Seitenstetten: „Musik-Macherei“ unter einem Dach. Karin Kimmeswenger und Lorenz Müller bauen selbst Musikinstrumente und betreiben auch eine private Musikschule – derzeit natürlich online.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 16. April 2021 (05:38)
Den Instrumentenbauern Karin Kimmeswenger und Lorenz Müller ist sehr daran gelegen, nicht Noten zu spielen, sondern mit qualitätsvollen Instrumenten freudvoll Musik zu machen. Sie erteilen als selbstständige Musiklehrer auch privat Unterricht: Josef Hinterleitner, Ferdinand Kimmeswenger und Maximilian Hinterleitner (von links) haben Spaß dabei und erwarten sehnsüchtig das Ende des Lockdowns.  Foto: Penz/Archiv
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Karin Kimmeswenger wuchs in einer musikalischen Familie auf und sie hat ihre Neigung zum Beruf erkoren – in zweifacher Hinsicht: Sie ist nach dem Besuch der Instrumentenbauschule in Hallstatt auf den Bau und die Reparatur von Streich- und Saiteninstrumenten spezialisiert, hat aber selbst schon in frühen Jahren Flöte und Geige gelernt, später auch Blockflöte als Hauptfach und Violine im Schwerpunkt an der Musikuniversität in Wien studiert und 2012 dieses Studium abgeschlossen.

Zuvor hat sie beim Orgelbauer Pieringer in Haag ihr Wissen in die Praxis umgesetzt und an der Carl-Zeller-Musikschule sowie in Haag unterrichtet. „Durch den Kauf einer Violine aus der Werkstatt des Karl Brandhuber in Weistrach ist in mir das Interesse am Geigenbau aufgekommen, und das hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt die zweifache Mutter, die in ihrem Haus in der Waidhofner Straße gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Lorenz Müller inzwischen eine eigene Instrumentenbau-Werkstatt mit Verkaufsraum betreibt, aber auch seit 2016 als selbstständige Musiklehrerin Privatschülern das Flöten- oder Geigenspiel vermittelt.

„Ich biete qualitativen Instrumentalunterricht für Kinder und Erwachsene an, arbeite sehr schülerzentriert und individuell, es gibt keinen Auftrittszwang, aber sehr wohl die Möglichkeit zur Teilnahme an Wettbewerben“, betont die engagierte Vollblutmusikerin.

Erst kürzlich haben zwei ihrer Schülerinnen beim Landesbewerb „prima la musica“ einen 1. Preis in der Kategorie „Blockflöte Solo“ eingeheimst – am Klavier begleitet übrigens von ihrem 15-jährigen Sohn Moritz, der im Fach „Jugendliche Begleitung“ einen ausgezeichneten Erfolg erreichen konnte.

Der gebürtige Wiener Lorenz Müller hat eigentlich eine Ausbildung zum Kindergärnter abgeschlossen, doch aufgrund seines ausgeprägten Dranges zum handwerklichen Tun hat er von 2000-2004 ebenfalls die Instrumentenbauschule in Hallstatt absolviert und 2016/17 noch den Besuch einer einjährigen Meisterklasse angeschlossen.

Viele Bautechniken von „neuen Meistern“

„Ich habe damals bei vielen ‚neuen Meistern‘ noch neue Bautechniken lernen dürfen, und erst die Meisterprüfung hat mir die Eröffnung der Werkstätte mit Handel von Instrumenten, Noten und Zubehör hier am Standort ermöglicht“, blickt Müller zurück. Gemeinsam mit Karin hat er 2018 seine Lorenz-Instrumentenbau-Werkstatt mit einem Werkstattkonzert eröffnet. Auch er legt großen Wert auf Qualität, sei es beim Neubau, bei Reparaturen oder der Vergabe von Leihinstrumenten, die auch versichert sind. Lorenz Müller, dessen Kunden vorwiegend aus den umliegenden Musikschulen kommen, ist neben einer weiteren Lehrkraft auch in der hauseigenen Musikschule als Gitarrenlehrer tätig.

„Derzeit werden – leider nur online – 24 Schüler bei uns unterrichtet, demnächst werden auch Akkordeon, Kontrabass und E-Bass angeboten. Der Einstieg ist für Schüler ganzjährig möglich“, sagt der Musiker, der auf seiner chromatischen Schrammelharmonika in der neu gegründeten Formation MÜSTROIKI gemeinsam mit seiner Karin und zwei befreundeten Streicherinnen aus Neuhofen/Ybbs alte, kraftvolle Tanzmusik aus europäischen Regionen neuartig interpretiert.

„Musik umgibt uns selbst im Lockdown im ganzen Leben. Sie ist Ausgelassenheit, Arbeit, Entspannung, Ausgleich, Austausch, Kommunikation und vor allem Lebensfreude!“, ist sich das Musikerpaar einig.