„Ein würdiger Abschluss“. Intendant Johann Kropfreiter über die „Rocky Horror Show“ und seinen bevorstehenden Rückzug.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 20. Januar 2019 (05:40)
Helmut Lackinger

 

NÖN: Zum 30-Jahr-Jubiläum des Musical Sommers Amstetten gibt es Richard O’Briens „The Rocky Horror Show“. Haben Sie eine spezielle Sichtweise auf dieses Musical?
Johann Kropfreiter: „Die Rocky Horror Show bedeutet für mich nach wie vor die schrägste Story mit der schrillsten Fangemeinde. Einzigartig im Musicalbereich würde ich meinen. 46 Jahre nach der Uraufführung sorgt diese Science-Fiction-Geschichte immer noch für Furore, wo immer sie den Weg auf den Spielplan schafft. Ich freue mich, dass wir heuer zu den Auserwählten zählen, die es spielen dürfen.“

NÖN: Sie haben einmal gesagt, Sie hören gerne Rockmusik? Wieviel davon steckt in diesem Musical?
„Bei der Audition Anfang Dezember durfte ich bereits einige Nummern aus dem Stück hören. Die Begeisterung war gleich wieder entflammt in mir! Bei ‚Time Warp‘, ‚Over The Frankenstein Place‘ und ‚Sweet Transvestite‘ geht’s musikalisch schon ganz schön zur Sache. Hits aus der guten alten Rockmusik-Schule! Aber auch wunderschöne Balladen fehlen nicht in der Show, wenn ich beispielsweise an ‚I’m Going Home‘ denke.“

NÖN: Vor Kurzem war in einem Kommentar zu lesen, dass man dieses Kultmusical wenigstens einmal im Leben gesehen haben muss. Wo liegt für Sie die Faszination?
„Es gibt immer wieder Shows, die sehr crazy sind, die Menschen jedoch nicht berühren. Davon hebt sich für mich die ‚Rocky Horror Show‘ ab. Wenn ich mich an Paul Kribbes ‚I’m Going Home‘ aus unserer 1992er Produktion erinnere, in dem Frank erklärt, dass er eines Tages auf die Erde zurückkehren und dort für immer bleiben wird, steigt immer noch Gänsehautfeeling in mir auf! Dazwischen liegen immerhin 27 Jahre! Vergleichsweise dazu gibt’s nur noch einen Song, der ähnliches schafft, nämlich „Gethsemane“ aus ‚Jesus Christ Superstar‘, gesungen von Drew Sarich. Beide Stücke muss man gesehen haben!“

NÖN: Man hört, dass Sie mit Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand treten. So ist dieses Musical zugleich auch ihr letztes, das sie zu verantworten haben. Ist es auch ein Höhepunkt in ihrer langen Intendanz?
„Höhepunkte in der Geschichte des Musical Sommers Amstetten gab es rückblickend gesehen viele. In meine 20-jährige Intendanten-Ära fallen zwei Uraufführungen – „Carmen Cubana“ (2006) und „Rockville“ (2009) – eine europäische Erstaufführung – „The Wild Party“ (2003) – eine deutschsprachige Erstaufführung – „The Full Monty“ (2010) – fünf österreichische Erstaufführungen: „Fame“ (2000), „Moby Dick“ (2001), „Tommy“ (2002), „Flashdance“ (2014), „Rock of Ages“ (2018), und drei österreichische Erstproduktionen: „Footloose“ (2004), „Aida“ (2008), „Saturday Night Fever“ (2015). Diese Musicals gab es zuvor als Tourneeversion, wurden von uns aber in Österreich erstproduziert.“

NÖN: Wie blicken Sie auf diese 20 Jahre zurück?

Diese Auflistung erfüllt mich doch mit Stolz, aber auch mit großer Dankbarkeit an die politisch handelnden Personen Amstettens, die mir das in den letzten zwanzig Jahren ermöglicht haben. Dank gilt aber auch dem Land NÖ sowie den vielen Sponsoren, ohne deren finanzielle Unterstützung die Auslistung um ein vielfaches ärmer aussehen würde. Die „Rocky Horror Show“ bedeutet also nicht den Höhepunkt meiner Intendanz, sondern einen sehr würdigen Abschluss. Immerhin habe ich viele Jahre darum gekämpft, noch einmal die Aufführungsrechte dafür zu bekommen. Jetzt kann ich zufrieden sagen ‚I’m going home‘.“