Bezirk Amstetten: Pfarrer "liefert" den Ostersegen aus. Ostern rückt nahe und wird heuer für die Christen ganz anders sein. Die Coronakrise verhindert die gewohnte Liturgie. Damit die Gläubigen aber nicht auf gesegnete Palmbuschen und geweihte Speisen verzichten müssen, will der Hirte der Pfarren St. Stephan und St. Marien in Amstetten, Peter Bösendorfer, sozusagen "Hausbesuche" machen - natürlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. März 2020 (13:21)

In den Tagen vor dem Palmsonntag werden gesegnete Palmzweige in den Amstettner Kirchen bereit liegen, die die Menschen mit nach Hause nehmen können. In der Karwoche will der Pfarrer dort, wo es gewünscht ist, auch Palmzweige und das Ostermahl segnen. "Ich biete den Leuten an, telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Sie stellen dann die Palmzweige und den Korb mit den Speisen an den Gartenzaun oder vor das Haus und ich komme vorbei und segne mit Weihwasser die österlichen Gaben. Am besten soll nur eine Person dabei sein. Selbstverständlich ist das Weihwasser völlig frisch geweiht", sagt Bösendorfer.

Der Pfarrer wird natürlich die Osterliturgie in der Kirche feiern. "Wenn ich gesund bleibe und bin werde ich am Gründonnerstag in St. Stephan den Abendmahlsgottesdienst, am Karfreitag dann in St. Marien die Karfreitagsliturgie und die Osternachtsfeier dann wieder in St. Stephan mit jeweils vier Personen feiern, natürlich mit Sicherheitsabstand. Am Ostermontag bin ich dann wieder in St. Marien", sagt der Pfarrer.

Seine "Schäfchen" bittet er, Ostern in der Hauskirche zu feiern. Anregungen dafür wird es auch auf der Homepage der Pfarre geben. "Es kann ja auch eine Chance für die Familien sein, wieder enger zusammenzurücken, als das sonst im Alltag möglich ist", meint Bösendorfer.

Der Amstettner Hirte ist in diesen Tagen natürlich auch als Seelsorger gefragt, wenn auch "nur" telefonisch. "Es rufen immer wieder Leute an, die einfach reden wollen, weil ihnen sonst die Decke auf den Kopf fällt. Oft sind es auch ältere Personen, die zur Risikogruppe gehören und wo auch die Angehörigen sehr darauf achten, dass sie nicht hinaus gehen", erzählt er. Der Pfarrer sucht aber auch selbst Kontakt zu den Menschen. "Ich habe etwa 1.300 Nummern in meinem Handy und davon rufe ich jeden Tag zehn andere Leute an und frage, wie es ihnen geht. Da merkt man schon den Redebedarf, den die Menschen haben - und sei es auch nur normaler Smalltalk."

Auch mit Kranken, zum Teil mit schwereren Symptomen, ist Bösendorfer in Kontakt und spricht ihnen Mut zu. "Ihre größte Sorge ist meist nicht die eigene Gesundheit, sondern dass sie ihre Familie oder andere Menschen angesteckt haben", erzählt er.

Was den Pfarrer freut, ist, dass in Amstetten der Zusammenhalt in den Familien sehr gut ist und auch die Nachbarschaftshilfe funktioniert. Kranke würden meist von ihrem engeren Umfeld versorgt. Die Pfarre biete zwar auch Hilfe an, aber diese werde bislang kaum benötigt.

Bösendorfer selbst nutzt die Zeit im Homeoffice aber auch um Projekte für die Zeit nach der Krise voranzubringen, die ihm ein Herzensanliegen sind: "Das sind Themen wie die Energiesparpfarre und die Klimabündnispfarre. Da habe ich jetzt Zeit Ideen und Strategien zu entwickeln", sagt er.