"Saubere Feste" ohne Plastik sind gefragt. Der Sommer ist die Jahreszeit der Feste, Feiern und der guten Laune. Die Kehrseite sind jedoch die Müllberge, die dabei produziert werden.

Von Gerold Keusch. Erstellt am 02. Juli 2019 (05:12)
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Beim Feuerwehrfest kommt abwaschbares Geschirr zum Einsatz. Von links: Bruno Stadlbauer, Bezirksfeuerwehrkommandant Rudolf Katzengruber und Helmut Mille.

In Österreich scheint der Klimawandel manchmal weit weg zu sein. Im Sommer, wenn die Hitze von Jahr zu Jahr unerträglicher wird, ist er jedoch ganz nah. Mit der Hitze geraten nicht nur das Klima, sondern auch andere Umweltanliegen in den Fokus. Aktuell ist Plastik im Visier der Umweltaktivisten, wie die Initiative „Amstetten ohne Plastik“ zeigt.

Der Sommer ist nicht nur die Jahreszeit, in der uns der Klimawandel zu schaffen macht, er ist auch die Zeit der Feste und Veranstaltungen. Sie sind ein Höhepunkt des Dorf- und Vereinslebens, produzieren aber große Mengen von Müll. Eines der größten Zeltfeste der Region ist jenes der Feuerwehr Euratsfeld. Für Kommandant Rudolf Katzengruber ist Nachhaltigkeit ein besonderes Anliegen.

"Für die Umwelt verzichten wir gerne auf mehr Gewinn"

„Wir verwenden seit Jahren Mehrweggeschirr und verzichten auf Einwegprodukte aus Plastik oder Papier“, erklärt Katzengruber. Zeltfeste sind eine wichtige Einnahmequelle für die Feuerwehren, die damit auch Geräte kaufen. „Mit Einwegprodukten könnten wir mehr Gewinn machen. Für die Umwelt verzichten wir aber gerne darauf“, sagt Katzengruber.

Obwohl Wegwerfprodukte immer stärker geächtet werden, bemerkt er einen Anstieg bei anderen Festen. „Der Grund liegt in der Bequemlichkeit. Wegwerfware muss man nicht abwaschen und man braucht keinen Wasseranschluss oder -abfluss, sondern nur einen großen Container“, so Katzengruber, der auch Bezirksfeuerwehrkommandant ist. Vorgaben vom Bezirkskommando, wie Ortsfeuerwehren ihre Festen organisieren, gibt es nicht.

Glasflaschen sind eine Alternative

„Ich war immer ein Verfechter von Glasflaschen“, sagt Wolfgang Höfinger. Der Getränkehändler beliefert jedes Wochenende zwei bis drei Zeltfeste. „Ich verstehe nicht, dass wir erst jetzt erkennen, dass Plastikflaschen ein Umweltproblem sind“, sagt Höfinger, der sich schon vor Jahrzehnten über Plastikflaschen im Meer ärgerte.

Geschmackliche Vorteile bei den Glasflaschen

Der Unternehmer ist überzeugt, dass Getränke in Glasflaschen nicht nur ein Beitrag für den Umweltschutz sind, sondern auch besser schmecken. „Plastikflaschen sind nicht gasdicht. Die Getränke verlieren die Kohlensäure und damit den Geschmack“, erklärt Höfinger, der nicht nur mit Getränken handelt, sondern sie auch produziert.

„Für mich kam es nie in Frage, meine Produkte in Plastikflaschen zu füllen. Auch weil bereits meine Großeltern Kracherl und Sodawasser in Glasflaschen abfüllten“, so der Unternehmer. Dennoch bietet auch er Getränke anderer Marken in Plastikflaschen an. „Ich musste das tun, um keine Kunden zu verlieren. Ich würde mich aber freuen, wenn es in Zukunft nur noch Getränke in Glasflaschen gäbe“, sagt Höfinger.

Feste und Veranstaltungen sind eine Plattform für Marketingmaßnahmen, die auch Regionalbanken nutzen. „Wir verwenden zwar kaum noch Plastiksackerl, bei anderen Produkten können wir jedoch noch nicht auf Plastik verzichten. Auch weil diese nur selten aus nachhaltigen Materialien hergestellt werden“, erklärt Thomas Fasching, Leiter der Marketingabteilung der Amstettner Sparkasse. 

Mehrweggeschirr für „sauberhafte Feste“

Dennoch sieht Fasching sein Unternehmen als Vorreiter beim Umweltschutz. „Unsere Fahrzeugflotte besteht aus Elektrofahrzeugen. Es gibt eine E-Tankstelle für die Mitarbeiter und wir haben eine Photovoltaikanlage, um umweltfreundlichen Strom zu produzieren“, so Fasching. „Müllvermeidung ist für uns ein Thema, weil Müll die Gemeinde und die Bürger belastet. Deshalb sind wir an allen Maßnahmen zur Vermeidung oder Recycling interessiert“, erklärt Ardaggers Bürgermeister Johannes Pressl.

Eine dieser Maßnahmen sind die „Sauberhaften Feste“. Diese Initiative des NÖ Umweltverbandes hat das Ziel, Wegwerfgeschirr zu vermeiden. Dazu wird Mehrweggeschirr vom Land beziehungsweise den Umweltverbänden zur Verfügung gestellt. Vorgaben, wie Feste in der Gemeinde gefeiert werden, gibt es in Ardagger nicht. „Wir machen sie aber auf diese Initiative aufmerksam“, sagt der Bürgermeister.

Dass man in Zukunft komplett auf Plastik verzichten kann, glaubt Pressl nicht. Dazu ist es als Lebensmittelverpackung zu weit verbreitet und für das Einhalten von Hygienevorschriften wichtig. „Wenn wir Plastik schon nicht vermeiden können, dann müssen wir es zumindest wiederverwerten. Deshalb ist bei Festen die Mülltrennung so wichtig“, betont Pressl.

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