Ortschef Hannes Pressl: Information nimmt Corona-Angst. Bürgermeister Hannes Pressl musste ja selbst zwei Wochen in Quarantäne, weil er mit einem Infizierten Kontakt hatte. Nach Ende dieser Frist hat die NÖN mit ihm ein Gespräch geführt - über seine wiedergewonnene "Bewegungsfreiheit", seine offensive Informationspolitik in Sachen Coronavirus und die voraussichtliche Dauer der Krise.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 29. März 2020 (11:32)
Bürgermeister Hannes Pressl setzt in der Coronakrise auf offensive Informationspolitik.
privat

NÖN: Sie sind aus der Quarantäne entlassen. Wie fühlt sich das für Sie an?
Hannes Pressl: Ich habe seit mehreren Jahren ein Heimbüro und war deshalb auch während der Quarantänezeit voll in Arbeit und habe, so wie immer, das Meiste von zu Hause aus erledigt. 

Hatten Sie jemals Sorge, wirklich infiziert zu sein?
Einmal kurz, als ich leichte Halsschmerzen und Husten hatte, aber das war schnell vorbei. 

Sie sind es gewohnt, sehr viel unterwegs zu sein, wie sind Sie mit der Beschränkung auf die eigenen vier Wände umgegangen. Gab es auch für Sie eine Art Entschleunigung? 
In der ersten Zeit der Coronakrise waren durch die vielen Absagen keine Auswärtstermine nötig. Und die Arbeit war halt online und telefonisch und wegen der Krisenzeit eigentlich noch mehr als sonst. Entschleunigung war da nicht möglich!  

Die allgemeinen Ausgangsbeschränkungen gelten ja nach wie vor auch für Sie: Inwiefern erleichtert aber zumindest die Aufhebung der Quarantäne Ihre Arbeit für die Gemeinde?
Es ist natürlich jetzt leichter, weil ich wieder zu den Mitarbeitern aufs Gemeindeamt fahren  kann oder auch zu einigen Baustellen, wo die Arbeiten wieder begonnen haben. Und es ist natürlich auch das eine oder andere persönliche Gespräch notwendig, das nicht online geführt werden kann. 

Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass eine unmittelbare und direkte Information den Umgang der Bürger mit der Krise erleichtert.

Sie gehen von Anfang an sehr offen mit Informationen über das Coronavirus um und halten die Bevölkerung auch über die Zahl der Erkrankten - und inzwischen erfreulicher Weise ja auch wieder Gesundeten - am Laufenden. Warum eigentlich? 
Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass eine unmittelbare und direkte Information den Umgang der Bürger mit der Krise erleichtert. Und Information nimmt auch Angst. Diese Erfahrungen habe ich bei den großen Hochwässern in Ardagger gemacht. Dazu kommt noch, dass bei Ausgangseinschränkungen, wie wir sie jetzt haben, und bei dieser völligen Einschränkung des öffentlichen Lebens eine starke Kommunikation durch den Bürgermeister auch eine „verbindende“ Wirkung mit der Möglichkeit der breiten Anteilnahme der Bevölkerung an den restlich vorhanden Ortsthemen hat.  

"Wir müssen spätestens jetzt in vielen Bereichen beginnen, einen normalen Umgang mit dem Virus zu entwickeln"

Wie fällt Ihr Resümee der ersten Quarantänewochen aus und wie lange werden wir mit dem Virus leben müssen?
Ich glaube, diese ersten beiden Wochen der Coronakrise waren zwar angsterfüllt und voller Unsicherheit - deshalb haben wir uns alle auch massiv eingeschränkt - aber sie waren erst der Anfang. Wir müssen spätestens jetzt in vielen Bereichen beginnen, einen normalen Umgang mit dem Virus zu entwickeln. Ich sag immer: Abstand halten und Hygienemaßnahmen einhalten, auch vieles Einschränken aber trotzdem normal und praktisch weiterleben. Und im Bereich Schule, Kindergarten und Veranstaltungen aber auch Freizeit müssen wir uns noch auf längere Schließzeiten einstellen. Das wird ein großes Durchhaltevermögen von uns allen einfordern. Darum bitte ich auch alle um Ausdauer –  sie dient unser aller Gesundheit!"