Initiative um Leerstand: Start für die Erhebung. In den Gemeinden Ardagger, Neustadtl, Neuhofen und Euratsfeld schafft man sich einen Überblick über den Leerstand.

Von Peter Führer. Erstellt am 14. April 2021 (04:18)
Stefan Lettner wird mit CIMA in den kommenden Wochen und Monaten die Leerstände in den Gemeinden analysieren.  Foto: privat
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Wie die NÖN bereits berichtete, starten mehrere Gemeinden der Regionen Ostarrichi Mostland und Donau-Ybbsfeld eine Leerstandserhebung . In einer ersten Phase sind Neustadtl, Ardagger, Neuhofen und Euratsfeld mit an Bord. In einer zweiten Phase, die im Herbst starten wird, folgen Ferschnitz, Viehdorf, Winklarn und Oed-Öhling.

In einigen Gemeinden fehlen noch entsprechende Beschlüsse, Zeillern wird laut Stefan Lettner (CIMA Beratung + Management GmbH) – er wird mit seinem Unternehmen dieses „Leerflächen-Impulsprogramm“ durchführen – auf eine Teilnahme verzichten.

„Beim Leerflächen-Impulsprogramm geht es um die Themen Leerflächen nutzen, Flächen sparen und Ortszentren verdichten. Wir haben seit Jahrzehnten eine deutlich verfehlte Raumordnungspolitik und sind Europameister, was Flächenverbrauch betrifft. Das beginnt dabei, dass man Einkaufszentren ins Grüne gebaut hat und so eine Verödung in den Zentren bewirkt“, erklärt Lettner.

Leider sei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu oft vorgekommen, dass man wertvolle Grünflächen für neue Bauten genützt hat, bevor man den Versuch unternahm, brach liegende Flächen im Ortskern heranzuziehen. Man sei hier zu oft den einfacheren Weg gegangen. „Wie der Name schon sagt: Die Raumordnung soll den Raum ordnen. Das ist zu oft leider nicht passiert“, argumentiert Lettner.

„Wir sind Europameister, was den Flächenverbrauch betrifft.“ Stefan Lettner (CIMA) über die Folgen der Raumordnung der vergangenen Jahrzehnte

Diese Entwicklung führe zu leer stehenden Gebäuden, verwaisten Wohnhäusern und brach liegenden Flächen. Das Leben verschwinde aus den Ortskernen. „Mit diesen Folgen kämpfen viele Gemeinden. Was man nicht vergessen darf: Das Ganze führt ja auch zu einer Vernichtung an Immobilienwerten. Wenn Häuser im Zentrum leer stehen, verlieren auch die Nachbarhäuser an Wert“, schildert Lettner einen weiteren problematischen Aspekt.

Das Land Niederösterreich habe mittlerweile erkannt, dass eine Reaktivierung von verwaisten Gebäuden wichtig ist, und auch die Raumordnung verschärft. Das neue Schlagwort: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Dabei können kreative Ideen mithelfen, diese Gebäude und Flächen wieder verfügbar zu machen. Dafür müsse man eben mehr Energie aufbringen.

Der erste Schritt: die Bestandsaufnahme

In den ersten Gemeinden startete in dieser Woche der erste Teil des Impulsprogramms. Hier geht es um eine Bestandsaufnahme. „Wir sehen uns an, wo es aktuelle Leerstände und leer stehende Flächen gibt, und wollen dann einen Kataster erstellen. Schön wäre auch zu wissen, wo künftig Flächen frei werden, um zum Beispiel eine Art ‚Frühwarnsystem‘ zu schaffen“, klärt Lettner auf.

In einem zweiten, wichtigeren Schritt will CIMA dann mit den Grundeigentümern in Kontakt treten. Hier legt man besonderen Wert auf Fingerspitzengefühl. „Es ist ganz wichtig, dass das nicht so rüberkommt, dass die Gemeinde oder die Initiative etwas will, sondern es ist umgekehrt: Wir wollen für die Besitzer, die nicht wissen, was sie mit den Häusern machen sollen, eine Dienstleistung sein. Wir wollen neue Ideen aufzeigen“, erläutert Lettner.

Besitzer seien vielleicht überfordert oder hätten eine Immobilie geerbt, wohnen jedoch ganz woanders. Man wisse oft nicht, ob Investitionen, ein Verkauf oder eine Vermietung sinnvoller sind. „Hier wollen wir mit Fachleuten einfach Hilfestellung bieten. Ganz unverbindlich und ohne Kosten“, unterstreicht Lettner. Ihm sei auch bewusst, dass dieses Angebot nicht jeder Besitzer in Anspruch nehmen wird.

Ergebnisse werden für den Herbst erwartet

Wie das Endergebnis nach dem laufenden Ergebnis der Initiative dann aussieht, müsse man abwarten. Ziel sei es, viele Gespräche zu führen und auch Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. „Wichtig ist auch die Signalwirkung, dass man sich nun in der Region aktiv um das Thema Leerstände kümmert. Dass das hier in mehreren Gemeinden gleichzeitig gemacht wird, ist ein Pilotprojekt“, sagt Lettner.

Nach dem Start der Bestandsaufnahme wird entschieden, wie die freiwilligen Gespräche und Begehungen über den Sommer dann aussehen können. „Wir rechnen damit, dass wir im Herbst Ergebnisse haben werden und daraus auch Maßnahmen entwickeln. Weitere Ideen sind etwa die Vermarktung der Leerstände, ein Online-Kataster oder ein Leerstandsmanager, der etwa Betriebsnachfolger sucht. Der Nutzen für die Gemeinden ist auf jeden Fall gegeben“, ist Lettner sicher.