt ein Kriminalist.

Daraufhin planten die beiden Burschen sofort einen Einbruch in einem Elektrofachmarkt, scheiterten aber am Rolltor. Dafür riss der 13-Jährige bei einem Café die Kassenlade heraus und erbeutete 150 Euro.

Mit einem Nothammer schlugen die Burschen die Scheiben eines Handyshops ein. Foto: Shutterstock/r.classen  |  Shutterstock/r.classen

Dann beschlossen die Burschen, in einen Handyshop einzubrechen. Sie zerschlugen die Eingangstür, vermummten sich und stahlen fünf Handys aus dem Verkaufsraum. Der ältere Täter kam später nochmals mit einem Komplizen zurück und entwendete weitere vier Handys. Sie verkauften sie in einem Park in Wien-Meidling.

Der 13-Jährige Rädelsführer ging bei seinen Taten, laut Polizei, mit großer krimineller Energie und emotionslos vor. Reue zeigte er kein. Er ist noch strafunmündig und derzeit in der Jugendpsychiatrie in Mauer untergebracht.

Schaden: Mindestens 10.000 Euro!