Michael Garschall: „Unschlagbarer Teamgeist“. Intendant Michael Garschall im Gespräch über 30 Jahre Herbsttage und die Rolle der Operette.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 21. Februar 2019 (04:52)
Mark Glassner
Für Intendant Michael Garschall muss eine Operette vor allem unterhalten.

NÖN: Im Herbst wird mit „Die Fledermaus“ von Johann Strauss das 30-Jahr-Jubiläum gefeiert. Haben Sie bei der Gründung der Herbsttage Blindenmarkt an so eine erfolgreiche Entwicklung gedacht?

Michael Garschall: „Als sehr junger Mensch war ich mehr mit der Gegenwart beschäftigt und mit dem Erfolg der ersten Herbsttage überglücklich. Wir mussten die Eigenproduktion aufgrund des unglaublichen Zuspruchs zweimal wiederholen! Sehr schnell war klar, dass etwas ganz Besonderes entstanden ist und eine Basis für viele weitere Jahre geschaffen ist: Hochkultur für alle und eine neue Heimstätte für die Operette!“

Welchen Wunsch gibt es zum 30-Jahr-Jubiläum?

Garschall: „ Dass die Begeisterung aller Beteiligten anhält und unser Publikum die Entdeckerfreude behält. Alle unbekannten Operetten waren bisher immer ausverkauft. Einen Wunsch habe ich mir schon erfüllt: Zum Jubiläum gibt es eine zweite Eigenproduktion: ‚Pippi Langstrumpf‘, das Theaterstück von Astrid Lindgren, die Musik kommt vom Blindenmarkter Bernd Leichtfried. Auf der Bühne sind 40 Mitwirkende und eine Liveband zu erleben.“

Das sensible, wertschätzende Miteinander von Profis und Laien beim Ensemble der Herbsttage hinterlässt jedes Jahr einen großen Eindruck. Wie haben Sie das geschafft?

Garschall: „Das ist Teil des Erfolgsrezepts! Unser Teamgeist ist unschlagbar. Profis und Amateure wachsen sehr schnell zusammen, da werden keine Unterschiede gemacht. Wunderbar ist das Alter der Mitwirkenden, von 5 bis 85, für jeden ist Platz! Dann ist da noch der einsatzfreudigste Theaterchor der Welt. Und das „Operettenherz“ von Kurt Dlouhy!

Wenn man mit Ihnen über die Operette spricht, spürt man immer die ungebrochene Sympathie zu diesem Genre. Welche Rolle sollte in Zeiten wie diesen das Theater beziehungsweise im speziellen die Operette spielen?

Garschall: „Die Operette gehört zum österreichischen Kulturgut und muss gepflegt werden. Die „Fledermaus“ ist ja ohnehin ein Geniestreich. An erster Stelle soll nicht Ausstattungskitsch stehen, sondern die wunderbare Musik und die kritischen Elemente, die die Operette allemal hat. Sie braucht die vielseitigsten Künstlerinnen und Künstler, damit es auf der Bühne so richtig knistert.“

Welche Wirkung kann die Operette erzielen und soll auch Stellung bezogen werden zu aktuellen Ereignissen?

Garschall: „Sie muss in erster Linie unterhalten! Das kann auch auf hohem Niveau passieren, gerade in der Zeit von Comedy und Co. Den aktuellen Bezug gibt’s in der Operette immer, meist mit dem Komiker im 3. Akt. Heuer ist mit dem „Frosch“ von Willi Narowetz in dieser Hinsicht besonders viel zu erwarten!“