Blindenmarkter Herbsttage: „Geschenk ans Publikum“. Intendant Michael Garschall im NÖN-Interview über die 30. Blindenmarkter Herbsttage, das Stück „Die Fledermaus“ und die Jubiläumsproduktion „Pippi Langstrumpf“.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 18. Juli 2019 (04:44)
Mark Glassner
Für Michael Garschall ist „helfen mit kunst“ der Höhepunkt der Operette.

NÖN: 1989 haben Sie das Operettenfestival „Herbsttage Blindenmarkt“ gegründet. In dieser Zeit ist viel passiert. Ist das vorherrschende Gefühl zum 30er-Jubiläum Freude und Dankbarkeit?

Michael Garschall: 1989 hatte ich die Idee für ein Festival in meinem Heimatort. Dirigent Kurt Dlouhy und Altbürgermeister Franz Haberfellner haben gleich mitgezogen, 1990 fanden die „1. Herbsttage“ statt und hatten gleich Erfolg. Ich bin glücklich, dass wir so ein treues Publikum haben, das unserer Qualität vertraut und uns jährlich stürmt. Und ich danke vielen Wegbegleitern, allen voran natürlich Hilde Umdasch, der das Festival sehr viel verdankt.

Die Herbsttage Blindenmarkt präsentieren das Genre Operette stets als flotte Unterhaltung auf der Höhe der Zeit. Es ist ein kraftvolles Zentrum der Operette. Was ist generell ihr Ziel gewesen?

Garschall: Die Operette ins Leben zurückzuholen und zu zeigen, was in ihr steckt. Freche Themen und Figuren, viel Erotik und natürlich wunderschöne Musik. Die Zeit der Ausstattungs-Kitsch-Operette war vorbei. Die besten jungen Singdarsteller sind natürlich das Um und Auf eines Erfolgs des Genres. Die Blindenmarkter Operetten-Ästhetik hat sich durchgesetzt!

Das Faktum ist, dass die Herbsttage heuer ihren 30. Geburtstag feiern. Was war der Anstoß, „Die Fledermaus“ von Johann Strauss zu inszenieren?

Garschall: Wir haben die „Fledermaus“ erst einmal gespielt, 1994. Es ist einfach ein Meisterwerk und noch dazu die Lieblingsoperette von Kurt Dlouhy. Er feiert ja heuer seinen 70. Geburtstag im Oktober, das war also „aufgelegt“. Ihm zu Ehren gibt es auch eine Matinee am 12. Oktober, 11 Uhr, mit vielen Überraschungen.

Es gibt zum Jubiläum mit „Pippi Langstrumpf“ auch eine zweite Produktion. Gibt es hier einen speziellen Hintergrund?

Garschall: Ja, das ist mein Geschenk an das Publikum anlässlich 30 Jahre „Herbsttage“. Keine Festschrift oder dergleichen, sondern eine Produktion für die gesamte Familie. „Pippi“ ist ein Meisterwerk – ein Mädel, das die Welt auf den Kopf stellt, steht im Mittelpunkt. Solche nicht angepasste Menschen würde es viel mehr in unserer Zeit brauchen! Die Musik zum Theaterstück kommt vom Blindenmarkter Bernd Leichtfried, wir haben auch eine Live-Band und tolle junge Theaterprofis. Premiere ist am 20. Oktober in der Ybbsfeldhalle.

Erfüllen sie sich auch einen Wunsch?

Garschall: Ja, mit einer neuen Initiative, das „Konzert für alle“ am Nationalfeiertag, 26. Oktober, um 11 Uhr. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben, klassische Musik zu hören. Rainer Kubicki von der Firma Creditreform unterstützt diesen Herzenswunsch, es wird sogar freien Eintritt geben. Die Atmosphäre soll ganz unkompliziert sein, es braucht keine festliche Kleidung und man kann auch mit dem Kinderwagen kommen. Es singen zwei Superstars der Wiener Staatsoper, ein großes Orchester wird spielen und ZIB-Lady Marie-Claire Zimmermann moderiert. Mein Geschenk ans Publikum!

Zum Abschluss. Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte der vergangenen dreißig Jahre?

Garschall: Sicher die Gründung der Initiative „helfen mit kunst“. Alljährlich laden wir 450 benachteiligte Menschen in die Operette ein. Für mich immer der Höhepunkt und eine Herzensangelegenheit.