Amstetten , Weistrach , Seitenstetten , Ardagger

Erstellt am 08. Januar 2019, 05:47

von Hermann Knapp

Bezirk Amstetten: Der Borkenkäfer wütete wie nie zuvor. Hitze begünstigte die Verbreitung des Schädlings. Vor allem Fichten, aber auch Kiefern waren betroffen. Holzpreis ist derzeit im Keller.

Shutterstock-D. Kucharski K. Ku  |  Shutterstock.com/D.Kucharski K. Kucharska

Der Borkenkäfer hat im Jahr 2018 im Bezirk so arg gewütet, wie kaum je zuvor. „Wir haben heuer über 300 Aufarbeitungsbescheide erlassen. Das ist Rekord. In ähnlicher Dimension hatten wir das nur im Jahr 2003“, sagt Bezirksförster Friedrich Hinterleitner.

Bezirksförster Friedrich Hinterleitner mit der Grafik über die Baumarten im Bezirk. Der Fichtenanteil sinkt. Foto: Knapp  |  Knapp

Sowohl private Waldbesitzer als auch Gemeinden wurden beauftragt, Käferbäume aus ihren Wäldern zu entfernen. „Massiv betroffen sind vor allem die Fichten in den Tieflagen, da hatten wir oft Bereiche mit einigen hunderten Bäumen“, berichtet Hinterleitner.

„Der Maschinenring war voll ausgelastet“

In Wolfsbach, Weistrach, Seitenstetten, Aschbach und Wallsee wütete der Käfer ebenso wie in Ardagger, Ferschnitz und Euratsfeld. Die Hügelzonen im Ybbstal wiesen hingegen heuer sogar unterdurchschnittlich wenig Käferbäume auf, so Hinterleitner.

Für die Waldbesitzer war und ist es oft gar nicht so einfach, den Schlägerungsbescheiden nachzukommen. „Denn der Maschinenring war voll ausgelastet und ebenso die Unternehmen, die über Harvester verfügen. Viele waren im Waldviertel im Einsatz, weil dort der Borkenkäfer noch viel massiver aufgetreten ist als bei uns“, sagt Hinterleitner.

Die Löcher, die durch die Schlägerung der Käferbäume in den Wäldern entstehen, sind natürlich ebenfalls problematisch, weil sie dem Wind gute Angriffsflächen bieten. Die Stürme Kyrill im Jahr 2007 und Emma im Jahr 2008 haben ja enorme Schäden verursacht. Auch das ist wohl mit ein Grund dafür, dass der Anteil der Fichten an der Waldfläche im Bezirk, der noch immer bei rund 50 Prozent liegt, in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat.

Hitze macht Bäume anfällig für Käfer

Grund dafür, dass der Borkenkäfer sich heuer so enorm ausgebreitet hat, war natürlich die Hitze, die die Bäume geschwächt und für den Schädling anfällig gemacht hat. „Hinzu kam, dass die Fichten heuer ein Zapfenjahr hatten, was sie zusätzlich Kraft kostete. Die Folge war, dass die Bäume ausgedorrt waren und kein Harz mehr hatten“, sagt Hinterleitner. Der Bezirksförster berichtet, dass heuer im Bezirk aber auch die Kiefern so stark von Käferbefall betroffen waren, wie nie zuvor.

„Insgesamt rechne ich im Bezirk mit 13.000 bis 14.000 Festmetern Schadholz“, sagt Hinterleitner. Das entspricht etwa 560-Lkw-Fuhren Holz.

Die Holzpreise sind heuer natürlich ob der vielen Käferbäume auch im Keller. 80 Euro wird für den Festmeter gesundes Holz gezahlt, für Käferholz gibt es pro Festmeter nur 45 bis 50 Euro. Dieses lässt sich, trotz seiner bläulichen Färbung, als Bauholz problemlos verwenden, weil Festigkeit und Haltbarkeit nicht beeinträchtigt sind, für Möbel ist es aber natürlich ungeeignet.

Standortgerechten Bäumen gehört Zukunft

Eine Wiederaufforstung findet in den Wäldern des Mostviertels auch statt, allerdings steigen die Waldbesitzer nun auf andere Bäume um, zumal es auch vom Land nur noch Förderungen für standortgerechte Hart- und Weichlaubhölzer gibt. Eichen, Vogelkirschen, Buchen, Ahorn, aber auch Tannen, die tiefer wurzeln und sich daher lehmigen Böden besser anpassen, gehört im Mostviertel die Zukunft. Allerdings ist es derzeit gar nicht so einfach geeignete Pflanzen zu bekommen. „Die Forstgärten im Land haben bisher nicht so viele Eichen produziert, wie sie jetzt benötigen würden, dafür bleiben sie aber auf ihren Fichtenbeständen sitzen“, sagt Hinterleitner.

Ob und wie stark der Käfer im nächsten Jahr sein wird, hängt natürlich von der Witterung ab. „Das derzeitige feuchtkalte Wetter ist gut gegen den Käfer, es wäre aber auch noch eine Periode mit starkem Frost gefragt“, sagt der Bezirksförster.