Ärzte im Bezirk Amstetten haben keinen Grippe-Impfstoff. Impfstoff ist in Amstetten bei Medizinern und in Apotheken Mangelware. Land will aber die Risikogruppen versorgen.

Von Hermann Knapp, Katharina Kreisa und Peter Führer. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:22)
150 Personen haben sich in derOrdination des praktischen Arztes Josef Weinhart in Hausmening schon für die Grippeimpfung angemeldet. „Bis jetzt habe ich aber noch keinen Impfstoff, und die Leute immerwieder vertrösten zu müssen, ist schwer“, sagt der Mediziner.
Heribert Hudler

„Wir stehen vor dem Problem, dass den Leuten zwar wegen der Corona-Situation die Grippeimpfung empfohlen wird, wir aber keinen Impfstoff haben. In den letzten Jahren hat man immer gesagt, dass die Leute zu wenig gewillt sind, sich impfen zu lassen, nur 7 bis 8 Prozent, jetzt wären viel mehr dazu bereit, aber wir können sie nicht impfen“, sagt Josef Weinhart, praktischer Arzt in Hausmening.

In seiner Ordination haben sich schon 150 Personen für die Impfung angemeldet. „Bis jetzt habe ich aber noch keinen Impfstoff und die Leute immer wieder vertrösten zu müssen, ist schwer.“ Weinharts Bemühungen, sich Impfstoff zu besorgen, waren bislang erfolglos. „Tatsache ist, dass es in ganz Amstetten keinen gibt, auch in den Apotheken nicht. Meine Frau hat überall nachgefragt.“ Sogar Apotheken in Wien habe man kontaktiert, ebenfalls vergeblich. „Laut Auskunft vom Land wird es Impfstoff erst Ende November und dann eine zweite Tranche Mitte Dezember geben“, sagt der Arzt.

Bezirksärztevertreter Christian Egelseer bestätigt auf Anfrage der NÖN die Probleme, Impfstoff zu bekommen. „Wir haben von vielen Ärzten die Rückmeldung, dass es keinen gibt. Auch nicht für Ärzte, die schon im Mai bestellt haben. Das ist ein Riesenproblem“, sagt er. Die Mediziner hätten bereits eine Protestnote an die Ärztekammer gerichtet, doch diese weise darauf hin, dass es Aufgabe der Ärzte selbst ist, sich um ausreichend Impfstoff zu kümmern.

„Unklar, wie Impfaktion ablaufen soll“

„Das Land Niederösterreich hat angeblich 75.000 bis 80.000 Impfstoff-Dosen besorgt, um zumindest die Risikogruppen, die Spitäler, die Ärzte oder mobile Krankenpfleger zu versorgen. Wie das ablaufen soll, wissen wir aber nicht. Es gibt eine Presseaussendung, die besagt, dass im Dezember Impfdosen kommen sollen. Dann ist es zwar vielleicht nicht zu spät, aber es wäre sinnvoll, wenn früher geimpft werden kann“, sagt Eglseer. Ihn ärgert, dass die Ärzte zwar Plakate bekommen, auf denen darauf hingewiesen wird, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen, die Impfungen selbst bekämen sie aber nicht.

Apotheker Jörg Mitterndorfer sieht die Chance auf Impfstoff gering.
privat

Laut Jörg Mitterndorfer von der Amstettner Stadtapotheke sind die Chancen, „dass Grippeimpfstoff geliefert wird gering – unter zehn Prozent. Eine Lieferung ist zwar für Dezember angekündigt, aber niemand weiß, wie sie auf die Apotheken aufgeteilt wird. Man kann sich auf die Warteliste setzen lassen, aber eine Garantie für eine Impfung gibt es nicht.“

Zumindest ein Amstettner Arzt verfügt aber doch über Impfstoff. In der Ordination von Gerhard Walter wird auf NÖN-Anfrage erklärt, dass ein gewisser Vorrat vorhanden sei. Wer sich impfen lassen wolle, müsse sich aber natürlich anmelden.

Grippeimpfung nicht in öffentlicher Versorgung

Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SP) weist darauf hin, dass Grippeimpfungen nicht in „der öffentlichen Versorgung beinhaltet sind und bislang von Ärzten und Apotheken selbst angekauft wurden.“ Warum sie den bestellten Grippeimpfstoff nicht erhielten, entziehe sich ihrer Kenntnis. Vielleicht entstehe durch die höhere Nachfrage der Eindruck eines Engpasses, denn die Impfbereitschaft sei heuer besonders hoch. „Was wir seitens des Landes (Bundes) gemacht haben, ist, für „Risikogruppen der Influenza“ – das sind ältere Menschen und Kinder, – vorzusorgen. Ich habe mich deswegen als zuständige Landesrätin an den Aktionen des Bundes beteiligt und über den Bund Impfstoff bestellt“. (Näheres dazu in der Stellungnahme unten).