Mauer , Ulmerfeld-Hausmening

Erstellt am 15. Januar 2019, 05:56

von Hermann Knapp und Stephanie Turner

Überlastet: Ärztemangel wird akut. Mediziner in Hausmening und Ulmerfeld betreuen täglich 260 Patienten. Auf Dauer ist das unmöglich.

Bürgermeisterin Ursula Puchebner, Ortsvorsteher Egon Brandl, Ortsvorsteher Bernhard Wagner und Stadtrat Helfried Blutsch appellieren an die Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den Ortsteilen Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth und Mauer sicherzustellen.  |  SPÖ

Die ärztliche Versorgung im Westen Amstettens ist zur Zeit prekär. Schon Mitte des Vorjahres ist ja der praktische Arzt von Mauer, Leopold Klemm, in Pension gegangen. Nachfolger für ihn gibt es bislang keinen, obwohl die Kassenstelle schon mehrmals ausgeschrieben wurde. Es gab keine Bewerber dafür.

Seit November ist zudem auch noch die Ordination von Werenfried Heger in Neufurth wegen Krankheit geschlossen. Wann und ob er sie überhaupt wieder öffnet, ist unklar.

Bleiben nur noch der Praktiker Josef Weinhart in Hausmening und seine Kollegin Aljona Kramberger-Kaplan in Ulmerfeld zur Versorgung eines Einzugsgebiets mit immerhin rund 7.900 Einwohnern.

Täglich kommen bis zu 260 Patienten

„Ich habe täglich zwischen 160 und 260 Patientenkontakte. Da sind Leute darunter, die nur ein Rezept oder eine Überweisung brauchen, aber auch sehr viele, die untersucht werden müssen, Infusionen benötigen oder auch eine Spritze. An einem Tag hatten wir sogar 267 Patienten in der Ordination, das war Rekord“, berichtet Weinhart. Für ihn bedeutet der Ansturm eine tägliche Arbeitszeit von 5 Uhr früh bis 19 Uhr am Abend. „Und ich würde es gar nicht schaffen, wenn ich nicht so fleißige und gute Assistentinnen hätte, die auch lange nach Ende der eigentlichen Dienstzeit noch nacharbeiten. Es gibt ja auch viele Schriftstücke zu erledigen“, erklärt der Arzt.

Dr. Aljona Kramberger-Kaplan, praktische Ärztin in Ulmerfeld.  |  GKK

Hinzu kämen die Visiten am Nachmittag, die dann ebenfalls noch schriftlich aufgearbeitet werden müssten. Weinhart berichtet, dass vor allem die Zahl der Personen, die eine 24-Stunden-Betreuung haben, ständig steige. Auch sie muss der Arzt natürlich regelmäßig besuchen, um Verbände zu wechseln, Infusionen zu verabreichen und zum Beispiel auch Verordnungen für Windeln auszustellen. „Ich habe die Lage natürlich schon mit der Ärztekammer besprochen, aber da hat man auch keine Lösung parat. Wir wissen nicht, ob Dr. Heger wieder kommt. Ein Vertreter, der zumindest Schriftverkehr übernimmt, wäre schon hilfreich. Auf jeden Fall brauchen wir zumindest einen weiteren Arzt der mitanpackt. Auf Dauer können wir diesen Ansturm nicht bewältigen.“

Dr. Josef Weinhart, praktischer Arzt in Hausmening.  |  privat

100 Patienten pro Tag zu betreuen ist machbar

Aljona Kramberger-Kaplan, praktische Ärztin in Ulmerfeld sieht die Lage genauso dramatisch. „Die Situation ist schon seit Oktober sehr extrem und ich befürchte, dass sich auch in nächster Zeit nichts daran ändern wird. Die Patienten warten teilweise stundenlang. Die Stimmung ist auf allen Seiten sehr angespannt, wir selbst können aber auch nichts machen, um die Situation zu verbessern. Bei den jungen Ärzten fehlt leider einfach das Interesse, um sich auf dem Land niederzulassen. Es müssen aber trotzdem alle Patienten versorgt werden. 100 Patienten pro Tag zu betreuen ist machbar, im Moment liegen wir allerdings bei 200 Patienten pro Tag.“ Grund für den Andrang sei, so Kramberger-Kaplan, neben dem Ausfall von Ärzten auch die aktuelle Erkältungs- bzw. Grippewelle.


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